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Top-Thema vom Freitag, 21. Dezember 2007


Wozu Weihnachten?


Hat die ganze Weihnachtsaufregung jenseits der Jagd nach Geschenken und einem aufgesetzten Ritual noch einen Sinn? Die europäische Presse befasst sich mit der zeitgenössischen Interpretation dieses christlichen Fests.


24 heures - Schweiz

"Soll man Weihnachten abschaffen?", fragt François Berger, plädiert aber dann dagegen. "Man darf nicht vergessen, dass die letzten Dezembertage Angstzustände und Depressionen auslösen können. Psychologen weisen darauf hin, dass besonders Jugendliche sehr leiden, wenn es keine Rituale gibt - besonders im Fall von Weihnachten. Sie ersetzen das dann durch den Umständen entsprechende Rituale, etwa besondere Cannabis- oder Ecstasy-Abende. Wenn man einen Ritus abschafft, taucht er in neuer Form wieder auf, allerdings in einer viel gefährlicheren Form als ursprünglich. Sollten wir eines Tages - aus tausend guten Gründen - Weihnachten aus unserem gesellschaftlichen Leben gestrichen haben, und auch aus unseren Schulen, dann ist damit leider auch ein Teil unserer Kultur und unserer Traditionen zerstört. Wir würden einen Aspekt unserer menschlichen und zwischenmenschlichen Identität aufgeben." (17.12.2007)


The Guardian - Großbritannien

Die Kolumnistin Polly Toynbee, zugleich Mitglied der National Secular Society, antwortet auf den Vorwurf, Säkularisten wollten Weihnachten abschaffen. "Niemand will Weihnachten oder das Christentum verbieten, weder Atheisten noch Anhänger anderer Glaubensrichtungen. Doch jedes Jahr werden dieselben Großstadtmythen über die Abschaffung von Weihnachten von bescheuerten Institutionen verbreitet, die offenbar unter überzogener politischer Korrektheit leiden... Wir sind unschuldig. Es sind vielmehr die Christen, die diese gefährliche Suppe kochen. Sie erfinden diese Nicht-Geschichten und sehnen sich nach Märtyrertum. Schlimmer noch, sie verbreiten in der überwiegend säkularen Bevölkerung das Gefühl, sie sollten sich lieber als Christen bezeichnen, da, wie die [nationalistische] BNP behauptet, das britische Erbe, Tradition und Kultur von Muslimen bedroht wird. Während sie so tun, als griffen sie uns an, arbeiten die Christen in Wirklichkeit gegen die Immigranten." (21.12.2007)


La Vie - Frankreich

Die christliche Wochenzeitung hat die Franzosen zu ihrem Wissen über Christus befragt. Jean-Pierre Denis über die Resultate: "Nur einer von drei Befragten konnte präzise angeben, wann und wo Jesus geboren wurde. Angesichts dieses kulturellen Nebels ist es nicht erstaunlich, dass Weihnachten für viele ein heidnisches Fest geworden ist, bei dem der Konsum alle existenziellen Ängste überdecken soll. Ist das zum Verzweifeln? So einfach ist es nicht. Dieselbe Umfrage lässt erahnen, wie sich das Verhältnis der Franzosen zum Christentum verändert... In manchen Punkten wird es weniger eng. Aber das ist nicht so negativ wie man meinen könnte. Es wird auch sehr deutlich, dass viele gerne mehr wüssten. Zwei Drittel der Franzosen möchten, dass ihre Kinder über das Leben  von Jesus Bescheid wissen. Selbst bei denen, die sich als religionslos bezeichnen, ist dieser kulturelle Wunsch sehr stark ausgeprägt." (19.12.2007)


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