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Top-Thema vom Donnerstag, 11. Oktober 2012


IWF warnt vor Abwärtsspirale

IWF-Chefin Lagarde zeigte sich besorgt, dass in Europa die Energie schwinde, "vereinbarte und benötigte Reformen durchzuführen". (© AP/dapd)

Der Internationale Währungsfonds hat vor einer neuen Kreditklemme in Europa und einem Kollaps des globalen Finanzsystems gewarnt. Die EU müsse dringend weitere Reformen und besonders die Bankenunion vorantreiben, mahnt der IWF in seinem aktuellen Bericht zur Finanzstabilität. Einige Kommentatoren halten die europäische Krisenpolitik für reinen Irrsinn, andere setzen Hoffnungen auf einen gut durchdachten Sparkurs.


Handelsblatt - Deutschland

Die Bringschuld der Europäer

Die Euro-Krise ist für den IWF zu einer echten Zwickmühle geworden, analysiert das liberale Handelsblatt: "Einerseits versucht er, die Europäer zu überreden, ihre Reformprogramme wachstumsfördernd anzulegen. ... Andererseits sind es inzwischen ausgerechnet die IWF-Mitarbeiter, die in den Troika-Missionen strikt auf die exakte Einhaltung der Sparprogramme pochen. ... In der Bringschuld stehen ohnehin die Europäer und unter ihnen an vorderster Stelle die Deutschen, die als große Exportnation auf eine funktionierende Weltwirtschaft angewiesen sind. Sie müssen als Erstes die Analysen des IWF über die Ansteckung der Welt mit dem Euro-Krisenvirus ernst nehmen. Und zudem bereit sein, Vorschläge aus Asien und Brasilien offen zu diskutieren und danach die Euro-Rettungspolitik so zu ändern, dass die Weltwirtschaft nicht abgewürgt wird. Einfach wird das nicht. Es würde bedeuten, den Südeuropäern mehr Zeit für die Sparprogramme zu geben und die Hilfspakete aufzustocken." (10.10.2012)


Tages-Anzeiger - Schweiz

Europäische Krisenpolitik ist ein Irrsinn

Der IWF stellt der Finanzstabilität der Euro-Zone ein verheerendes Zeugnis aus. Kein Wunder, meint der Tages-Anzeiger, denn Europa strebt für die Euro-Krise eine Lösung an, die nicht funktionieren kann: "Albert Einstein hat Wahnsinn einst definiert als den Versuch, ein Experiment immer wieder zu wiederholen und dabei auf einen anderen Ausgang zu hoffen. Die Austeritätspolitik der Eurozone ist der schlagende Beweis dieser These. ... Was die Eurozone von immer mehr ihrer Mitglieder verlangt, wird in der Ökonomie 'interne Abwertung' genannt. Wegen der Einheitswährung können die einzelnen Länder nicht mehr über ihre eigene Währung extern abwerten. Das durch die unterschiedliche Entwicklung der verschiedenen Volkswirtschaften entstandene Ungleichgewicht muss jedoch beseitigt werden. Das ist einzig noch durch eine interne Abwertung möglich. Das Problem dabei: Diese Lösung funktioniert nur in der Theorie, in der Praxis hat sie schon mehrmals im Desaster geendet." (10.10.2012)


Trouw - Niederlande

Eiserner Sparkurs ist gefährlich

Die Warnung des IWF, dass ein rigoroser Sparkurs der Entwicklung der Weltwirtschaft schaden kann, muss ernst genommen werden, mahnt die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Zu eisernes Sparen kann die Wirtschaft in eine Abwärtsspirale stoßen. Der eine gibt weniger aus, der andere verdient dadurch weniger und gibt deshalb selbst weniger aus, wodurch der eine wieder weniger verdient und so weiter. Einen klugen Sparkurs verfolgt laut IWF derjenige, der langfristige strukturelle Maßnahmen ergreift. Wichtig dabei ist, dass man gleichzeitig alles unternimmt, um Hemmnisse für die Wirtschaft zu beseitigen, so dass diese trotz der schweren Therapie gesund bleibt. In den Niederlanden ist so ein Hemmnis zum Beispiel die Unsicherheit auf dem Wohnungsmarkt, die jeden lähmt. Eine Regierung, die diese Unsicherheit beseitigt, kann sich weitere Einsparungen erlauben, ohne die Ökonomie zu gefährden." (11.10.2012)


eldiario.es - Spanien

Die bisherige Krise war nur ein Vorgeschmack

In Spanien geht die Krise erst richtig los, befürchtet nach dem neuen IWF-Bericht Ignacio Escolar in seinem Blog bei der linken Online-Zeitung eldiario.es: "Was ist der Unterschied zwischen Spanien und Portugal? Ein Jahr! Um in unsere eigene Zukunft zu schauen, genügt ein Blick ins Nachbarland: noch schärfere Kürzungen, eine noch höhere Arbeitslosigkeit, noch mehr Leid und eine noch heftigere Rezession. 'Die wahre Krise beginnt jetzt', hat mir eine Managerin eines der großen Ibex-35-Unternehmen neulich gesagt. Sie befürchtet, dass die bisherige Krise erst der Vorgeschmack war und dass es uns von nun an richtig schlecht gehen wird. Dass sie damit wohl ziemlich Recht hat, bestätigen die neuen Prognosen des IWF. ... Die Hälfte der Angestellten im öffentlichen Dienst entlassen? Die Renten kürzen? Mehrwert- und Einkommenssteuer weiter erhöhen? Oder eine neue Steuer auf Benzin erheben und sämtliche Gehälter auch in der Privatwirtschaft kürzen? All diese Maßnahmen waren bislang undenkbar. Aber in den anderen Ländern, die um ihre Rettung kämpfen, sind sie bereits eingeführt oder werden diskutiert. In Spanien kommen sie bald." (11.10.2012)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 11. Oktober 2012

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