Top-Thema vom Freitag, 2. März 2007
Separatismus in Europa
Verschiedene Länder der Europäischen Union kämpfen mit separatistischen Forderungen ihrer Minderheiten oder Regionen, die mehr Autonomie oder sogar vollständige Unabhängigkeit verlangen.
The Economist - Großbritannien
Die Wochenzeitung vergleicht separatistische Bewegungen innerhalb der EU und analysiert: "Das politische Geschrei der regionalen Bewegungen einerseits und der zentralistischen Behörden andererseits gibt kaum Anhaltspunkte, wie künftige Arrangements aussehen können. Der belgische Vlaams Belang hat in vielen politischen Punkten rechtsextreme Ansichten. Aber auch andere flämische Parteien, von den Sozialisten bis zu den Liberalen, möchten ihre Autonomie soweit wie irgend möglich ausweiten, bis hin zur regelrechten Unabhängigkeit. Die Lega Nord in Italien ist stramm rechts; die baskischen Separatisten sind linksextrem, was zum Teil auf ihre Geschichte im Widerstand gegen Franco zurückgeht; die schottische Nationalpartei SNP gilt als gemäßigt links. Das wichtigste Unterscheidungskriterium ist vielleicht, ob die separatistischen Regionen in der jeweils angestrebten Föderation wirtschaftlich der schwächere oder der stärkere Part sind. Ärmere Regionen werden sich eher nicht von reicheren Staaten abspalten, reichere Regionen hingegen - oder die, die greifbare natürliche Ressourcen haben - könnten das sehr wohl wollen." (01.03.2007)
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Tribune de Genève - Schweiz
Antoine Maurice stellt fest, dass es in mehreren spanischen Regionen separatistische Bewegungen gibt. "30 Jahre nach der Verfassung ist für Spanien die Frage nach Föderalismus oder Einheit essentiell geworden. Es ist eine Frage des Überlebens der Nation. Die Historiker sagen, dass die spanische Nation noch nicht sehr alt ist... Das Franco-Regime hat das Nationale gefördert, indem es alles vernichtet hat, was identitätsstiftenden Geschichten oder Kulturen auch nur ähnelte. Das bestärkt in den noch lebendigen Erinnerungen nicht gerade die Liebe zur spanischen Nation. Insgesamt wird die aktuelle Debatte, die von Bitterkeit genährt wird, auf einer doppelten Ebene geführt. Es ist eine ideologische Debatte, die einerseits Gefühle für eine nicht enden wollende Vergangenheit und andererseits für eine noch ungeschriebene Zukunft mobilisiert. Die alten europäischen Nationen können sich in Zeiten von Terrorismus und Globalisierung nicht sicher sein, die Vormachtstellung in den internationalen Beziehungen oder für den Zusammenhalt des Landes zu behalten." (01.03.2007)
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Le Soir - Belgien
Die Tageszeitung hat diese Woche Auszüge aus einem "Manifest für die Einheit der Frankophonie" veröffentlicht, das von zwei ehemaligen belgischen Parlamentariern, Serge Moureaux und Antoinette Spaak, verfasst wurde. Die beiden warnen vor den separatistischen Bestrebungen der Flamen. "Von einem flämischen Projekt in Hinblick auf eine Zukunft Belgiens zu sprechen, zumal von einem 'einheitlichen' Projekt, das alle Stimmen der gesammelten flämischen Entscheidungsträger umfasst, ist gewagt, mehr noch: gefährlich. Gleichwohl: Wenn man die verschiedenen Ansichten aus dem Norden des Landes zusammenfasst, lässt sich ein Minimalprogramm skizzieren, das die Aktionen der Politiker und Manager zusammenfasst, die sich für eine verstärkte Autonomie Flanderns einsetzen. Sie soll helfen, Flandern unabhängiger zu machen und seinen Einfluss zu vergrößern zudem seinen vermeintlichen wirtschaftlichen Wohlstand steigern und ihm auf gewisse Art zu Eigenständigkeit verhelfen... Die Teilung Belgiens oder seine Reduzierung auf ein föderales Modell stehen auf der Tagesordnung... Die französischsprachigen Belgier müssen sich darauf einstellen." (26.02.2007)
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