Top-Thema vom Donnerstag, 25. Oktober 2012
Mahnmal für Sinti und Roma in Berlin

Das Mahnmal erinnert an rund 500.000 Sinti und Roma, die dem NS-Völkermord zum Opfer fielen. (© dapd)
In Berlin ist am Mittwoch die zentrale Gedenkstätte für die in der Nazi-Zeit ermordeten Sinti und Roma eingeweiht worden. Mehr als 20 Jahre lang hatte es Streit um das Mahnmal gegeben. Kommentatoren zufolge ist die Würdigung der Opfer eine große Genugtuung für die Volksgruppe, die noch immer unter Diskriminierung leidet.
Lidové noviny - TschechienLanges Warten auf ein würdiges Denkmal
Weil Deutschland es lange Zeit ablehnte, das Schicksal der Sinti und Roma mit dem Holocaust an den Juden zu vergleichen, ist die Einweihung des Mahnmals in Berlin eine große Genugtuung für die Volksgruppe, kommentiert die konservative Tageszeitung Lidové noviny: "Die Bedeutsamkeit des Denkmals, auf das man zwei Jahrzehnte warten musste, wurde durch die Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und von Bundespräsident Joachim Gauck bei der Einweihung unterstrichen. Mit dem gestrigen Tag endete auch das Jahrzehnte währende Streben der deutschen Sinti und Roma, dass die Scham für den Roma-Holocaust ebenso Bestandteil des nationalen Bewusstseins wird wie die Scham über die Ermordung der europäischen Juden. Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, erinnerte daran, dass es in der Bundesrepublik auch heute noch große Vorurteile und Gehässigkeit gegenüber den Roma gebe. Deutschland erlebe eine neue Welle des Anti-Roma-Rassismus. Der richte sich nicht nur gegen die Minderheit, sondern im Grunde gegen die demokratischen Werte an sich." (25.10.2012)
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taz - DeutschlandSinti und Roma weiter stigmatisiert
Noch immer wird die Volksgruppe der Sinti und Roma stigmatisiert, beklagt die linke Tageszeitung taz aus Anlass der Einweihung des Berliner Mahnmals für die von den Nazis verfolgte Minderheit: "Im Gegensatz zum Judenhass sind die Ressentiments gegen 'Zigeuner' heute keineswegs nur Angelegenheit einer Randgruppe. Auch Regierungspolitiker und viele gesellschaftlich relevante Kräfte scheuen sich bis heute nicht, Vorurteile gegen Sinti und Roma zu verbreiten. Wenn Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) laut den 'Asylbetrug' anprangert, den Menschen aus Serbien und Mazedonien mit ihrer Einreise nach Deutschland begingen, dann vermeidet er zwar das Wort 'Zigeuner'. ... Hätte es der Minister etwa gewagt, so gegen jüdische Kontingentflüchtlinge aus der Sowjetunion zu polemisieren? Das 'fahrende Volk', so wird insinuiert, droht aus den Balkanschluchten hervorzubrechen, unseren Wohlstand zu gefährden und die Mülltrennung zu missachten. So wird die Stigmatisierung einer Minderheit weiterbetrieben, die im Gegensatz zu den Juden auch noch das Pech hat, weder Nobelpreisträger noch einen deutschen Außenminister [den 1922 ermordeten Walther Rathenau] in ihren Reihen zu haben." (25.10.2012)
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Público - PortugalMerkels warme Worte helfen Roma nicht
Merkels schöne Worte bei der Einweihung des Mahnmals für die ermordeten Sinti und Roma werden an der heutigen Ausgrenzung der Volksgruppe in Europa nichts ändern, meint die liberale Tageszeitung Público: "In Zeiten, in denen die Armut wegen der Krise immer größer wird, wurde der ärmsten aller europäischen Minderheiten gestern historische Gerechtigkeit zuteil. ... Von den Nazis zur Zwangsarbeit geschickt, zur Sterilisation gezwungen und zur Vernichtung in den Todeslagern verdammt (mindestens eine halbe Million wurde getötet), wurden sie anschließend lange Zeit vergessen. Und jetzt, da ihrer offiziell gedacht wird, sind sie noch immer Opfer von Diskriminierung und Rassismus, wie im heutigen Europa überall zu sehen ist. Deswegen sagte Merkel in ihrer Rede, das ehrende Gedenken beinhalte auch das Versprechen, Minderheiten zu schützen. Dieses Ziel hat sie sich selbst gesetzt. Es sei 'eine deutsche und europäische Aufgabe, sie bei der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen'. Nur folgt die europäische Praxis diesen Worten nicht. Wird hier nur wieder etwas aufgetischt, um das Gewissen zu beruhigen?" (25.10.2012)
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