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Top-Thema vom Donnerstag, 4. Oktober 2007


Insiderhandel bei EADS


Ein Bericht der französischen Börsenaufsicht bezichtigt führende Manager des Luftfahrtunternehmens EADS und seine Hauptaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler des Insiderhandels. Sie sollen massiv Aktien verkauft haben, bevor die Produktionsprobleme des A380 und A350 öffentlich wurden. Auch der französische Staat soll davon gewusst haben.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Michael Kläsgen bezweifelt, dass der mögliche Insiderhandel bei EADS juristisch nachweisbar ist: "Die Ermittler werden weder ein Datum festsetzen können, von dem an intern unwiderruflich feststand, dass es zu Lieferverzögerungen kommen wird. Sie werden auch keinen Zusammenhang zwischen dem Verkauf der Aktien und dem vermeintlichen Wissen um die Probleme herstellen können. Auch werden sie nie belegen können, dass die mutmaßlich Eingeweihten ahnen konnten, dass das Bekanntwerden der Verzögerung zu einem Kurssturz von 26 Prozent führen würde... Immerhin beginnt die Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen. Aber selbst wenn es zu einem Verfahren kommen sollte, wird es trotz Plausibilität der Fakten und der moralischen Verwerflichkeit kaum Verurteilungen geben." (04.10.2007)


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

"Der Insiderskandal beim Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS nimmt beängstigende Formen an", findet Andreas Uhlig. "Nur wenige Mitglieder der obersten Führungsriege scheinen lupenrein zu sein. Dies gilt vor allem für den neuen, alleinigen Konzernchef, Louis Gallois, und für Finanzchef Hans Peter Ring... Auch DaimlerChrysler steht denkbar schlecht da. Sollten sich die Verdachtsmomente verdichten, drohen einzelnen Personen Strafen von zwei Jahren Gefängnis und Zahlungen von mindestens 1,5 Millionen Euro und höchstens des Zehnfachen der strittigen Gewinne. EADS müsste auf breiter Ebene Führungsspitzen umbauen. Sogar die beiden privaten Hauptaktionäre sind in Verruf geraten, so dass nicht nur die Governance, sondern auch die Besitzstruktur überdacht werden muss." (04.10.2007)


Les Echos - Frankreich

Patrick Lamm findet nicht, dass die privaten Aktionäre die einzigen sind, die in dieser Sache angeklagt gehören. "Der französische Staat ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Obwohl er über die Schwierigkeiten bei Airbus Bescheid wusste, hat er nicht Alarm geschlagen, was eigentlich zu seiner Verantwortung als Aktionär gehört hätte. Generell gesprochen hat er eine Leitung berufen und durch seine oftmals politisch motivierten Entscheidungen zusätzlich geschwächt, was sich als Achillesferse des Unternehmens erweisen sollte... Die letzten Entwicklungen sind in jedem Fall dringend dazu angetan, über die EADS-Führungsstrukturen und deren personelle Zusammensetzung nachzudenken. Die 'historischen' Aktionäre, die nicht mehr motiviert sind, sollten die Sache schnell abgeben. Im Übrigen ist es nicht sicher, ob das Unternehmen in Zukunft Referenzaktionäre braucht. 'Goldene Aktien' sollten ausreichen, es vor Begehrlichkeiten zu schützen." (04.10.2007)


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