Top-Thema vom Freitag, 29. Dezember 2006
Willkommen im Klub?
Zum 1. Januar treten Rumänien und Bulgarien der EU bei, die damit 27 Mitgliedstaaten zählt. Wie willkommen sind diese zwei neuen Länder, und wie wird sich die erneute Erweiterung der EU auswirken?
Berliner Zeitung - Deutschland
"Obwohl im Westen wie Zwillinge wahrgenommen, leben die beiden neuen EU-Mitglieder traditionell mit dem Rücken zueinander", stellt Norbert Mappes-Niediek fest. "So verschieden, wie Städte und Länder hier aussehen, blicken beide Nationen auf die EU. 'Wir haben immer gewusst, dass wir ein Teil Europas sind', sagt Rumäniens Präsident Basescu, 'auch in den fünfzig Jahren unter dem Kommunismus.' Es falle den Rumänen nun schwer zu akzeptieren, 'dass andere über unsere Zugehörigkeit entscheiden'. Solche selbstbewussten Ansprüche auf eine eh fällige 'Wiedervereinigung Europas' sind den Bulgaren fremd. 'Man gewöhnt sich nur langsam an die Idee, dazuzugehören', sagt die Meinungsforscherin Rumjana Butscharowa... Im politischen System aber sind die neuen Ähnlichkeiten zwischen den ungleichen Ländern manchmal verblüffend: Beide Länder erlebten nach der Wende des Jahres 1989 erst einmal eine zähe postkommunistische Phase, bevor sie, beinahe gleichzeitig, ab 1997 einen klar liberalen Weg einschlugen." (29.12.2006)
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The Malta Independent - Malta
"Diese beiden Nationen sind zwei weitere Länder, die ehemals hinter dem Eisernen Vorhang lagen und sehr schnell Fortschritte gemacht haben. Seit dem Sturz ihrer Diktaturen erleben sie einen wirtschaftlichen Boom", schreibt die Tageszeitung fast drei Jahre nach Maltas eigenem Beitritt zur EU. "Dennoch müssen sie noch viel tun ... Beiden Nationen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, und die Infrastruktur (besonders in der Informations- und Kommunikationstechnologie) liegt weit unter dem europäischen Durchschnitt. Unglücklicherweise bringt die EU nicht die Spontanheilung, die sich viele von ihr erhoffen. Noch bevor sie wirklich Mitglied sind, müssen die Länder Gesetze umsetzen und alle Aufnahmekriterien erfüllen. Wir brauchen nur an unser eigenes Defizit zu denken, dann wissen wir, was das bedeutet. Aber das Schwerste kommt erst jetzt: die EU-Mitgliedschaft optimal zu nutzen, um Mittel und Subventionen zu erhalten, und auch die Wirtschaft in der Hoffnung zu stimulieren, den Lebensstandard in diesen Ländern auf das durchschnittliche EU-Niveau zu heben." (28.12.2006)
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Postimees - Estland
Liisi Poll meint, dass der Beitritt Rumäniens und Bulgariens eigentlich zu früh erfolgt, da in vielen Bereichen, beispielsweise in der Justiz und bei der Korruptionsbekämpfung, noch schwere Mängel zu verzeichnen seien. "Da die beiden Neuzugänge auch die ärmsten EU-Mitglieder sind, gelten strenge Einschränkungen, bis alle Anforderungen erfüllt sind. Solche Übergangsfristen sind nichts Neues in der EU. Es ist auch keine Sensation, dass es nach Jahren der Verhandlungen nun doch grünes Licht gegeben hat." Poll kann dem Beitritt aber auch positive Seiten abgewinnen: "Die Bulgaren bringen mit ihrer kyrillischen Schrift ein drittes offizielles Alphabet in die EU, die Rumänen eine weitere romanische Sprache. Beide Länder eröffnen den Zugang zum Schwarzen Meer – und sie haben einen Markt mit über 30 Millionen Menschen, Bodenschätze, eine rasch wachsende Wirtschaft und ein erhebliches Maß an Europabegeisterung, die in den so genannten alten Mitgliedsländern immer stärker abnimmt." (28.12.2006)
