Top-Thema vom Dienstag, 22. Januar 2008
Besorgnis nach Börsencrash
Am 21. Januar haben die Börsen weltweit den schlimmsten Absturz seit dem 11. September 2001 erlebt. Die Weltwirtschaft leidet unter den Folgen der Hypothekenkrise in den USA. Droht Europa eine Rezession?
Le Temps - Schweiz
"Die Bilder vom Börsencrash des 21. Januar 2008 erinnern an Crashs vergangener Epochen, doch diesmal ist es anders", meint Myret Zaki. "Es handelt sich nicht um die Panik nach einem Terroranschlag, wie im September 2001. Und es war auch keine Folge von extremen Überbewertungen, die nach dem Platzen der Spekulationsblase im März 2000 kamen. Dieses Mal gab es einen krassen Aktiensturz, obwohl die Unternehmensbilanzen außerhalb des Finanz- und Immobiliensektors in Ordnung sind. Dieser Crash bedeutet eine Anpassung an die Realität, denn die Investoren sind sich bewusst, dass die Finanzmärkte durch die geschwächten Wertpapiere angeschlagen sind... Wenn die Investoren nach diesem 'Säuberunsprozess' an die Börse zurückkehren, muss man unbedingt grundsätzlicher darüber nachdenken, dass es eine Entsprechung zwischen dem Wert eines physischen Vermögens und dem ihm zugesprochenen Finanztitel geben muss." (22.01.2008)
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Libération - Frankreich
Der Wirtschaftswissenschaftler Michel Aglietta erklärt im Gespräch mit Christian Losson, dass Europa im Fall einer ernsthaften Krise am meisten betroffen wäre. "Irland, Großbritannien und Spanien haben eine Immobilienkrise, die viel mit der in den USA gemeinsam hat, auch wenn es sich um unterschiedliche Arten der Finanzierung dreht: Preisblase, Anleihen mit wechselnden Zinsraten, extreme Verschuldung. Der Immobiliensektor wird auseinander- beziehungsweise zusammenbrechen. Mit entsprechenden Konsequenzen für die Banken, die tief verstrickt sind. Deutschland steht wegen seiner Exporte zur Zeit gut da, aber es wird Federn lassen. Frankreich träumt von einem unglaublichen Wachstum von mehr als zwei Prozent - das bestenfalls bei 1,5 Prozent liegen dürfte. Europa wird dafür bezahlen, dass es so unentschlossen an der Globalisierung teilnimmt. Da es keine Haushalts- und Geldpolitik fahren kann wie die USA, braucht es vermutlich länger, um neu zu starten." (22.01.2008)
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Der Standard - Österreich
Eric Frey versucht, den Crash an den Börsen zu erklären und schreibt: "Das stärkste Gift für Börsen ist die Unsicherheit. Der massive Kursverfall der Aktienmärkte in Asien und Europa am Montag - die Wall Street genoss feiertagsbedingt eine Atempause - wurde nicht durch neue Erkenntnisse über den Zustand der Weltwirtschaft und der Banken ausgelöst, sondern durch das Gegenteil: Niemand weiß, was sich in der globalen Ökonomie eigentlich abspielt... Eine Rezession in den USA würde die asiatischen Staaten sicher treffen und schließlich wohl auch die EU. Die oft geäußerte Hoffnung, zuletzt vom französischen Notenbankchef Christian Noyer, Europas Wirtschaft werde sich von einem Abschwung in Nordamerika abkoppeln und dennoch weiter wachsen, hat sich bisher immer als illusorisch erwiesen. Auch diesmal dürfte es nicht anders sein." (22.01.2008)
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La Libre Belgique - Belgien
Ariane van Caloen findet die Krise beunruhigend. "Sie zeigt, dass die Banken ihre eigenen Bilanzen nicht immer kennen. Ihr Umgang mit den oft zu positiven Einschätzungen der Rating-Agenturen von Schuldnern oder anderen Finanzprodukten zeugt von Gutgläubigkeit. Lang ist es her, dass ein Banker seinen endgültigen Kreditnehmer wirklich kannte. Heutzutage wird Liquidität durch eine Menge undurchsichtiger Finanzvehikel, die sich jeder Kontrolle zu entziehen scheinen, gesichert. Wie sonst ist es möglich, dass zahlreiche Finanzinstitutionen, immer auf der Suche nach der höchstmöglichen Rendite, so hohe Risiken eingehen, ohne dass jemand Alarm geschlagen hätte? Bei den zuständigen Kontrollinstanzen stellt man sich diese Frage mit Sicherheit, ohne jedoch eine Antwort zu haben." (22.01.2008)
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