Top-Thema vom Montag, 2. Juli 2007
Terroralarm in Großbritannien
Wenige Tage nach Amtsantritt des neuen britischen Premiers Gordon Brown ist in Glasgow ein brennendes Auto in den Flughafen gefahren, in London wurden zwei Bombenanschläge vereitelt. In Großbritannien herrscht höchste Terroralarmstufe. Europa fürchtet weitere Anschläge.
Hospodářské noviny - Tschechien
"Die Aktion sollte vor allem den neuen Premier Brown auf die Probe stellen - ob er sich wohl einschüchtern und zum Abzug der Soldaten aus dem Irak und Afghanistan bewegen lässt", schreibt Tomáš Němeček zu den versuchten Terroranschlägen in Großbritannien. "Es hat aber keinen Sinn, sich Illusionen hinzugeben: Die Islamisten würden den Westen auch dann angreifen, wenn es keinen Irakkrieg gäbe. Anlässe gäbe es genug, beispielsweise die Unterstützung Israels oder die 'Gottlosigkeit' Europas." Die Radikalen amüsierten sich darüber, wenn der Westen als Begründung für die Anschläge immer die eigene Außenpolitik anführe. "Das Ziel ist ein ganz anderes: Die Bildung eines revolutionären islamischen Staates, der die ganze Welt verändert." (02.07.2007)
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Aftonbladet - Schweden
Joakim Jakobsson lobt Gordon Brown für seine Reaktionen auf die Attentatsversuche in London und Glasgow: "Gewalt mit Gegengewalt und einer Einschränkung von Rechten zu beantworten, würde bedeuten, der Logik der Terroristen zu folgen. Die Bomben sollten eine härtere Gangart Großbritanniens und eine härtere Linie in der internationalen Politik erreichen. Nichts nützt Fundamentalisten und Terroristen mehr als ein Europa, das sich der Bush-Politik anschließt. Es scheint, dass Brown besonnen reagiert. Nichts deutet auf eine Überreaktion nach amerikanischem Muster hin. Schon 2005 war die Antwort der Briten auf die Anschläge in London vor allem Offenheit und Respekt vor den Menschenrechten." (02.07.2007)
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The Irish Times - Irland
"Terrorismus scheint der Preis zu sein, den wir für unsere offene Gesellschaft zahlen müssen", schreibt die irische Zeitung im Leitartikel. "Es ist der Preis, den wir zahlen, weil wir zurecht Bewegungs-, Versammlungs- und Redefreiheit vor allem schützen, weil sie unsere offene Gesellschaft definieren. Diese Werte sind nicht nur für islamische Terroristen ein Gräuel, sie erschweren es auch, Terroristen festzunehmen. In Großbritannien ist schon wieder die Rede von neuen Anti-Terror-Gesetzen, doch wenn man dieser Versuchung erliegt, besteht die Gefahr darin, genau das zu unterlaufen, was Demokraten zu verteidigen versuchen... Der neue Premierminister Gordon Brown hat zurecht betont, dass solche Anschläge die Werte der muslimischen Gemeinschaft genauso wenig widerspiegeln wie die der Mehrheit." Brown habe zudem betont, die Herausforderungen durch den islamischen Terrorismus seien "langfristig und nachhaltig" und gingen mit einem allgemeinen Werte-Konflikt einher. "Er sprach auch von einem langfristigen Kampf 'um die Herzen und Köpfe'. Beide Aussagen sind richtig." (02.07.2007)
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The Independent - Großbritannien
"Ich weiß, was Millionen meiner Mitbürger sagen werden, wenn sie die Nachrichten von den vereitelten Autobomben-Anschlägen am Glasgower Flughafen sehen... 'Was ist los mit den verrückten Muslimen? ... Die bedrückten Briten verstehen aber nicht, dass die gleichen Gespräche in den meisten muslimischen Haushalten geführt werden", schreibt Yasmin Alibhai-Brown. Britische Muslime wie sie fühlten bei solch blutigen Anschlägen eine "kollektive Bindung zu Großbritannien". "Vernünftige, normale britische Muslime vergeben diesen Nihilisten sogar noch weniger, denn ihre Barbarei unterläuft unser Grundrecht, diesem Land als Gleichberechtigte anzugehören. Das sind durchgedrehte Hobby-Terroristen mit Schraubenschlüssel. Sie greifen berechtigte Sorgen auf und missbrauchen sie als Entschuldigungen für ihre eigenen Gewalt-Reality-Shows, bei denen sie sicher sein können, dass sie weltweit auf den Bildschirmen immer und immer wieder gesendet werden." (02.07.2007)
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Le Temps - Schweiz
Von den gescheiterten Anschlägen in Großbritannien sei die EU unmittelbar betroffen, meint Richard Werly. "Portugal, das die EU-Ratspräsidentschaft für die kommenden sechs Monate übernommen hat, liegt nun direkt im Auge des Zyklons. Die Ausweitung der polizeilichen und juristischen Zusammenarbeit ist Teil des 'Mandats', das die 27 Mitgliedsländer der anstehenden Regierungskonferenz kürzlich gegeben haben. Ein 'geänderter EU-Vertrag' soll dann das Licht der Welt erblicken. Für Lissabon kommt erschwerend hinzu, dass Großbritannien in Brüssel auf verschiedene Ausnahmeregeln bestanden hat. Der europaskeptische Gordon Brown... bekommt nun eine neue Bedrohung zu spüren. Eins steht fest: Die Sicherheit von 500 Millionen Bürgern in 27 Ländern der EU hängt immer mehr davon ab, ob eine europäische Polizei entsteht, die für Prävention und Bestrafung zuständig ist. Nur sie allein kann die Antwort auf die grenzenlose Bewegungsfreiheit der Menschen sein." (02.07.2007)
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