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Népszabadság - Ungarn
Einige Tage vor dem EU-Beitritt Rumäniens besucht Péter Kimpián das ungarisch-rumänische Grenzgebiet. Auf der rumänischen Seite ist die Armut noch immer wesentlich größer als auf der ungarischen, aber Rumänien macht rasante Fortschritte, stellt er fest: "Wegen zahlreicher Investitionen aus dem Ausland hat die rumänische Währung im Vergleich zum Dollar in diesem Jahr um 20 Prozent an Wert gewonnen. Die Löhne und Gehälter sind nach offiziellen Statistiken 2006 um 11,4 Prozent gestiegen, aber der Durchschnittslohn in einer der wohlhabendsten Regionen Rumäniens entspricht nur umgerechnet 340 Euro brutto. Unmittelbar vor dem EU-Beitritt sind die Preise um etwa 20 Prozent gestiegen... Kein Politiker versäumt es, das Datum des EU-Beitritts Rumäniens immer wieder stolz zu nennen. Der Countdown läuft: Die Menschen werden immer wieder daran erinnert, wie viele Tage noch bis zum EU-Beitritt bleiben. Man ist gespannt, aber ein wenig skeptisch: Werden wir es wirklich so gut haben in der EU?" (29.12.2006)
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The Daily Telegraph - Großbritannien
"Die Bulgaren behaupten, dass sie - ob mit oder ohne Einreisebeschränkungen – eh nicht in Scharen kämen", bemerkt der Journalist Alex Spillius. "Wer im Ausland arbeiten wollte, hat das auch bisher schon getan, lautet ihr Argument. Es war bisher nicht so schwer, eine Arbeitserlaubnis für Großbritannien zu bekommen, da die Bürger beider Länder in den letzten fünf Jahren bereits visafreien Zugang zu 26 europäischen Staaten hatten, allerdings nicht zu Großbritannien. Auswanderungswillige Rumänen schauen Richtung Westen auf ihre romanischen Geschwisterländer Italien, Spanien und Portugal... Befürchtungen der Boulevardpresse, dass nun die Zigeuner mit ihren Wohnwagen auf die Kanalfähren strömen, sind allerdings schlicht unsinnig. Schon 2004 wurden mehr als eine Million Zigeuner EU-Bürger, und bisher hat keine Invasion stattgefunden. Schon bevor sie EU-Mitglieder wurden, hatte die Wirtschaft Bulgariens und Rumäniens einen Aufschwung genommen. Fährt man in die Innenstadt Sofias, sieht man immer neue ansprechende Orte. Die Bars und Restaurants sind voll mit patriotischen jungen Leuten, die erklären, dass sie ihre Heimat nicht verlassen wollen - zumindest nicht für längere Zeit." (28.12.2006)
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Le Soir - Belgien
Für Pascal Martin ist Rumänien zu Unrecht kurz vor seinem EU-Beitritt an den Pranger gestellt worden. "Paradoxerweise hat Rumänien - mehr noch als Bulgarien - bei uns Angst und Hirngespinste ausgelöst. Angst, dass Horden von Bettlern, illegalen Einwanderern oder Villenplünderern uns heimsuchen werden... Traut man den jüngsten Einschätzungen der EU-Kommission, hat Bukarest mehr Talent als Sofia dabei bewiesen, den Anforderungen der EU gerecht zu werden. Bulgarien ist das Land mit der größeren Kriminalität... Sollte man trotz allem vor Rumänien Angst haben? Nein, aber es ist Vorsicht geboten... Die EU wäre gut beraten, würde sie sich mit der Einstellung jener Völker befassen, die sie aufnimmt. In Rumänien genießt die Politik keinerlei Glaubwürdigkeit. Der ehemals kommunistische Staat muss weiterhin Überzeugungsarbeit bei seinen Bewohnern leisten, dass die Demokratie nur mit Hilfe aller zustande kommt." (29.12.2006)
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