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Top-Thema vom Mittwoch, 2. Mai 2007


Streit um sowjetische Kriegsdenkmäler


In Estland ist das umstrittene sowjetische Kriegsdenkmal aus Tallinn entfernt und auf einem Militärfriedhof außerhalb des Stadtzentrums wieder aufgestellt worden. Die Umsetzung der Bronzestatue, die für viele Esten ein Symbol der sowjetischen Besatzung ist, hatte zu heftigen Tumulten geführt. Auch in Russland und Polen denkt man über die Versetzung von Kriegsdenkmälern nach.


Delfi - Estland

Das estnische Nachrichtenportal bedauert, es gebe viele Russen, die sich bei jeder Gelegenheit dazu hinreißen ließen, estnische Fahnen zu verbrennen und Kreml-Propaganda zu verbreiten. "Es ist eher unwahrscheinlich, dass Esten und Russen nicht friedlich zusammenleben können. Die Feindseligkeiten sind ein Relikt der Sowjetunion, aber nun wird es leider noch länger dauern, bis sie überwunden sind. Wir können natürlich ewig an den Sieg unserer Großväter erinnern, aber es gibt heute genug anderes zu tun, und wir sollten nicht in jedem Russen einen Besatzer sehen. Rowdys und Extremisten, die Fenster zertrümmern und estnische Fahnen zerreißen, sollte man allerdings auf Grundlage der geltenden Gesetze kalt stellen." (02.05.2007)


Sydsvenskan - Schweden

Estland habe die Lage nach den Krawallen in Tallinn erstaunlich gut im Griff, findet Tobias Lindberg – ganz im Gegensatz zu Russland, wo seit Tagen die estnische Botschaft von kremltreuen Jugendorganisationen belagert wird und der Moskauer Bürgermeister zu einem Boykott des "faschistischen" Estland aufgerufen hat. "Russland scheint die aufgewühlten Gefühle in Estland eher weiter anfachen zu wollen statt sie zu beruhigen. Dahinter steht eine Doppelmoral: Russland wird oft und zu Recht von der übrigen Welt kritisiert, zum Beispiel für seine demokratischen Defizite oder den Krieg in Tschetschenien. Der Kreml weist solche Vorwürfe stets als Versuch der Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands zurück. Aber Moskau sieht offenbar kein Problem darin, sich in etwas einzumischen, was eindeutig die inneren Angelegenheiten Estlands sind." (02.05.2007)


Delfi - Lettland

Auch Aris Jansons wirft Russland Doppelmoral vor: "Moskau hat in aller Stille ein Weltkriegsdenkmal im russischen Chimki entfernen lassen. In den Medien wurden drei Versionen verbreitet: es sei um Straßenverbreiterung gegangen, um den Bau eines Geschäftszentrums und darum, dass an dem Monument regelmäßig Prostituierte standen. Auch in Stawropol wurde in diesem Jahr ein Denkmal demontiert. Aber weder hier noch in Chimki gab es eine Welle der Proteste oder Demonstrationen, und die lokalen Behörden wurden nicht als Faschisten beschimpft." (02.05.2007)


Gazeta Wyborcza - Polen

Beim Umgang mit sowjetischen Denkmälern sieht Marcin Wojciechowski Polen auf einem besseren Weg als Estland. "Es ist gut, dass Polen an die Solidarität der EU mit Estland appelliert, aber es ist ein Fehler, in diesem Konflikt einer Seite offen Recht zu geben. Präsident Lech Kaczynski hat ganz richtig betont, die Versetzung des Denkmals sei eine souveräne Entscheidung der estnischen Regierung, die man respektieren solle. Doch leider zeigte der Präsident kein Verständnis für die russische Sicht. Völlig unzulässig aber sind Aufrufe, russische Denkmäler in Polen zu zerstören. Es ist nicht gut, dass der Kulturminister eine solche Andeutung gemacht hat - auch wenn er sie später zurücknahm. Polen sollte stolz sein, dass beim Abzug der Roten Armee vor 13 Jahren niemandem ein Haar gekrümmt wurde, kein Friedhof russischer Soldaten geschändet wurde und es keine Hassaktionen gegen Denkmäler oder die Gebeine unschuldiger Menschen gegeben hat." (02.05.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 2. Mai 2007

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