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Top-Thema vom Montag, 3. September 2012


Heiße Phase im US-Wahlkampf beginnt

Obama warf Romney am Wochenende auf einer Wahlkampfveranstaltung Ideenlosigkeit vor. (© AP/dapd)

Die US-Demokraten kommen von Dienstag an zu einem Parteitag in North Carolina zusammen, um Barack Obama zu ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahl zu nominieren. In Umfragen liegt der Amtsinhaber seit Monaten knapp vor dem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Kommentatoren kritisieren, dass beide Kandidaten bislang auf Attacken statt auf Inhalte setzen, und bezweifeln, dass Obama die Massen erneut so begeistern kann wie vor vier Jahren.


La Stampa - Italien

Nur Attacken statt Ideen

Der US-Wahlkampf beruht bislang allein auf gegenseitigen Anschuldigungungen, meint die liberale Tageszeitung La Stampa und hofft, dass sich das mit dem Parteitag der Demokraten in dieser Woche ändert: "Die Pattsituation [in Umfragen zwischen den Präsidentschaftskandidaten] geht auf Kosten der Programme. Strategen, Meinungsforscher und Fernsehspots setzen auf Attacken statt auf Vorschläge. ... Obama verspricht, am Donnerstag in seiner Rede einen anderen Ton anzuschlagen und weitgreifende Wirtschaftsreformen zu verkünden. … Romney und sein Vize Paul Ryan wollen ebenfalls bald die Details ihres Plans zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit lüften. In Erwartung dieser Initiativen verharren die USA in der Ungewissheit eines Wahlkampfs, in dem das konfliktgeladene politische Spannungsverhältnis die Dürftigkeit der Ideen und die Führungsschwächen vertuscht. Obama ist es nicht gelungen, Washington zu verändern, wie er es 2008 versprach. Und Romney stützt seinen Sieg nicht auf eine neue Idee von Amerika, sondern auf die Unzufriedenheit über die Versäumnisse seines Rivalen." (03.09.2012)


The Guardian - Großbritannien

Der amerikanische Ikarus

Die Erwartungen in Obama waren bei seiner Wahl vor vier Jahren so groß, dass er zwangsläufig scheitern musste, analysiert die linksliberale Tageszeitung The Guardian die bisherige Amtszeit des US-Präsidenten: "Die Liberalen sahen in ihm einen echten Radikalen. Die politische Mitte hoffte, dass er die Macht der Lobbys in Washington brechen könnte. Klimaschützer glaubten, dass Amerika das Bemühen um ein Nachfolgemodell für Kyoto anführen würde - nicht, dass es dieses blockieren würde. Jeder betete dafür, dass Obama das angeschlagene Bild Amerikas in der Welt wiederherstellen würde und dass das Land seine Führungsrolle mit der Macht der Argumente ausfüllen würde anstatt mit Waffengewalt. Dieser Ikarus flog so hoch, dass er stürzen musste. ... Der Wahlkampf war bis jetzt derart bitter und personenbezogen, dass keiner der beiden Kandidaten auch nur im Traum daran dachte, eine entscheidende politische Rede zu halten. ... Doch diese Woche muss Obama mehr leisten. Er muss einen echten Grund vorbringen, wiedergewählt zu werden, und nicht nur Ängste schüren." (03.09.2012)


Trouw - Niederlande

Obamas Rhetorik reicht nicht mehr

Dass US-Präsident Obama im Gegensatz zu seinem republikanischen Kontrahenten Romney ein formidabler Redner ist, wird nicht reichen, um die Wähler für sich einzunehmen, meint die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Vor vier Jahren verkörperte er den Neuanfang, heute kann er nicht viel mehr anführen, als dass er es angesichts der Umstände nicht so schlecht gemacht hat. Auch wenn das die Wahrheit ist, als Slogan reicht das nicht. Verweise auf die republikanische Blockaden im Kongress begeistern nicht wirklich. ... Die entscheidende Frage ist, ob Romney Strategien hat, die mehr Perspektive bieten als die von Obama. Was will der republikanische Kandidat? Die Steuern senken, die Reform der Krankenversicherung rückgängig machen, noch mehr für Verteidigung ausgeben und international eine aggressivere Politik führen. Man kann schwerlich einsehen, wie die USA und der Rest der Welt davon profitieren sollten. Die Aufgabe für Obama ist nun, dem eine praktische und glaubwürdige Alternative entgegenzusetzen." (03.09.2012)


Expansión - Spanien

US-Wahlkampf wird noch spannend

Vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten erinnert der Journalist Tom Burns Marañón in der konservativen Wirtschaftszeitung Expansión daran, wie viel sich geändert hat, seit die Amerikaner 2008 Obama mit enormen Erwartungen ins Amt wählten, und meint, dass der Wahlkampf zwischen Obama und Romney noch spannend werden könnte: "Entgegen der bisherigen Prognosen glaube ich, dass diese Präsidentschaftswahl, die sich am 6. November entscheidet, alles andere als langweilig sein wird. Es bleibt abzuwarten, ob es Obama erneut gelingt, die Massen zu begeistern. Und es ist sicher, dass Romney den Idealen des aktuellen Präsidenten seinen Pragmatismus als Geschäftsmann entgegensetzt. Dass ein sehr ernsthafter Mormone, der viel seiner Zeit und seines Gelds für die Kirche der Heiligen der Letzten Tage verwendet, die Chance hat ins Weiße Haus einzuziehen, zeigt, wie viel sich [seit der letzten Wahl] verändert hat. Das spricht zumindest für andere Werte. Kritiker mögen diese Werte für naiv halten, aber es sind doch Werte. Auf eine gewisse Art sogar altruistische Werte." (03.09.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 3. September 2012

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