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Top-Thema vom Montag, 12. November 2007


Demonstranten verhindern Neonazi-Aufmarsch in Prag


In Prag haben Demonstranten am vergangenen Freitag einen Aufmarsch von Rechtsextremen verhindert. Er sollte zum Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 im jüdischen Viertel stattfinden, war aber von den Behörden verboten worden. Anschließend kam es zu Krawallen zwischen Neonazis, Antifaschisten und der Polizei.


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Ulrich Schmid meint, die Gegendemonstration habe gezeigt, dass es eine "tschechische Bürgergesellschaft" gebe und Menschen, "die bereit sind, auch ohne staatlichen Druck für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und den Schutz von Minderheiten auf die Strasse zu gehen... Zahlreiche Touristen solidarisierten sich spontan mit den Kundgebungsteilnehmern, und so konnte man erleben, wie eine Familie aus Barcelona und gleich nebenan eine aus Mailand, die unvermeidliche böhmische Glaskunst in der Einkaufstasche, Parolen gegen Neonazis schrien... Die Stimmung blieb bis zum Eintreffen der Neonazis gelöst und friedlich. Israelische Flaggen wurden geschwenkt, zahlreiche Menschen hefteten sich gelbe Sterne mit der (deutschen) Aufschrift 'Jude' an die Jacke - ein Akt stummer Solidarität, den die meisten guthießen, der aber von einem älteren ungarischen Juden, der als Kind den Naziterror überlebt hatte, als 'etwas billig' kritisiert wurde... Noch nie haben sich die Neonazis so isoliert gesehen." (12.11.2007)


Hospodářské noviny - Tschechien

Petr Honzejk lobt die Prager Gegendemonstranten, fragt aber, wie die Öffentlichkeit reagiert hätte, wenn Neonazis gegen die ungeliebten Roma zu Felde gezogen wären. "Es ist gut, dass die tschechische Gesellschaft den Aufmarsch der Neonazis verhindert hat. Das wahre Problem aber sind Politiker vom Schlage Jiří Čunek, die den Neonazis das Gefühl geben, sie kämpften für die richtige Sache... Präsident Václav Klaus muss sich dafür entschuldigen, dass er ein Konzentrationslager für Roma als 'Arbeitslager' verharmlost hat. Premier Mirek Topolánek muss das Roma-Problem zu einer Priorität seiner Regierungsarbeit machen und die örtlichen Behörden sollten gegen Anti-Roma-Demonstrationen ebenso vorgehen wie gegen Neonazis... Erst dann können wir darüber reden, ob sich etwas zum Besseren wendet." (12.11.2007)


Népszabadság - Ungarn

József Szilvássy lobt die Einigkeit von tschechischen Bürgern und Politikern als vorbildlich: "Intellektuelle und Kirchenvertreter in Tschechien sind nicht stumm geblieben. Entscheidend war auch die eindeutige Haltung aller tschechischen Politiker. Die parteiübergreifende und ideologiefreie Unterstützung durch Politik und Gesellschaft hat die Aufgabe der Polizei maßgeblich erleichtert. Zwar haben in jüngster Zeit Korruptionsskandale dem Ansehen der politischen Elite gehörig geschadet. Dennoch hat niemand versucht, den Nazi-Aufmarsch im Sinne seiner Parteiinteressen zu instrumentalisieren. Das Verhalten der tschechischen Politiker, der Kirchenleute und der Intellektuellen, kurz: der tschechischen Gesellschaft könnte uns als Beispiel dienen, wie man der braunen Gefahr Einhalt gebieten kann." (12.11.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 12. November 2007

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