Top-Thema vom Freitag, 26. Oktober 2012
Europas Krise belastet Autoindustrie

Der US-Autobauer Ford schließt sein Werk im belgischen Genk mit 4.300 Beschäftigten. (© AP/dapd)
Der US-Autohersteller Ford schließt wegen der Absatzkrise in Europa drei Werke in Großbritannien und Belgien mit tausenden Beschäftigten. Der französische Konzern PSA Peugeot Citroën ist auf Staatshilfen in Milliardenhöhe und eine Kooperation mit dem angeschlagenen Autobauer Opel angewiesen. Während einige Kommentatoren staatliche Subventionen als unfair kritisieren, fordern andere eine neue Abwrackprämie.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - DeutschlandSubventionen für Autobauer keine Lösung
Europas Autobauer leiden unter Überkapazitäten, analysiert die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die Autoindustrie verfügt in Europa über genug Belegschaften und Fabriken, um mehr als fünfzehn Millionen Autos im Jahr vom Band laufen zu lassen. Tatsächlich verkauft werden jedoch in diesem Jahr nur weniger als zwölf Millionen. Schuld an der Misere sind Regierungen, die dem Markt lange Zeit mit üppigen Milliardenzahlungen in Form von Abwrackprämien und Krediten für Autohersteller eine künstlich aufgeblähte Nachfrage zuführten. Erst jetzt, da die Kassen leer sind, findet dieses Übel endlich ein Ende. Stattdessen beginnt die lange Zeit hinausgezögerte, aber unausweichliche Bereinigung. ... Auch die Deutschen werden von der Absatzkrise zusehends beeinträchtigt. ... [Das] hat nicht nur mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und dem zunehmenden Protektionismus in Schwellenländern zu tun, sondern auch mit unfairen staatlichen Hilfen für die europäischen Wettbewerber. ... Die Bundesregierung sollte sich daran nicht beteiligen. Doch auch Berlin wird es wohl nicht beim Steuerprivileg für Firmenwagen und bei der Milliardenhilfe für die Forschung an Elektroautos belassen." (26.10.2012)
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Lidové noviny - TschechienDie Zeit ist reif für eine neue Abwrackprämie
Als zahlreiche europäische Länder 2008 eine Schrottprämie einführten, hofften sie auf bessere Zeiten, um die Überproduktion in den Griff zu bekommen, erinnert sich die konservative Tageszeitung Lidové noviny, doch vier Jahre später ist die Lage schlimmer denn je: "Peugeot und die GM-Tochter Opel verkünden eine Allianz. Doch beide Autobauer sind im selben Segment tätig und leiden unter Überkapazitäten. Und so wurden sie denn auch schon wegen staatlicher Hilfen vorstellig - die französische Regierung hat ihnen Garantien für sieben Milliarden Euro versprochen. Nicht umsonst freilich. Sie verlangte eine Begrenzung des Personalabbaus und mehr Mitsprache der Gewerkschaften in der Konzernführung. ... Aber wenn sich eines Tages General Motors bewusst wird, dass auch die koreanische Tochter Daewoo Kleinwagen baut und man die chronisch verlustreiche Marke Opel nicht mehr braucht, wird man sich ohne Mitleid von ihr trennen. Die europäischen Wähler sind die Letzten, um die sich GM scheren würde. Die Zeit scheint reif für eine neue Abwrackprämie. Freilich hat dafür heute niemand mehr Geld." (26.10.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Martin Weiss
Expansión - SpanienSpanien wird zunehmend wettbewerbsfähig
Dass der US-Autobauer Ford sein Werk im belgischen Genk schließen und die Produktion ins spanische Valencia verlegen will, verdeutlicht Spaniens wachsende Wettbewerbsfähigkeit, jubelt die konservative Wirtschaftszeitung Expansión: "Die großen Autofabrikanten setzen mitten in der Rezession mit millionenschweren Investitionen auf den Industriestandort Spanien. Ford, Renault, Nissan, Seat und PSA Peugeot Citroën haben die Produktion in spanischen Werken mit neuen Modellen ausgebaut, während Fabriken in solideren Volkswirtschaften wie Belgien und selbst Deutschland die Schließung droht. ... Die spanischen Autofabriken sind die flexibelsten in ganz Europa und in Sachen Wettbewerbsfähigkeit gehören sie zur Spitze, auch wenn sie wegen des Absatzrückgangs auf dem Alten Kontinent nur auf halber Flamme produzieren. Die von der Branche so lange geforderten unternehmenseigenen Tarifverträge, die Arbeitsmarktreform und die gute Kommunikation zwischen Unternehmen und Gewerkschaften haben dazu geführt, dass die multinationalen Unternehmen das Land als guten Investitionsstandort sehen." (26.10.2012)
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De Standaard - BelgienBelgier leiden unter Wirtschaftskrieg
Der US-Konzern Ford hat am Donnerstag angekündigt, seine Fabrik im belgischen Genk mit 4.300 Mitarbeitern im kommenden Jahr zu schließen. Doch das ist kein einmaliger Schicksalsschlag, sondern Teil einer Entwicklung, meint die liberale Tageszeitung De Standaard und fordert einen grundlegenden Wandel des ökonomischen und sozialen Systems: "Das wird hart. Aber es ist notwendig. Ja, es ist sogar unvermeidlich. Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher und hoffen, dass alles gut wird. Es herrscht ein Wirtschaftskrieg, und wir begreifen das nicht. Die Entscheidungen, vor denen wir nun stehen, werden schmerzhaft sein und nicht unseren Erwartungen entsprechen. Wir müssen härter arbeiten, hoffentlich für dasselbe, aber vielleicht auch für weniger Geld. ... Wir gehören noch immer zu den Ländern, die entscheiden können, wie sie ihren Arbeitsmarkt, ihre soziale Sicherheit und ihren Staat organisieren. Dies können wir jetzt überlegt neu gestalten - oder warten, bis uns die Tatsachen dazu zwingen." (26.10.2012)
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Alle verfügbaren Texte von » Bart Sturtewagen
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