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Top-Thema vom Montag, 15. Januar 2007


Die Inthronisierung von Nicolas Sarkozy

Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy ist am 14. Januar zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten der konservativen UMP gewählt worden. Mehr als 98 Prozent der anwesenden Parteimitglieder stimmten für ihn. Die Zeitungen kommentieren dieses überraschend einmütige Wahlergebnis und fragen, wofür Sarkozy steht.


El Mundo - Spanien

"Hundert Tage vor den Präsidentschaftswahlen hat der französische Innenminister in einer brillanten und starken Erneuerungsrede seine Karten auf den Tisch gelegt", lobt die Zeitung. "Er möchte bestimmte Werte wieder herstellen: Im Alltag – durch mehr Disziplin in den Klassenzimmern, wo die Schüler sich erheben sollen, wenn der Lehrer eintritt – wie auch bei umfassenderen Fragen wie dem Terrorismus, dem man entschiedener entgegentreten sollte. 'Das Land, an das ich glaube, steckt seine Mörder ins Gefängnis', sagte er. Seine Rede ist auch bemerkenswert im Zusammenhang mit dem von der spanischen Regierung initiierten 'Friedensprozess' mit der Eta ... Sarkozy macht klare, schlüssige Aussagen - anders als seine Gegnerin, die Sozialistin Ségolène Royal, die ambivalenter agiert." (15.01.2007)


Berliner Zeitung - Deutschland

Der französische Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy werde überschätzt, meint Thorsten Knuf in der Berliner Zeitung. Er sei zwar "schlau, hyperaktiv und durchsetzungsstark" und daher ein schwieriger Gegner für Ségolène Royal. Inhalte seien ihm aber nie so wichtig gewesen wie seine eigene Person und Karriere: "Sarkozy hat es in den vergangenen Jahren vorzüglich verstanden, den Volkszorn zu orchestrieren - etwa mit Blick auf hohe Benzinpreise, Immigration, Kriminalität oder den EU-Beitritt der Türkei. Er hat polarisiert und den Eindruck vermittelt, dass er außerhalb der abgehobenen Pariser Politik-Elite steht. Was macht so einer, wenn er eines Tages tatsächlich sein Karriereziel erreicht hat, Ergebnisse vorzeigen muss und nicht mehr den Rebellen geben kann? Wie das Beispiel Gerhard Schröders zeigt, beginnt spätestens dann die Entzauberung." (15.01.2007)


Der Standard - Österreich

Christoph Winder weist darauf hin, dass Sarkozy trotz des "gallischen Pomp" bei der offiziellen Nominierung in seiner eigenen Partei noch nicht umfassend gesiegt hat. "Chiracs Störpotenzial, das er schon früher bedenkenlos gegen Vertreter seines eigenen Lagers aktiviert hat, wenn es ihm opportun erschien, sollte nicht unterschätzt werden", warnt er und porträtiert den Präsidentschaftskandidaten: "In der französischen Öffentlichkeit hat sich Sarkozy in den vergangenen Jahren als Kämpfer für Recht und Ordnung zu profilieren versucht (wobei die letzte Kriminalitätsstatistik seiner Amtsführung eine durchwachsene Bilanz ausgestellt hat). Das darf aber nicht zum Fehlschluss verleiten, dass Sarkozy ein bloßer Law-and-Order-Mann sei. Seine politische Persönlichkeit ist komplexer. Er gilt als erheblich europafreundlicher als der lustlose Europragmatiker Chirac, und darüber hinaus haftet ihm der Ruf eines Wirtschaftsliberalen an - was in Frankreich alles andere als ein Vorteil ist." (15.01.2007)


Financial Times - Großbritannien

"Er bezeichnet sich selbst als einen Wirtschaftsliberalen und das in einem Land, in dem das Wort 'liberal' fast so unpopulär ist wie in Amerika", bemerkt die Tageszeitung. "Er spricht sich für mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und niedrigere Steuern aus. Seine letzten Reden allerdings klangen alarmierend protektionistisch und seine Arbeitsbilanz als Finanzminister war bemerkenswert dirigistisch... Er wollte Supermärkte dazu zwingen, ihre Preise einzufrieren und Steuerentlastungen für Betriebe reduzieren, die ihre Arbeitsplätze nach Übersee verlegt haben... In der ersten Wahlrunde (am 22. April) muss er gegen den rechtsextremen Kandidaten Jean-Marie Le Pen und den alternativen Mitte-Rechts-Kandidaten François Bayrou bestehen, damit er in die Stichwahl am 6. Mai kommt. Deshalb muss er sein konservatives Profil schärfen. Wenn er dann aber Ségolène Royal in der letzten Runde gegenüber steht, muss er zeigen, dass er auch in der Mitte Stimmen gewinnen kann, indem er sozialer ist und weniger wirtschaftsliberal." (15.01.2007)


Le Soir - Belgien

Joëlle Meskens findet mittlerweile "ein wenig mehr Leichtigkeit" beim Kandidaten der französischen Rechten. "Im Bewusstsein, dass er keine anderen Feinde als sich selbst hat, hat Nicolas Sarkozy versucht, ein weicheres Bild von sich zu zeichnen, denn die Umfragen zeigen ihn als zu autoritär. Er hat erfolgreich gezeigt, dass er, wie alle Franzosen aus Fleisch und Blut ist und Verletzungen erlitten hat. Allerdings braucht er mehr als diese kleine Zugabe an Menschlichkeit, um zu überzeugen... In seiner 'Ode an das vereinigte Frankreich, an die 'reale Republik' beackert Nicolas Sarkozy so viel Land, dass man am Ende an seiner Zuversicht zweifelt. Kann man sich gleichzeitig der Rechten annehmen, die Mitte bearbeiten, Seitenblicke auf die Linke werfen - die Geister von Jaurès anrufend - und den Wählern der Front National die Hand ausstrecken?" (15.01.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 15. Januar 2007

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