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Top-Thema vom Freitag, 4. Januar 2008


Rekordpreis für Rohöl


Der Preis für Öl ist auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen und damit so hoch wie nie zuvor. Welche Ursachen hat der Preisanstieg? Und wie wirken sich die hohen Energiepreise für Europa aus?


The Times - Großbritannien

"100-Dollar-Öl ist keine Katastrophe, sondern vielmehr ein Anlass zu gemäßigter Freude", findet Gerard Baker. Im Vergleich zur Ölkrise der 1970er Jahre liege der Hauptgrund für den Preisanstieg diesmal vor allem bei der Nachfrage und nicht beim Angebot. "2007 war trotz allen Geredes von einer bevorstehenden weltweiten Rezession wieder ein gutes Jahr. Der fortgesetzte Aufstieg Chinas und der neuen Märkte, das solide Wachstum in den USA und die beachtliche Leistung der alten Trödler Europa und Japan haben dazu geführt, dass die bestehende Ölproduktion mit der Nachfrage nicht Schritt halten konnte. Jetzt wird der steigende Preis die Nachfrage natürlich ein wenig drosseln, doch das ist kein Grund zur Annahme, dass ein Abschwung bevor steht.... Ein weiterer Grund für gemäßigten Optimismus ist, dass unsere Politiker die Erfahrung der 1970er Jahre schon hinter sich haben und wissen, was sie tun müssen, um eine Wiederholung zu vermeiden... Und drittens müssen wir angesichts der 100 Dollar für ein Barrel Öl nicht verzweifeln, weil wir heute von diesem unheilvollen Gut viel weniger abhängig sind als früher." (04.01.2008)


Le Temps - Schweiz

Noch ist es kein klassischer Ölschock, meint Pierre Veya, "aber es könnte einer werden, wenn der hohe Preis sich hält und in den kommenden Monaten auf 110 bis 120 Dollar pro Barrel steigt. Das scheint wenig, aber es könnte das entscheidende Moment sein, um eine Inflationsspirale auszulösen und das Weltwirtschaftswachstum zum Stillstand zu bringen... Das Risiko einer Rezession in Amerika, die Schwäche des Dollars und die politischen Krisen in und um die erdölproduzierenden Länder, bilden einen leicht entflammbaren Cocktail... Die Explosion der Rohstoffpreise sollte deshalb nicht als gutartiges Symptom eines starken weltweiten Aufschwungs interpretiert werden, sondern ein Warnsignal sein. Die Welt der Rohstoffe ist unbeständig, wenig transparent und sogar gefährlich. Das sollte uns dazu anregen, uns so schnell wie möglich aus einer zu starken Abhängigkeit von dem wichtigsten Rohstoff, dem Öl, zu lösen." (04.01.2008)


Die Presse - Österreich

Martin Kugler überlegt, welche Konsequenzen aus dem "Ölschock" zu ziehen sind. "In erster Linie müssen wir mehr aus den vorhandenen fossilen Treibstoffen machen. Das Stichwort heißt Energieeffizienz – und dieses spricht sich schön langsam auch bis zu den Energieversorgern und Politikern durch. Von höherer Effizienz profitieren alle (außer den Energielieferanten). Selbst die Weltpolitik würde völlig anders aussehen, wenn die Effizienz ernst genommen würde... Parallel dazu muss die Suche nach Alternativen forciert werden. Derzeit gibt es Dutzende neue Ideen, neue Ansätze, neue Technologien. Deren Umsetzung dauert lange – man muss sofort beginnen. Wir werden jedenfalls alle Technologien brauchen, um den Energiehunger der Welt befriedigen zu können. Und das völlig unabhängig davon, wo der Ölpreis steht." (04.01.2008)


taz - Deutschland

Nicht Spekulationen auf dem Energiemarkt oder "geopolitische Verwerfungen" hätten vorrangig den Ölpreis in die Höhe getrieben, meint Manfred Kriener. "Die Ölversorgung hat Mühe, mit der steigenden Nachfrage mitzuhalten. Diese Einschätzung wird längst auch von der konservativen Internationalen Energie-Agentur geteilt, der wichtigsten Energieadresse für OECD-Staaten... Höchste Zeit, ein Wort in den Mund zu nehmen, das Ökonomen meiden wie der Teufel das Abendgebet: 'Endlichkeit!'... Die Förderung kann eben nicht beliebig gesteigert werden, sie steht unmittelbar vor ihrem Höhepunkt - dem berühmten Peak - und sie wird nach 2010 zurückgehen. Die Welt ist auf dieses Ereignis nicht vorbereitet. Der Ölpreis wird dann auf 200 Dollar klettern - eine Zahl, die uns heute genauso undenkbar erscheint, wie es die 100 Dollar vor zwölf Monaten waren." (04.01.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 4. Januar 2008

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