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Top-Thema vom Freitag, 12. Oktober 2007


Späte Ehrung für Doris Lessing


Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an die 87-jährige britische Autorin Doris Lessing, die mit ihrem Roman "Das goldene Notizbuch" (1961) einen Klassiker der Frauenliteratur verfasst hat. Lessing hat sich auch mit politischen Themen wie dem Kommunismus oder dem Kolonialismus auseinandergesetzt.


The Independent - Großbritannien

Boyd Tokin freut sich über den Preis für Doris Lessing, "eine profilierte und wegweisende Autorin, deren Werke für sechs Jahrzehnte dem inneren Aufruhr und gesellschaftlichen Wandlungsprozess einer sich ändernden Welt Ausdruck verliehen... Ihre überraschende Auszeichung (Lessings Gewinnchancen standen schlechter als 50 zu eins) bezeugt die Neigung der Akademie zu weltberühmten Autoren, oftmals aus der englischsprachigen Welt... Als überzeugte Individualistin, die sich allen Zuordnungen und Kategorien widersetzt hat, ging Lessing immer ihren eigenen Weg. Trotz ihres Ansehens als Pionierin der 'Frauenliteratur' brach sie später mit dem 'maßlosen' Feminismus, genau wie sie mit dem Kommunismus gebrochen hatte. Ihr Mitgefühl mit allen Außenseitern verweigerte sich vorgeschriebenen Grenzwerten." (12.10.2007)


Der Standard - Österreich

Christian Schachinger hält es für einen Skandal, dass mit Doris Lessing erst die elfte Frau überhaupt den Literaturnobelpreis erhält. "Auch für die 87-jährige Britin selbst mag der Nobelpreis reichlich spät, aber zumindest folgerichtig kommen. Folgerichtig zumindest auch für die nicht immer ein ausgezeichnetes künstlerisches Werk, sondern manchmal die Politik ins Auge fassende Schwedische Akademie der Wissenschaften. Diese dokumentiert mit der Auswahl der diesjährigen Preisträgerin wohl auch ihr doppelt schlechtes Gewissen. Sie ehrt eine nicht nur politische Frau, sondern vor allem auch eine feministische - oft wider Willen. Und gräbt damit zusätzlich einen längst zur Ruhe gebetteten, unglücklichen Begriff wieder aus: 'Frauenliteratur'. Dieser führte einst in den späten 70er-Jahren zu einer ungewollten Marginalisierung. Der Feind im Bett wollte zentrale feministische Romane wie Lessings 'Das goldene Notizbuch' nicht einmal mit der Beißzange anrühren - geschweige denn, sich mit ihnen auseinandersetzen." (12.10.2007)


El Mundo - Spanien

Die spanische Schriftstellerin Julia Navarro freut der Nobelpreis für Doris Lessing sehr. "Doris Lessing hat jene Quadratur des Kreises geschafft, von der alle Schriftsteller träumen: Die Verbindung von literarischer Qualität mit der Magie, von Millionen unterschiedlicher Menschen gelesen zu werden. Niemand kann bestreiten, dass sie eine große Schriftstellerin ist, die das Talent hat, an die Herzen der Leser zu rühren... Ich glaube, dass sich die Jury einmütig für Doris Lessing entschieden hat, weil diese außergewöhnliche Frau und Autorin einem großen Publikum nahe ist. So wird den Preis nicht nur eine Minderheit zu schätzen wissen, sondern Millionen Leser auf der ganzen Welt." (12.10.2007)


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