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Top-Thema vom Mittwoch, 11. April 2007


Die Geschichte belastet Russland und seine Nachbarn

Die Beziehungen zwischen Russland und seinen ehemaligen "Satellitenstaaten" sind nicht einfach. Sie werden belastet durch die unterschiedlichen Ansichten über den Umgang mit der Vergangenheit - mit weitreichenden Folgen für die Gegenwart.


The Guardian - Großbritannien

"Im Westen ist die Erinnerung an die antifaschistische Allianz noch weitestgehend intakt und vorhanden. Nur ein paar Radikale behaupten, dass es besser gewesen wäre, sich mit Hitler statt mit der Sowjetunion zu verbünden. Aber im Osten entstand durch den Fall der Mauer ein großes historisches Vakuum", schreibt Gyula Hegyi, Parlamentsmitglied der ungarischen Sozialisten, in einem Gastbeitrag. "Die neuen Politiker und Medien haben es versäumt, den Menschen die komplizierte Wahrheit über den Krieg zu erzählen. Die alten pro-sowjetischen Klischees wurde durch anti-russische ersetzt. Das tragische Schicksal der baltischen Republiken unter sowjetischer Herrschaft ändert nichts an der Tatsache, dass das Vernichtungslager Auschwitz von den Nazis gebaut und von der Roten Armee befreit wurde. Und die Verbrechen des stalinistischen Regimes ändern nichts an der Tatsache, dass Millionen von Sowjetsoldaten ihr Leben für die Freiheit Europas ließen. Die baltischen Länder müssen der Opfer Stalins gedenken, und wir sollten ihre gemischten Gefühle Russland gegenüber verstehen. Aber wer sein Leben im Kampf gegen das Naziregime opferte, sollte für jeden Demokraten ein Held sein." (11.04.2007)


Le Soir - Belgien

Das Museum in Auschwitz hat die Eröffnung einer Ausstellung über die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung des Todeslagers verschoben. "Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen steht die Frage nach der Identität mehrerer von den Nazis getöteten Häftlingsgruppen", erklärt Benjamin Quénelle. Viele stammten aus Ländern, die von der UdSSR im Rahmen des Molotow-Ribbentrop-Paktes annektiert worden waren. Der Pakt hatte die Länder Mittel- und Nordeuropas zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland aufgeteilt. "Wenn sie [die Nazis] Gefangene auf dem ehemals polnischen Territorium machten, das dann von der UdSSR besetzt wurde, waren diese Menschen noch Polen oder schon Sowjets? Aus der Sicht Moskaus sind es sowjetische Bürger gewesen. Für die Museumsleitung waren es Polen, Litauer und so weiter... Diese Debatte wird zu einem Zeitpunkt geführt, zu dem das Verhältnis zwischen Polen und Russland ohnehin gespannt ist... Die Beziehungen zwischen den Ländern sind schwierig und der kleinste Zwischenfall könnte dazu führen, dass der Streit aus dem Ruder gerät. Es ist die Geschichte, die sie heimsucht - wie es oft beim Verhältnis Russlands zu seinen ehemaligen Satellitenstaaten der Fall ist." (11.04.2007)


Delfi - Estland

Der Streit um das sowjetische Kriegerdenkmal in Tallinn belastet schon lange die estnisch-russischen Beziehungen. Die Esten wollen die Statue aus der Innenstadt verbannen, die russische Minderheit im Land und Russland dies nicht zulassen. Der Kommentator des Online-Nachrichtendienstes Delfi vergleicht die Statue mit einem Sowjetdenkmal in Budapest. Dieses sei gerechtfertigt, da bei der Schlacht um die ungarische Hauptstadt 80.000 Sowjetsoldaten gefallen seien, nicht jedoch das Denkmal in Tallinn, da die Nazis die Stadt freiwillig geräumt hätten. "In Ungarn wird erwogen, ein Referendum über die Versetzung des Denkmals durchzuführen. In Tallinn ist bislang niemand auf die Idee gekommen, die Menschen zu befragen. Stattdessen verlangen die einen die vollständige Schleifung oder zumindest die Versetzung der Statue, die anderen wollen, dass alles so bleibt wie bisher. Eine Einigung scheint damit ausgeschlossen. Die neue rechts-konservative Regierung in Estland hat allerdings ihren Erfolg bei den letzten Wahlen auch der Tatsache zu verdanken, dass der frühere und jetzige Premier Andrus Ansip versprochen hat, die Statue aus dem Zentrum zu entfernen. Welches der beiden Monumente wird schneller verschwinden? Es steht zu befürchten, dass es das in Budapest ist." (11.04.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 11. April 2007

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