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Top-Thema vom Donnerstag, 29. November 2007


Kosovo-Verhandlungen gescheitert


Die letzte Gesprächsrunde über die Zukunft des Kosovo ist ergebnislos zu Ende gegangen, die Vermittlung zwischen Serben und Kosovo-Albanern durch die internationale Diplomatie gescheitert. Folgt nun die Unabhängigkeitserklärung der serbischen Provinz?


Berliner Zeitung - Deutschland

Frank Herold geht davon aus, dass die albanische Führung im Kosovo nicht gleich am 10. Dezember die Unabhängigkeit erklären wird: "Vielmehr soll sich erst in einer letzten ausführlichen Runde im Sicherheitsrat herausstellen, dass eine konsensfähige, völkerrechtlich bindende Resolution nicht erreichbar ist... Für die EU wäre das eine echte Belastungsprobe. Vor einiger Zeit bereitete vor allem den Staaten mit selbstbewussten Minderheiten der Gedanke Kopfschmerzen, den Separatismus der Albaner in irgendeiner Weise zu honorieren. Jetzt, angesichts der völligen Aussichtslosigkeit aller anderen Optionen, scheint sich nur noch Zypern zu sperren. Für eine schnelle Anerkennung Kosovos spricht das Beispiel der Nachbarstaaten. Als sich Slowenien und Kroatien vor anderthalb Jahrzehnten für unabhängig erklärten, waren die Bedenken der EU ebenfalls groß. Die schnelle Anerkennung wurde von vielen als fataler Fehler mit scharfen Worten kritisiert. Doch aus der heutigen Perspektive betrachtet, wirkte sie für beide Länder stabilisierend und war damit genau der richtige Schritt." (29.11.2007)


La Repubblica - Italien

Paolo Garimberti kommentiert: "Das Scheitern der Kosovo-Verhandlungen hat sich seit Monaten angekündigt. Noch bevor das Tauziehen zwischen Serben und Kosovo-Albanern zu Ende gewesen wäre, wäre die Vermittler-Troika implodiert, denn sie vereint drei verschiedene Haltungen: die pro-albanische der Vereinigten Staaten, die pro-serbische Russlands und die unsichere, geteilte Meinung Europas. Zahlreiche Länder boykottieren die Unabhängigkeit des Kosovo, auch wenn sie nicht wagen, das zu sagen. Entweder weil sie als Nachbarn oder aus wirtschaftlichen Gründen nicht zum Spielball Serbiens werden wollen, oder weil sie im eigenen Land einen Domino-Effekt befürchten... Es ist ein apokalyptisches Szenario. Schon bald könnte die albanische Bevölkerung Jagd auf die serbische Minderheit machen: Eine ethnische Säuberung, die der, die von den Nato-Jagdfliegern 1999 beendet wurde, in nichts nachsteht." (29.11.2007)


Latvijas Avīze - Lettland

Uldis Smits meint, der Prozess der Entstehung neuer Staaten in Europa sei noch nicht abgeschlossen. Zwar werde Belgien voraussichtlich zusammen bleiben, im Falle des Kosovo sei aber keine einvernehmliche Lösung mit Belgrad abzusehen. "De facto ist die Ablösung des Kosovo von Serbien bereits vollzogen, und die Kosovo-Albaner haben keinen Zweifel daran, dass der Westen ihren Staat anerkennen wird - allen Veto-Drohungen Russlands zum Trotz. Dann liegt die Verantwortung für den Kosovo bei Europa, das gespalten ist. Warum behaupten Luxemburger Abgeordnete beispielsweise, ein unabhängiger Kosovo sei eine Absurdität im Zeitalter der Globalisierung? Mit welchem Recht wollten die Luxemburger dem Kosovo die Anerkennung verweigern, wo sie doch selbst vor ihrer Unabhängigkeit nur eine Provinz waren?" (28.11.2007)


» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 29. November 2007

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