Top-Thema vom Dienstag, 15. Januar 2008
Was tun mit jugendlichen Straftätern?
In Deutschland sorgt das Thema Jugendkriminalität derzeit für heftige Diskussionen - ein Thema, das viele europäische Länder beschäftigt. Sind härtere Strafen der richtige Weg oder brauchen Jugendliche mehr Unterstützung?
Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher meldet sich in der in Deutschland sehr polemisch geführten Debatte zu Wort und fordert, man müsse klar aussprechen, "dass die Mischung aus Jugendkriminalität und muslimischem Fundamentalismus potentiell das ist, was heute den tödlichen Ideologien des zwanzigsten Jahrhunderts am nächsten kommt". Schirrmacher argumentiert: "Deutsche werden neuerdings bei grundlosen Attacken auch als 'Schweinefresser' bezeichnet, was den Konflikt bereits in die Sphäre des Kriegs der Kulturen transportiert. Man kann solche Äußerungen schon deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil sie sich evolutionär in den Parallelwelten unserer Gesellschaft entwickeln. Die zweite und dritte Generation chancenlos gewordener Zuwanderer hat Teile Berlins nach den Worten der dortigen Bürgermeister unregierbar gemacht... Die von uns zu verantwortende Nicht-Integration der Zuwanderer tritt jetzt in die nächste Phase bei den Einheimischen: die Desintegration der Mehrheit durch punktuelles Totschlagen Einzelner." (15.01.2008)
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Der Standard - Österreich
Petra Stuiber fürchtet, dass in Österreich nach der Veröffentlichung der jüngsten Kriminalitätsstatistik eine ähnlich polemische Debatte über Jugendkriminalität losbrechen wird wie in Deutschland. "Auch an Schulen in Wiens nobleren Bezirken gibt es Probleme mit minderjährigen Handydieben und jugendlichen Messerträgern. Allerdings ist der Ruf nach Law and Order in solchen Fällen weit weniger laut als in jenen, wo Migranten- oder überhaupt 'Ausländer'-Kinder involviert sind. Da wird schnell einmal nach 'Abschiebung' noch vor Anklageerhebung gerufen – in Österreich wie in Deutschland. Dass marodierende Neonazis nicht minder gefährlich sind, wird gerne vergessen. Vielleicht täte in all der momentanen Aufgeregtheit ein Blick nach Spanien gut: Auch dort nimmt die Gewalt unter Jugendlichen zu... Doch statt nach schärferen Gesetzen zu rufen debattiert die Nation über bessere Resozialisierung." (15.01.2008)
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Népszabadság - Ungarn
Der ungarische Journalist Károly Lencsés meint, man dürfe nicht nur über Haft für kriminelle Jugendliche sprechen, sondern müsse bei Eltern und Schulen ansetzen: "Wenn ein Jugendlicher in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem er nicht ein Minimum an Respekt für grundsätzliche Normen gelernt hat, dann wird er sich kaum an die Zehn Gebote halten. Soll er deswegen wirklich eingesperrt werden? Natürlich müssen Straftäter ins Gefängnis, auch, wenn es sich um Jugendliche handelt. Falls die Gesetze geändert werden, kommen sogar Zwölfjährige hinter Gitter. Doch unserer Verantwortung können wir uns damit nicht entledigen. Jeder muss die Chance bekommen, ein anständiger Erwachsener zu werden. Diese Chance sollten wir den viertausend straffälligen Kindern in Ungarn geben." (15.01.2008)
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Pravda - Slowakei
Auch in der Slowakei wird über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern debattiert. Anlass dafür ist die physische Züchtigung eines 15-jährigen Insassen eines Erziehungsheimes durch einen Beamten. Márius Kopcsay kommentiert: "Das Vorgehen gegen den 15-Jährigen wird sicher ein gerichtliches Nachspiel haben. Auf der anderen Seite nimmt die Aggressivität der Jugendlichen und der ganzen Gesellschaft zu. Immer öfter wird ein Opfer nur deshalb attackiert, um physische Überlegenheit zu demonstrieren. Häufig endet das nicht mit Ohrfeigen, sondern bei Ärzten oder auf dem Friedhof... Wenn die Gewalt zur gesellschaftlichen Norm wird, muss die Politik das klar benennen und nach Lösungen suchen." (14.01.2008)
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