Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Montag, 8. Oktober 2012


Neue Kämpfe zwischen Syrien und der Türkei

Am Sonntag kam es den fünften Tag in Folge zu Schüssen über die Grenze hinweg. (© AP/dapd)

Die Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei kommt nicht zur Ruhe. In der Nähe der Stadt Akçakale kam es am Wochenende zu mindestens einem weiteren syrischen Granatenangriff, den die türkische Armee erwiderte. Kommentatoren analysieren, dass die Türkei auf die Unterstützung des Westens nicht bauen kann und deshalb auf die Ablösung von Assad durch seinen Vize setzt.


Sme - Slowakei

Westen wird Türkei nicht unterstützen

Der Westen unterstützt die Türkei nur halbherzig, weil ein Machtausbau des Landes die Region weiter destablisieren würde, meint die liberale Tageszeitung Sme: "Die Araber erinnern sich nur ungern der Unterdrückung durch das Osmanische Reich. In der Rebellen-Hochburg Aleppo lebt eine beachtliche kurdische und armenische Minderheit. Die Armenier dort sind Nachfahren derer, die vor dem türkischen Völkermord geflohen waren. Keiner möchte in Syrien unter dem Kuratel eines Staats leben, der von den osmanischen Zeiten träumt, bis heute jeden verurteilt, der an die türkische Verantwortung für den Genozid an den Armeniern erinnert und zu Hause die Kurden unterdrückt. Die Türkei kann deshalb auch nicht mit der Hilfe des Westens rechnen. ... Der Westen will den Bürgerkrieg beenden. Aber er will nicht, dass die Türkei ihren Einfluss verstärkt, der nichts zur Stabilität und Demokratie in der Region beitragen würde." (08.10.2012)


La Vanguardia - Spanien

Assads Vize könnte Syrien-Konflikt lösen

Die Machtübernahme durch Vizepräsident Faruk al-Schara und eine Übergangsregierung unter seiner Ägide könnte den Syrien-Konflikt beilegen, schreibt die liberale Tageszeitung La Vanguardia und unterstützt damit einen entsprechenden Vorstoß der Türkei: "In Syrien kann man eine Operation wie die in Libyen nicht wiederholen. Denn sie würde ein sechsmal größeres Militäraufgebot benötigen und außerdem eine ernsthafte Konfrontation mit Russland und China mit sich bringen. Doch wenn in Syrien weiterhin die Kämpfe lodern, scheint ein militärischer Konflikt mit der Türkei mit all den daraus resultierenden Gefahren unausweichlich. Mit dem Vorschlag, dass Präsident Baschar al-Assad durch seinen Vize Faruk al-Schara ersetzt werden soll, hat die Regierung Erdoğan nun in den Verhandlungen einen neuen Ausweg aufgezeigt. Sie hält al-Schara für einen vernünftigen Menschen und glaubt, dass er eine für die Rebellen akzeptable Übergangsregierung aushandeln könnte. Das wäre zweifelsohne die beste Lösung." (08.10.2012)


Il Sole 24 Ore - Italien

Erdoğan und Assad in Schwäche vereint

Im Grenzkonflikt zwischen Syrien und der Türkei droht eine zermürbende Konfrontation, denn aus strategischer Sicht sind beiden Seiten die Hände gebunden, analysiert die liberal-konservative Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore: "Mit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings wurden die Unterschiede zwischen Erdoğan und Assad immer offensichtlicher. Erdoğan beging den Fehler, Assad zur einer friedlichen Lösung der Proteste zu drängen - eine unverzeihliche Einmischung in die Politik eines Regimes, das sich nicht belehren lässt. ... Beide Länder sind Gefangene ihrer Strategie. Erdoğan kann trotz der Zustimmung des Parlaments keinen Krieg gegen Assad führen. Er hat die öffentliche Meinung nicht hinter sich und vorerst auch nicht die volle Unterstützung des Westens, denn der will nicht offen in den Konflikt hineingezogen werden. Assad wiederum fürchtet einen türkischen Angriff, weil er das Kräfteverhältnis radikal verschieben würde. So sind die einstigen Freunde und heutigen Feinde in ihrer Schwäche wieder vereint und stehen beide am Rande des Abgrunds." (08.10.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 8. Oktober 2012

Weitere Inhalte