Top-Thema vom Freitag, 12. Oktober 2012
IWF verabschiedet sich vom Spardogma

Athen bekommt für seine Forderung nach zwei Jahren Aufschub bei den Sparauflagen Rückendeckung vom IWF. (© AP/dapd)
IWF-Chefin Christine Lagarde hat die Euro-Zone aufgefordert, den Krisenländern mehr Zeit für die Erfüllung der Sparauflagen zu gewähren. Sie räumte ein, dass die Sparpolitik die Wirtschaft stärker schwächt als gedacht. Einige Kommentatoren begrüßen die Kehrtwende des IWF und hoffen, dass die EU sich dieses Signal zu Herzen nimmt. Andere werten Lagardes Vorstoß als Zeichen der Ratlosigkeit.
El País - SpanienBerlin sollte der Kehrtwende des IWF folgen
Der IWF hat im Umgang mit der Krise eine Wende vollzogen und besonders Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen, mahnt die linksliberale Tageszeitung El País: "Der Vorschlag, der spanischen Wirtschaft mehr Zeit zu geben und die Sparpolitik abzumildern, sollte nicht ungehört verschallen. Er ist Teil einer globalen Reflexion des IWF über die negativen Auswirkungen der übertriebenen Sparpolitik. Und er basiert nicht einfach auf einem taktischen Wiederbelebungsversuch des Keynesianismus, sondern auf detaillierten Studien, die zeigen, dass die negativen Auswirkungen der Sparpolitik auf das Wirtschaftswachstum doppelt oder sogar viermal stärker sein können, als bislang angenommen. Der strategische Umgang des IWF mit der Krise erlebt damit eine kopernikanische Wende: von der bisherigen extremen Orthodoxie hin zu einem neuen und vielversprechenden Realismus. Möglichst viele - vor allem die, die an der Spitze der Europäischen Union stehen, und insbesondere Deutschland - sollten versuchen, diese neuen Erkenntnisse zu verstehen und umzusetzen." (12.10.2012)
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Kathimerini - GriechenlandMerkels Besuch trägt Früchte
Die Warnung vor einem zu strengen Sparkurs durch den IWF und der Besuch Angela Merkels in Athen lassen die konservative Tageszeitung Kathimerini auf eine Lockerung des Sparkurses hoffen: "Der Internationale Währungsfonds übt Druck aus, damit Griechenland mehr Geld und einen Aufschub bei der Umsetzung der Sparauflagen bekommt. Aber die Länder und die Institutionen der Euro-Zone reagieren zurückhaltend. Das heißt, dass es Schwierigkeiten gibt und bislang nichts sicher ist. Trotzdem ist das Gefühl, das vorherrscht, nun viel weniger bedrohlich und die Rahmenbedingungen sind viel positiver. Außerdem trägt Samaras' wagemutige Entscheidung, Merkel nach Griechenland einzuladen, Früchte. Deren Aussage, dass sie Licht am Ende des Tunnels erblickt, blieb nicht unbemerkt. Dasselbe gilt für die Aussage, dass sie Griechenland helfen wird, wenn Athen den eingeschlagenen Kurs einhält und schnell die Strukturreformen umsetzt, wie Samaras ihr es eben auch versprochen hat." (12.10.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Athanasios Ellis
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Deutschlandfunk - DeutschlandAuch der IWF hat kein Patentrezept
Mit ihrer Forderung nach mehr Zeit für die Krisenländer überspielt die IWF-Chefin nur die Ratlosigkeit der Institution, vermutet das Nachrichtenportal des Deutschlandfunks: "Kurzfristig mag ein Aufschub zur Erreichung der Sparziele auch sicherlich für Erleichterung sorgen in Griechenland und auch vernünftig erscheinen in der ausweglosen Lage Athens. Bei Lichte betrachtet ist dies aber auch nicht mehr als ein Spiel auf Zeit. Und ob die anderen Geldgeber dieses mitspielen, ist mehr als fraglich nach der eher harschen Reaktion des deutschen Finanzministers auf den Vorstoß der IWF-Chefin. Der Internationale Währungsfonds hat sich zwar in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Finanzfeuerwehr gemausert, ein Patentrezept zur Lösung der Schuldenkrise hat er auch nicht." (11.10.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Eva Bahner
Sydsvenskan - SchwedenEuropas schwierigster Patient
Das Dilemma, in dem sich die EU befindet, ist mit dem Vorschlag von IWF-Chefin Lagarde nicht gelöst, bedauert die liberale Tageszeitung Sydsvenskan: "Griechenland zwei weitere Jahre über Wasser zu halten, in der Hoffnung, dass die Reformen umgesetzt werden und Wirkung zeigen, wird teuer. Griechenland und die anderen Krisenstaaten müssen ihre Wirtschaft reformieren. Einerseits darf die EU nicht in eine Transferunion verwandelt werden, wo die Schulden des einen gleichzeitig die Schulden aller sind. Grundsätze sind wichtig. Aber andererseits ist auch ein gewisser Pragmatismus nötig. Die Forderungen an Griechenland müssen realistisch und der Zeitraum, um sie zu verwirklichen, muss angemessen sein. Denn die Gefahr, dass die verschriebene Medizin zumindest im Fall Griechenlands tödlich sein kann, ist unübersehbar." (12.10.2012)
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