Top-Thema vom Freitag, 11. Januar 2008
Neue Atomkraftwerke für Großbritannien
Großbritannien setzt - wie Frankreich und Finnland - auf den Ausbau der Atomkraft. Angesichts steigender Ölpreise und der Klimaerwärmung sieht die britische Regierung darin eine saubere und sichere Energiequelle; sie hat den Bau neuer Kernkraftwerke genehmigt.
The Guardian - Großbritannien
"Was ist das große Problem bei der Atomergie?" fragt die Tageszeitung. "Die knappe Antwort lautet: 'Derzeit ist sie eine wirtschaftlich unattraktive Lösung für neue, CO2-freie Stromerzeugung. Außerdem gibt es das wichtige Problem mit dem Atommüll.' Das stammt nicht von einer grünen Lobbygruppe oder einem unzufriedenen Wissenschaftler, sondern aus dem Energie-Weißbuch der Regierung aus dem Jahr 2003. Diese Probleme sind in den letzten fünf Jahren nicht gelöst worden, bestenfalls sind die Kosten gestiegen... Neue Atomkraftwerke werden lange auf sich warten lassen, wenn sie denn überhaupt errichtet werden. Die Entscheidung, sie zu bauen, sollte die Entwicklung einer intelligenten und weniger zentralisierten Energiepolitik nicht behindern, bei der Atomkraft nur ein Teil des Energiemixes sein kann. Eine umweltfreundlichere Politik müsste auf drei Säulen ruhen: mehr Energieeffizienz, höhere Investitionen in erneuerbare Energien und einen Schritt weg von einem national kontrollierten Stromnetz hin zu lokaler Erzeugung und Gemeindekraftwerken." (11.01.2008)
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland
Der deutsche Atomausstieg sei eine "abenteuerliche Strategie", findet Klaus-Dieter Frankenberger und lobt den Vorstoß Gordon Browns: "Die britische Regierung - wohlgemerkt: eine linke Regierung - denkt da ganz anders. Gerade mit Blick auf das Ziel, den Kohlendioxidausstoß zu verringern, hat sie jetzt beschlossen, neue Kernkraftwerke zu bauen. Kernenergie sei sicher, bezahlbar, schadstoffarm, verlässlich und beuge einseitigen Abhängigkeiten vor. Man sollte meinen, derlei Argumente - das finanzielle ist noch das schwächste - müssten auch bei uns Gehör finden. So ist es aber nicht. Unseren Ausweg aus dem Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und verlässlicher Energieversorgung weisen Windräder. An dieses Märchen glauben die Briten nicht." (11.01.2008)
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Irish Examiner - Irland
Der irische Energieminister Eamon Ryan möchte, dass auch in Irland in aller Offenheit über Atomkraft debattiert wird. Die Zeitung widerspricht: "Wir sollten mehr tun, als nur über Atomkraft zu reden. Wir müssen jetzt eine klare Entscheidung fällen, ob wir den Weg der Atomkraft beschreiten wollen, um die Energieversorgung der kommenden Jahrzehnte sicher zu stellen. Alles andere ist leichtfertig. Wir können uns jahrelange Ausflüchte und endlose Debatten nicht leisten. Wir sind in einer Übergangszeit der Energieformen. Es wäre vermessen zu glauben, dass wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit neue Methoden finden, die konventionellen Energieträger - inklusive Atomenergie - vollständig ersetzen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, was die Zukunft bringt, doch wir müssen für den schlimmsten Fall vorsorgen. Wenn das Atomkraft beinhaltet, dann ist es eben so. Die Zeit für Debatten ist längst vorbei." (11.01.2008)
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