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Top-Thema vom Donnerstag, 25. Oktober 2007


Droht ein Krieg im Nordirak?


Die türkische Armee geht seit Tagen gegen Stellungen der kurdischen Untergrundorganisation PKK vor. Der Konflikt droht sich auf den Nordirak auszuweiten, denn von dort greifen PKK-Kämpfer türkische Ziele an. Die amerikanische Regierung hat den Nato-Verbündeten Türkei vor einer Invasion im Nachbarland gewarnt. Die europäische Presse fürchtet, der Konflikt könne eskalieren.


Die Presse - Österreich

Christian Ultsch meint, die Türkei dürfe sich von der PKK im Nordirak nicht provozieren lassen: "Es fällt unter das Kapitel Selbstverteidigung, wenn die türkische Armee der PKK nun auf irakischem Territorium nachsetzt. Trotzdem ist die Regierung in Ankara gut beraten, die Wahl ihrer Mittel zu dosieren und nicht in die Falle einer Großoffensive zu tappen. Denn genau das bezwecken die Guerilleros. Die PKK, diese krude marxistisch-nationalistische Sekte, steht im Grunde vor ihrem Ende. Das Objekt ihres Führerkults, Abdullah Öcalan, ist seit 1999 in Haft. Und dem kurdischen Volk, das sie zu vertreten vorgibt, werden dank EU-Annäherung der Türkei erstmals greifbare (wenn auch noch ungenügende) Rechte eingeräumt. Der klägliche militante Rest der PKK braucht deshalb den Krieg wie ein Vampir Blut. Nur so kann sie überleben. Wer die PKK aber aushungern will, muss sie total isolieren." (25.10.2007)


ABC - Spanien

"Wenn die Türkei jetzt eine große militärische Operation startet, dann begibt sie sich in eine Lage, die nur den Terroristen nutzt und deren finstere Absicht begünstigt, das Land in den irakischen Schlamassel hineinzuziehen", meint die spanische Zeitung. "Sollte die Türkei einmarschieren und sollten umgekehrt die Angriffe auf die türkischen Truppen weitergehen, dann wird die Regierung in Ankara die zunehmende Unzufriedenheit der Massen zu spüren bekommen. Das kann jederzeit in einen Bürgerkrieg ausarten - mit sehr gefährlichen Folgen. Niemand hat Interesse an einem zusätzlichen Konflikt in diesem Teil der Welt... Die Appelle an die Vernunft, die von allen Seiten - von den USA, der EU, der Nato und selbst aus Bagdad - kommen, weisen den Weg: Das Recht ist auf der Seite der Türkei in diesem Krieg gegen die Terroristen, aber sie darf trotzdem nur mit den Waffen kämpfen, die ihr das Gesetz zugesteht. Sie muss sie mit Bedacht nutzen und sollte auf die Provokationen ihrer Feinde nicht hereinfallen." (25.10.2007)


Berliner Zeitung - Deutschland

Roland Heine meint, am Konflikt mit der PKK im Nordirak werde deutlich, dass es einen Bruch zwischen den früheren Verbündeten Türkei und USA gibt: "Man fragt sich, was passiert, wenn Einheiten der USA und der Türkei direkt aufeinanderstoßen... Die neuen türkischen Eliten sehen ihr Land nicht mehr als vorgeschobenen Nato-Posten, sondern als Regionalmacht mit eigenständigen ökonomischen und politischen Interessen gegenüber den Nachbarstaaten. Konfrontationen mit Syrien oder dem Iran etwa sind für Ankara kontraproduktiv: Syrien wird als Transitland für türkische Exporte in den arabischen Raum gebraucht, der Iran ist ein großer Markt direkt vor der Haustür und wird als Partner im Kampf gegen den kurdischen Separatismus gesehen. Mit diesen Veränderungen finden sich die USA offenbar nur schwer ab." (25.10.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 25. Oktober 2007

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