Top-Thema vom Mittwoch, 10. Oktober 2007
Sarkozys Reise nach Moskau
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist gestern zu seinem ersten Staatsbesuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin eingetroffen. Die Presse fragt, ob er nun einen härteren Kurs gegenüber Russland einschlägt als sein Vorgänger Jacques Chirac.
Le Nouvel Observateur - Frankreich
Im Gespräch mit Anne-Sophie Hojlo erklärt die Russlandexpertin Laure Delcour vom Pariser Institut für Internationale und Strategische Beziehungen: "Es ist wichtig, sich über bestimmte konkrete Themen zu verständigen, was vor allem auf europäischer Ebene bislang nicht geschehen ist... Russland macht sicherlich zur Zeit eine beunruhigende politische Entwicklung durch, aber indem man es ständig öffentlich verdammt, beeinflusst man die Dinge nicht positiv. Stattdessen wäre es besser, Russland in das Zusammenspiel der Nationen einzubinden, es in irgendeiner Weise zu 'sozialisieren'. Erneute Kritik würde nur falsch verstanden und wäre eher ein Freundschaftsbeweis in Richtung der anderen Europäer, die Frankreich zu Zeiten Jacques Chiracs vorgeworfen haben, Russland gegenüber zu wohlwollend zu sein." (10.10.2007)
» zum ganzen Artikel (externer Link, französisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » EU-Erweiterung, » Frankreich, » Russland
Alle verfügbaren Texte von » Anne-Sophie Hojlo, » Laure Delcour
Berliner Zeitung - Deutschland
Der französische Präsident verfolge anders als sein Amtsvorgänger Jacques Chirac einen eher konfrontativen Kurs gegenüber Russland, meint Axel Veiel: "So wäre es um die französisch-russischen Beziehungen denkbar schlecht bestellt, hätten Putin und sein Gast nicht noch etwas gemeinsam. Beide sind ausgeprägte Pragmatiker. Sarkozys Vorhaltungen wegen russischer Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien dürften denn auch schnell vergessen sein, wenn es gilt, im beiderseitigen Interesse wirtschaftlich gemeinsame Sache zu machen... Womöglich überzeugt Sarkozy seinen Gesprächspartner sogar davon, dass es in Russlands ureigenem Interesse liegt, sich der Pariser Iranpolitik anzuschließen und den Druck auf Teheran zu erhöhen." (10.10.2007)
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » EU-Politik, » Energie, » Wirtschaftspolitik, » Frankreich, » Russland, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Axel Veiel
Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
"Unter Präsident Sarkozy ist Frankreichs Umgang mit dem Kreml um einiges härter geworden als unter dem Amtsvorgänger Chirac", schreibt auch Christian Müller. " Vor seinem ersten offiziellen Besuch in Moskau in dieser Woche unternahm der französische Staatschef besondere Anstrengungen gegenüber den einstmals von der Sowjetunion unterjochten osteuropäischen Staaten, um Befürchtungen über eine Fortführung der noch von Chirac ausgiebig praktizierten vorrangigen Rücksichtnahme auf die russischen Machtinteressen zu zerstreuen... Der gegen Washington improvisierte Dreibund zwischen Putin, Schröder und Chirac gehört jetzt der Vergangenheit an... Dem härteren Umgangston von Bundeskanzlerin Merkel gegenüber Putin folgt jener Sarkozys, der Berlin offensichtlich weder in dieser Beziehung noch in den Kontakten zu den Osteuropäern einen Vorsprung zugestehen möchte." (10.10.2007)
» zur Homepage (externer Link, Neue Zürcher Zeitung)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » EU-Politik, » Energie, » Wirtschaftspolitik, » Frankreich, » Russland, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Christian Müller
Mladá fronta Dnes - Tschechien
Der französische Philosoph André Glucksmann wirft den Europäern Blauäugigkeit im Umgang mit Russland und Wladimir Putin vor. Im Interview mit Jan Rybar erklärt er: "Putin verfügt über das zweitgrößte Atomwaffen-Arsenal auf der Welt, er ist Herrscher über Erdöl und Gas. Niemand kontrolliert ihn, denn eine freie Presse gibt es in Russland nicht. Es wäre naiv zu glauben, dass dieser mächtige Mann keine Gefahr darstellt. Es tut mir leid zu sehen, wie wenig Frankreich, Deutschland oder Italien auf die Warnungen der neuen EU- und Nato-Partner hören. Wenn die EU in Zukunft noch eine Rolle spielen möchte, muss sie sich vor allem auf eine gemeinsame Energiepolitik einigen." (10.10.2007)
» zum ganzen Artikel (externer Link, tschechisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » EU-Politik, » Energie, » Russland, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » André Glucksmann, » Jan Rybář
» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 10. Oktober 2007