Top-Thema vom Montag, 29. Oktober 2007
Papst spricht 498 spanische Geistliche selig
Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag 498 spanische Geistliche als Märtyrer selig gesprochen. Die Priester waren während des spanischen Bürgerkriegs (1936–1939) von Republikanern ermordet worden. Es war die größte Messe dieser Art in der Geschichte der katholischen Kirche. Sie hat den spanischen Streit um die Erinnerung an die Jahre des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur neu entfacht.
La Vanguardia - Spanien
"Die Zeremonie der Seligsprechung hat zu einem aufschlussreichen Zeitpunkt stattgefunden", bemerkt die spanische Tageszeitung. "Das Datum steht für den ersten großen Wahlsieg der spanischen Sozialisten vor 25 Jahren. Die radikal laizistische Einstellung dieser Partei, die heute in Spanien an der Regierung ist, hat zu ernsthaften Spannungen mit dem Vatikan beziehungsweise dem spanischen Klerus geführt... Nach heftigen Parlamentsdebatten ist die sozialistische Regierung bereit, einem Erinnerungsgesetz zuzustimmen, das das republikanische Erbe legitimiert. Trotz des Streits, der aus der tragischen Geschichte Spaniens herrührt, ist dies vielleicht der beste Moment, um sich zu erinnern. Der Staat muss mit Würde aller ermordeten Menschen gedenken, ausnahmslos und ohne Parteinahme... Spanien muss ein für alle mal dem Weg der gegenseitigen Anerkennung und des Verzeihens folgen." (28.10.2007)
» zur Homepage (externer Link, La Vanguardia)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Religion, » Geschichte, » Italien, » Spanien
La Libre Belgique - Belgien
Christian Laporte analysiert die Haltung der spanischen Kirche gegenüber dem Franquismus: "Es musste erst ein polnischer Papst kommen, bis die katholische Kirche bereit war, diejenigen zu würdigen, die sich für das Lager der Franquisten entschieden hatten. Weder Papst Johannes XXIII., noch Papst Paul VI. oder Pius XII. wollten in dieser Sache vorpreschen. Dabei hatte letzterer, behaupten jedenfalls die Historiker, dem Franquismus gegenüber nicht die geringsten Vorbehalte..., während Paul VI. schlicht angeordnet hatte, den laufenden Prozess der Selig- und Heiligsprechung auszusetzen. Der Wind drehte sich unter Johannes Paul II.: Nicht ganz vier Jahre, nachdem er den Heiligen Stuhl bestiegen hatte, verkündete er den spanischen Bischöfen, er wolle die Verspätung aufholen. Er versprach, sich für die Heiligsprechung von Josemaria Escriva einzusetzen. Der Opus-Dei-Gründer hatte sich auf die Seiten der Franquisten gestellt. Man muss allerdings dazu sagen, dass andere Mitglieder von Opus Dei ihrerseits unter den nationalistischen Exzessen leiden mussten." (26.10.2007)
» zum ganzen Artikel (externer Link, französisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Innenpolitik, » Religion, » Spanien
Alle verfügbaren Texte von » Christian Laporte
La Stampa - Italien
Der Journalist und Schriftsteller Lorenzo Mondo meint zur Seligsprechung der spanischen Märtyrer: "Die 498 Spanier... sind nur die Spitze der anti-religiösen Verfolgung, der zwischen 1934 und 1936 mindestens 7000 Menschen zum Opfer fielen. Dieses schreckliche Massaker... sollte uns daran erinnern, wie der Bürgerkrieg das Gewissen Europas belastet hat. Umso mehr als die Regierung Zapateros gerade dabei ist, ein Erinnerungsgesetz zu verabschieden, das die republikanischen Opfer ehren soll. Ein erster Schritt wäre, dass jeder das Recht haben muss, seine Toten ausfindig zu machen, ohne politisch instrumentalisiert zu werden... Das Aufdecken des Ausmaßes der Massaker kann dazu dienen, die Toten zu ehren und die Ehre der Menschen wieder herzustellen, die sich der Schande widersetzt haben. Aber es darf nicht dazu dienen, eine dunkle Episode der Geschichte zu feiern, derer sich niemand wirklich rühmen kann." (29.10.2007)
» zur Homepage (externer Link, La Stampa)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Geschichte, » Italien, » Spanien
Alle verfügbaren Texte von » Lorenzo Mondo
Diário de Notícias - Portugal
Die portugiesische Zeitung ist der Meinung, dass "wie in jedem Konflikt Grausamkeiten von beiden Seiten begangen wurden, von Republikanern wie von Nationalisten. Während der Franco-Diktatur sind die Republikaner dämonisiert worden. Mit der 1975 einsetzenden Demokratisierung Spaniens haben die Historiker die Spur aufgenommen. Seither sind zahlreiche Werke über den Bürgerkrieg erschienen, die es den Spaniern erlauben, sich über die Ereignisse jener Epoche selbst ein Urteil zu bilden. Durch den Generationenwechsel hoffte man auf ein Verblassen der Narben aus dem Bürgerkrieg. Doch nun sieht es nach Konfrontation aus, weil die Regierung Zapatero ein Erinnerungsgesetz durchdrücken will, das die Republikaner und die spanische Kirche aufregt, die ihrerseits die Seligsprechung der 'Märtyrer' propagiert, um den alten antiklerikalen Furor an den Pranger zu stellen." (29.10.2007)
» zum ganzen Artikel (externer Link, portugiesisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Geschichte, » Spanien
» zur gesamten Presseschau vom Montag, 29. Oktober 2007