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Top-Thema vom Donnerstag, 16. November 2006


Türkisch-europäische Dissonanzen

Der jüngste Fortschrittsbericht der EU kritisiert, dass der Reformprozess in der Türkei stockt. Seither ist die Diskussion darüber, inwieweit die Türkei zum europäischen Kulturraum zählt, wieder neu aufgeflammt.


NRC Handelsblad - Niederlande

"Ein EU-Beitritt der Türkei liegt noch in sehr weiter Ferne, doch die kulturellen Beziehungen zu diesem Land verstärken sich schon", erklärt die Zeitung. "Die türkische Stadt Istanbul darf sich 2010 offiziell europäische Kulturhauptstadt nennen. Das haben die europäischen Kulturminister entschieden. Weitere Kulturhauptstädte 2010 sind Essen und das ungarische Pécs. Bedeutet das, dass die Türkei bis dahin Mitglied werden könnte? Nein. Im Gegenteil sind die Verhandlungen mit den Türken derzeit ins Schleudern geraten. Doch mittlerweile sind die Regeln für die Ausrufung von europäischen Kulturhauptstädten erweitert worden. Auch Orte außerhalb Europas dürfen jetzt diesen Titel tragen." (14.11.2006)


Lidové noviny - Tschechien

Bob Fiedler sieht im anstehenden Besuch des Papstes in der Türkei einen Prüfstein für die EU-Reife des Landes. Benedikt XVI. reise nicht nur in ein Land, das nach EU-Beitritt strebe, sondern in ein Land, "das den vorerst letzten Papst-Attentäter hervorgebracht hat und in dem sich seit Mai ein Buch mit dem Untertitel 'Wer tötet der Papst in Istanbul?' gut verkauft." Fiedler kritisiert, dass sich laut offiziellem Programm bis auf Staatspräsident Sezer kein anderer Repräsentant des Landes mit Benedikt XVI. treffen wird. "Premier Erdogan fehlt. Offiziell deshalb, weil er zum Nato-Gipfel nach Riga fliegt. Inoffiziell deshalb, weil er 'ein Problem mit dem Papst' hat. Erdogan gehörte zu denen, die die philosophische Vorlesung des Papstes in Regensburg erschüttert hat. Außerdem rechnet sich der türkische Premier aus, dass ihm ein Treffen mit Benedikt XVI. bei den im kommenden Jahr anstehenden Wahlen schaden könnte. Da stellt sich die Frage: Gehört ein Land nach Europa, dessen Vertreter sich durch eine akademische Ansprache oder aber die Vorstellung, dem Papst die Hand zu geben, schockieren lassen?" (16.11.2006)


Kathimerini - Griechenland

Der türkische Außenminister Abdullah Gül hat am Mittwoch erklärt, sein Land denke nicht daran, der "Erpressung" durch die EU in der Zypernfrage nachzugeben. Giorgios Delastic ist empört und bezichtigt die Türkei, "einen Beitritt à la carte serviert bekommen zu wollen, der nur ihren eigenen Interessen dient! Gül wird sich unversöhnlich zeigen und weigern, den Erpressungen der Europäer nachzugeben. Stattdessen sollte man sich fragen, ob es nicht gerade Ankara ist, das mit solchen Erklärungen zu erpressen versucht, schließlich erweist sich die Türkei als immer noch nicht fähig, den europäischen Kriterien zu entsprechen. Das ist der typische Fall einer Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Die Türken beweisen erneut ihre Unwilligkeit. Sie verkünden jetzt, ihr Ton würde sich ändern, sobald sie der EU beigetreten sind. Manche sehen das auch so, aber wir laufen Gefahr, in einen zu speziellen europäischen Dialog abzudriften. Und wenn die Abstimmung über den europäischen Haushalt bereits eine Kraftprobe für die Politiker war, wie wird es dann erst mit der Türkei?" (16.11.2006)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 16. November 2006

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