Top-Thema vom Mittwoch, 21. Februar 2007
Ségolène Royal wieder auf dem Vormarsch?
In einer Fernsehsendung zeigte sich Ségolène Royal, die sozialistische Kandidatin im Wahlkampf um das Präsidentenamt in Frankreich, überraschend souverän. Dort wurde sie von einer Gruppe ausgewähler Bürger befragt. Aber reicht dieser Auftritt, um den Vorsprung ihres Konkurrenten Nicolas Sarkozy aufzuholen? Der Kandidat der Rechten liegt bei den Umfragen vorne.
The Independent - Großbritannien
"Sie hat einen stimmigen und kompetenten Auftritt hingelegt. Für ihr Mitgefühl, für ihr Dauerlächeln und für ihr Verständnis abstruser Details im Sozial-, Gesundheits- und Bildungssystem hat sie Punkte gesammelt", stellt Frankreichkorrespondent John Lichfield fest. Seiner Ansicht nach ist die Ablehnung der Presse dafür verantwortlich, dass Royal in den Umfragen bislang hinter Sarkozy liegt. "Royal hat keinen Meinungsumschwung geschafft. Die Unterstützung für sie könnte sich schnell auf die linksextremen Kandidaten oder auf den Liberalen François Bayrou verlagern, der gerade auf dem Vormarsch ist... Bayrou ist ein proeuropäischer Konsenspolitiker, der zwar klar spricht, aber nicht allzu viel sagt. Er könnte für eine Weile die Stimmen von Royal-Anhängern und gemäßigten Rechten auf sich ziehen, die fürchten, dass Sarkozy im Falle eines erdrutschartigen Sieges Staat und Wirtschaft komplett umkrempeln könnte." (21.02.2007)
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La Voix du Luxembourg - Luxemburg
Olivier Postal sieht den gestrigen Auftritt der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal im Fernsehen sehr kritisch: "Sie hat allen gezeigt, dass sie mit dem Herzen spricht und mit Menschen fühlt, die leiden, vor allem mit Behinderten, die oft mit großen familiären, sozialen und gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Es war klar, dass das ihre Stärke ist - und sie hat das ein weiteres Mal demonstriert. Aber kann eine gute Familienministerin auch eine gute Präsidentin sein? Die Sendung konnte das nicht wirklich zeigen. Erstens weil die sozialistische Kandidatin zu keinem ihrer Gesprächspartner 'nein' sagen konnte. Sie war einfach immer mit allen einverstanden... Gewiss sind ihre Auslassungen über eine gerechte Ordnung, ihre Ankündigungen einer neuen Art von Politik und ihre Bereitschaft, den Bürgern das Wort zu geben, voller guter Absichten. Aber leider schaffen sie, wenn man Wirtschaftswissenschaftlern glaubt, keine Arbeitsplätze." (21.02.2007)
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Libération - Frankreich
Laurent Joffrin stellt fest, dass die sozialistische Kandidatin im Wahlkampf aufholt. "Royal ist wieder Ségolène geworden. So erklärt sich, dass sie mit ihren Auftritten bei TF1 und in Rennes an Zustimmung gewonnen hat. Die Zeichen sind zwar noch schwach, aber sie trügen nicht. Es gibt ja nicht nur Umfragen in ländlichen Gebieten, es gibt auch die Intuition, die Zuschauerzahlen, qualitative Erhebungen und Analysen von rechten wie linken Journalisten... Auf jeden Fall hat sie ihre Basis wiedergefunden: Sie ist frei im Ton gegenüber den alten Größen der Sozialisten. Wenn hier jemand ungeschickt ist, dann die alte, den Staat verherrlichende Linke, die verschwenderisch und unrealistisch ist und Europa idealisiert. Royal appelliert an die Vernunft, sie prangert die Mentalität der dauerhaften Alimentierung an und will den Staat reformieren... Es ist nicht mehr die neue Ségolène, die die Linke nach unten zieht. Es ist die alte Linke, die die neue Kandidatin nach unten zieht. Es ist schwer, mit Elefanten Rock 'n' Roll zu tanzen." (21.02.2007)
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
"Frankreichs sozialistische Präsidentschaftskandidatin kämpft vergeblich gegen den Vorsprung ihres Konkurrenten Sarkozy an", schreibt Christian Müller. Im Beraterstab der sozialistischen Kandidatin herrsche Krisenstimmung: "Royal erinnerte mit ihrer bisherigen Kampagne, wenn man auf Kritik von ganz unterschiedlicher Seite in ihrer eigenen Partei hörte, an den Autofahrer, der bei der Radiodurchsage, auf seiner Autobahnstrecke komme ihm ein Geisterfahrer entgegen, in den Ruf ausbricht: nicht einer, Dutzende! Dass sie nun in der Fernseh-Befragung eine noch etwas höhere Einschaltquote als Sarkozy vor ihr erreichte, wurde parteioffiziell sogleich als aufmunterndes Zeichen ausgeschlachtet. Die Publikumsreaktion resümierte jedoch, dass in der ausschliesslich der Sozial- und der Wirtschaftspolitik gewidmeten 'partizipativen Debatte' zumeist die Bekundung unverbindlichen Mitleids an die Stelle konkreter Aussagen zur Finanzierung des überreichen Katalogs schöner Verheissungen getreten sei." (21.02.2007)
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