Top-Thema vom Donnerstag, 30. August 2007
Waldbrände schwächen die griechische Regierung
Die verheerenden Waldbrände in Griechenland setzen die griechische Regierung unter Druck, die sich am 16. September vorgezogenen Neuwahlen stellen muss. Die europäische Presse beobachtet die Trauer um die Opfer in Athen und die Proteste gegen die Regierung. Sie fragt nach den Ursachen der Katastrophe.
La Vanguardia - Spanien
"Die verheerenden Waldbrände, bei denen in Griechenland 64 Menschen gestorben sind und innerhalb von sechs Tagen mehr als 200.000 Hektar Land verwüstet wurden, bedrohen nun die konservative Regierung Karamanlis", glaubt die spanische Zeitung. "Die Mehrheit der griechischen Bürger ist empört und glaubt der Regierungspropaganda nicht. Die besteht darin, für die Brände eine Verschwörung verantwortlich zu machen, deren Ziel angeblich der Sturz der Regierung ist. Die Regierung war unfähig, die Katastrophe zu verhindern und hat dann ihre Zeit damit vertan, angebliche Brandstifter zu verhaften, mit Antiterrormaßnahmen zu drohen und zu erklären, ihr Krisenmanagement sei erfolgreich gewesen, weil das Feuer die historischen Stätten nicht zerstört hat... Doch die Diskreditierung der Regierung, die schon recht umfassend ist, ist noch nichts im Vergleich zur Diskreditierung der sozialistischen Opposition. Die war schnell dabei, der Regierung die Schuld zuzuweisen, hatte aber keinerlei andere Lösung anzubieten. Das Feuer in Griechenland hat alles niedergemacht." (30.08.2007)
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Eleftherotypia - Griechenland
"Es war eine spontane Versammlung ohne politische Ausrichtung, ohne Organisatoren. Ein paar hundert Menschen hatten sich einfach per SMS organisiert und sich am selben Ort getroffen wie schon am 8. Juli, als in Athen die letzte grüne Lunge in Flammen aufging", berichtet die griechische Zeitung. "Die Griechen allen Alters waren, egal ob sie mit Familie oder Freunden gekommen waren, gleich gekleidet, in Trauer, in Schwarz. Ein Kind hielt ein Transparent, auf dem geschrieben stand: Ihr habt meine Seele geschwärzt, ihr habt meine Zukunft geschwärzt. Bewegend. Die griechischen Muslime haben sogar für Regen gebetet, damit die Feuer ausgehen. Es bleibt abzuwarten, ob die öffentliche Meinung, die bei der spontanen Demonstration in den Straßen Athens zum Ausdruck kam, auch das Ergebnis der Parlamentswahlen in 17 Tagen verändern wird. Die Umfragen sehen die regierende Partei an der Spitze. Aber die Umfragen sprechen nicht wirklich vom Aufstieg der kleinen Parteien, die die Regierung in den kommenden vier Jahren womöglich schwächen werden." (30.08.2007)
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Berliner Zeitung - Deutschland
Maritta Tkalec sieht den Kern des griechischen Elends in Verantwortungslosigkeit, Desinteresse und Fahrlässigkeit auf allen Ebenen. "Wieder mal soll das Unheil ganz unverschuldet über das Land gekommen sein. In Selbstmitleid und Opfermentalität badet Griechenland traditionell bekanntermaßen recht gern. Wohin man schaut, entdeckt man die Verdrängung der eigenen Mitverantwortung: ob an der Deportation der Juden von Saloniki, der Spaltung Zyperns, den Massakern an Türken und Albanern, am Mazedonienkonflikt, an der eklatanten, den EU-Stabilitätspakt verletzenden Staatsverschuldung, die jahrelang mit Lügen vertuscht wurde. Die EU mag etliche Augiasställe haben, einer der größten steht in Griechenland. Seltsamerweise spricht man in der Gemeinschaft wenig über dieses Problemland - Griechenliebe macht eben auch blind. Jetzt läuft die größte EU-Hilfsaktion, die es je für ein Land der Gemeinschaft gab. Sie sollte der Anfang sein für ernste Gespräche: Griechenland muss seine Verhältnisse ordnen." (30.08.2007)
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Le Temps - Schweiz
Richard Werly meint, das verbrannte Griechenland brauche einen Elektroschock, um sich aus seiner Asche zu erheben und sich der Zukunft zu stellen. "Dieses europäische Land, dem seine ineffektive Bürokratie und seine korrupten Politiker oft zum Vorwurf gemacht werden, hat mit dem Aufbau der Infrastruktur für die Olympischen Spiele 2004 in Athen bewiesen, dass es diese Karikatur Lügen strafen kann. Nun braucht es eine neue Revolution, die der Mentalität... Es muss natürlich Regeln geben. Und Aufrufe zur Ordnung: Es ist nicht akzeptabel, dass Griechenland ohne ein Grundbuchregister bleibt, obwohl die EU Geld bewilligt hat, um die [bisher ungeregelte] Bodensituation Normen zu unterwerfen. Vor allem aber muss die Asche der tragischen Brände vom August den kommenden Generationen als Dünger dienen: für Entstehung einer ökologischen und bürgerlichen Bewegung." (30.08.2007)
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