Top-Thema vom Montag, 4. Dezember 2006
Europäischer Filmpreis
In Warschau ist am vergangenen Samstag der Europäische Filmpreis verliehen worden. Die großen Gewinner sind das deutsche Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck und der Film "Volver" des Spaniers Pedro Almodóvar. Europas Kino hat spannende Geschichten zu erzählen - vor allem, wenn es um den Umgang mit der Geschichte geht.
Die Welt - Deutschland
"Das große Problem des europäischen Kinos besteht darin, dass sich sein Publikum zwar für heimische Produkte interessiert - siehe die wachsenden Marktanteile der Deutschen, Spanier, Franzosen im eigenen Land -, aber kaum für Filme seiner europäischen Nachbarn", stellt Hans-Georg Rodek anlässlich der Verleihung des europäischen Filmpreises fest. Der aber zeige, "dass es unendlich viele interessante europäische Geschichten zu erzählen gibt... Europa scheint seit dem Mauerfall in einer Phase des Atemholens zu sein, und deshalb wuchern seit einigen Jahren diese Stoffe aus dem Gedächtnis des Kontinents, von den literarischen Detektiven des Mittelalters bis zu den Fernsehmehrteilern über den Weltkrieg. Ein Ende ist nicht abzusehen, und weder geografisch noch zeitlich scheint es Grenzen zu geben... Europa ist eine Summe von Erfahrungen. Die ruhen in seinen Kulturen und Geschichten. Es findet so etwas statt wie die Umwandlung von Leid in Wissen." (04.12.2006)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Film, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Hanns-Georg Rodek
Gazeta Wyborcza - Polen
Tadeusz Sobolewski kommentiert die Vergabe des Europäischen Filmpreises an Florian Henckel von Donnersmarcks Film "Das Leben der Anderen": "Es ist nun mal so, dass fast alle nominierten Filme Geschichte, Kriege, Terror als Hintergrund haben. Aber so wie großen Filme der 'polnischen Schule' früher, berichten die europäischen Regisseure jetzt auch nicht von der Geschichte selbst, sondern erzählen von den Menschen, die in die Geschichte verwickelt sind... Die Wende zur Geschichte geht auch an unserem Kino nicht vorbei. Hoffentlich vollzieht sie sich aber nicht nach den Vorgaben einer offiziellen 'Geschichtspolitik'. Ich bin mir nicht sicher, ob die Welt auf Filme über polnische Niederlagen und Siege wartet, ob sie sehen will, wie heldenhaft wir waren und wie uns Fremde verraten haben. Interessant ist vielmehr, was man über einen Menschen erfahren kann, der den Erfahrungen von Krieg, Kommunismus oder der Solidarnosc-Revolution ausgesetzt war." (04.12.2006)
» zum ganzen Artikel (externer Link, polnisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Film, » Geschichte, » Polen, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Tadeusz Sobolewski
El País - Spanien
"Die Romanze zwischen Europa und Pedro Almodóvar geht weiter", schreibt Rocio Garcia über den Erfolg von dessen Film "Volver", der beim europäischen Filmpreis fünf Auszeichnungen erhielt. "Vor langer Zeit funkte es zwischen Almodóvar und Europa. Für diesen Regisseur war die Eroberung Europas immer eine erste Etappe auf dem Triumphzug nach Hollywood. 1999 wurde sein Talent in Berlin entdeckt - als Regisseur und Drehbuchautor von 'Alles über meine Mutter'. Später bekam dieser Film den Oscar für den besten ausländischen Film. Drei Jahre später gab es eine Wiederholung in Rom, wo 'Sprich mit ihr' fünf europäische Auszeichnungen erhielt. Ein paar Monate später erhielt der Film den Oscar für das beste Drehbuch." (03.12.2006)
» weiterführende Informationen (externer Link, spanisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Film, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Rocío García
Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland
Michael Althen sieht im Europäischen Filmpreis für Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Film "Das Leben der anderen" einen weiteren Beweis, dass das deutsche Kino endlich wieder wichtig ist. "Damit setzt sich der wundersame Preisregen fort, der 2003 mit dem Oscar für Caroline Links 'Nirgendwo in Afrika' begonnen und seither nicht wieder aufgehört hat. 'Gegen die Wand' gewann 2004 einen Goldenen Bären und danach ebenfalls den Europäischen Filmpreis und folgte damit 'Good bye, Lenin!' nach. Das macht drei Siege in vier Jahren und spricht von einer ähnlichen Dominanz, wie sie früher Gianni Amelio, Ken Loach oder Pedro Almodóvar beim Europäischen Filmpreis ausgeübt haben... Das sind keine Zufälle mehr, da steckt dann fast schon System dahinter. Zumal auch jenseits des Rampenlichts von Preisverleihungen auf einmal selbst dort das deutsche Kino wahrgenommen wird, wo es jahrelang ignoriert worden war." (04.12.2006)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Film, » Deutschland, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Michael Althen
» zur gesamten Presseschau vom Montag, 4. Dezember 2006