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Top-Thema vom Montag, 30. Oktober 2006


Serbien hält am Kosovo fest

Die serbischen Wähler haben sich bei einer Volksabstimmung mit knapper Mehrheit für eine neue Verfassung ausgesprochen, die die serbische Hoheit über die Provinz Kosovo bekräftigt. Angesichts einer Wahlbeteiligung von weniger als 54 Prozent glaubt die europäische Presse jedoch nicht, dass Belgrad in der Lage sein wird, die Unabhängigkeit der Provinz zu verhindern.


Le Soir - Belgien

"Der Ethnozentrismus und das Opfersyndrom, die auf den Serben seit langem lasten, treten nun noch mehr in den Vordergrund", bemerkt François Delisse, Korrespondent in Belgrad. "Indem sie in der Präambel der neuen Verfassung das Kosovo zum unveräußerlichen Teil Serbiens erklärt, legt die serbische Regierung tatsächlich den Grundstein für jene Frustrationen, die unweigerlich an dem Tag entstehen werden, an dem die Provinz unabhängig wird. Und auch wenn an dieser Unabhängigkeit im Land keinerlei Zweifel herrscht, wird sie doch eine schmerzliche Erfahrung sein. Denn die Mythologie und die Vergangenheit, zwei Konstanten der serbischen Identität, werden weiterhin kunstvoll von zahlreichen Akteuren der Gesellschaft beschworen. Diese verleihen den Begriffen des Territoriums und der Ethnizität Modellcharakter. Und so wurde der diesjährige Abschied vom Bruderstaat Montenegro und der bevorstehende Abschied vom Kosovo, 'der historischen Wiege des serbischen Volkes', als Gelegenheit ergriffen, das Bild eines Serbiens heraufzubeschwören, das 'allein gegen alle' steht." (30.10.2006)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die eigentliche Entscheidung über die Zukunft des Kosovo fällt nach Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, die auf das Verfassungsreferendum folgen - und zwar im UN-Sicherheitsrat, behauptet Balkan-Experte Franz-Lothar Altmann im Gespräch mit Marc Hoch. Die geringe Wahlbeteiligung beim Verfassungsreferendum zeige, "dass sich in der Bevölkerung zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, das Kosovo ist verloren. Die Bemühungen der Politiker, die Zugehörigkeit der Provinz zu Serbien immer wieder zu betonen, werden zwar einerseits von den Serben akzeptiert. Aber das ist doch für die Menschen nicht mehr die entscheidende politische Frage. Für die Leute sind ganz andere Fragen entscheidend: Wie können wir endlich unseren Lebensstandard verbessern? Wie können wir uns endlich in Richtung EU bewegen? Bei der Beantwortung dieser Fragen ist der Kosovo doch eher eine Bremse." (30.10.2006)


Le Temps - Schweiz

Der Balkan-Historiker Serge Métais wünscht, die EU würde die Unabhängigkeit des Kosovo aktiver verteidigen. Das Kosovo "hat circa zwei Millionen Einwohner, davon mehr als 90 Prozent Albaner, und die Währung ist bereits der Euro, wie auch in Montenegro. Obwohl es innerhalb des ehemaligen Jugoslawiens Serbien zugeteilt war, ist es de facto schon seit sieben Jahren ein Staat, der nicht mehr von Belgrad abhängt. Es ist eine Demokratie mit einer Mehrheit und einer Opposition, einem Parlament, einem Gouverneur und einem Präsidenten... Alle sind sich darüber einig, dass der jetzige Status des Kosovo schon zu lange angedauert hat. Er blockiert die Reformen und wirkt sich in vielerlei Hinsicht schädlich aus. Die Argumente sind längst ausgetauscht und es wird Zeit, dass die EU ihren Willen kundtut. Sie sollte verkünden, dass sie bereit ist, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen. Und sie sollte auch verkünden, dass dieser Staat dazu berufen ist, ihr beizutreten." (30.10.2006)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 30. Oktober 2006

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