Top-Thema vom Montag, 4. Februar 2008
Die schwierige Eufor-Mission im Tschad
Die EU hat die Entsendung österreichischer und irischer Truppen im Rahmen der Eufor-Mission im Tschad und in Zentralafrika zurückgestellt, weil sich die Kämpfe zwischen der tschadischen Regierung und aufständischen Rebellen verschärft haben. 14 EU-Länder wollen sich an der Mission zum Schutz von Zivilisten beteiligen, über die bereits seit Monaten heftig diskutiert wird.
Die Presse - Österreich
"Unglücklicher hätte die EU-Mission im Tschad kaum starten können. Es reihte sich Fehler an Fehler: von der unzutreffenden Beurteilung der Lage über die Streitereien um die Bereitstellung von Hubschraubern und die Verzögerung des Einsatzes bis hin zu den offensichtlichen Defiziten in der Kommunikationsstruktur des französisch geprägten Unternehmens", meint Christian Ultsch. "Ein noch größerer Fehler wäre es aber, den Einsatz im Tschad panisch und kopflos abzubrechen. Denn dann hätte die Europäische Union ihre sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit nicht nur in Afrika mit einem Schlag verspielt... Die Flüchtlinge haben nun Schutz nötiger denn je. Sich einfach aus dem Staub zu machen und aus der Ferne zuzusehen, wie die Flüchtlinge von sudanesischen Janjaweed-Milizen massakriert werden, kann keine Option sein." (04.02.2008)
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taz - Deutschland
Niemand werde die Eufor-Truppe vermissen, die nun wegen des Krieges vorerst nicht in der Krisenregion eingesetzt werden wird, findet Dominic Johnson. "Schmerzlich vermisst, vor allem von zivilgesellschaftlichen Kräften des Landes, wird aber mehr europäisches Engagement zur Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Erst vergangenes Jahr vereinbarte die Regierung auf EU-Druck Schritte zu freien Wahlen unter Einbeziehung der Opposition in die Vorbereitung. Statt diese voranzutreiben, konzentrierte sich die Europäische Union dann allein auf ihre von Frankreich gewollte Eingreiftruppe. Wenn schon dem Ausland nur militärische Mittel zum Umgang mit dem Tschad einfallen - wer soll dann im Land auf Frieden setzen?" (04.02.2008)
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24 heures - Schweiz
Bernard Bridel glaubt, dass Nicolas Sakorzy beim Thema Tschad die Hände gebunden sind. "Seit dem Skandal um L'Arche de Zoé, wo er sich besonders dafür eingesetzt hatte, dass seine sechs wegen Kindesentführung in N'Djamena verurteilten Landsleute nach Frankreich überführt werden konnten, ist der 'Hyperpräsident' [dem Präsidenten des Tschad] Idriss Déby noch etwas schuldig... Für Sarkozy ist es offensichtlich schwierig auszuloten, wie lange er seinen Freund im Tschad noch unterstützen kann. Die Frage ist rein rhetorischer Natur und geht über die französisch-tschadischen Beziehungen hinaus. Denn die Offensive der – vom Sudan unterstützen – Rebellen zögert die Bereitstellung der europäischen Einsatztruppe hinaus, die die Flüchtlingscamps von Darfur im Osten des Tschad sichern sollten. Die Lage im Tschad ist höchst kompliziert und so riskant wie der Treibsand in dieser riesigen Region, in dem Frankreich schon so oft stecken geblieben ist." (04.02.2008)
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Le Soir - Belgien
Colette Braeckmann erklärt, warum den Europäern die Entsendung der Eufor-Truppe so wichtig war: "Um die Flüchtlinge in Darfur zu schützen, um den Sudan und seine Ölvorkommen von Nahem zu überwachen, aber auch um ihre Handlungsfähigkeit in Afrika unter Beweis zu stellen... Lange Zeit haben die afrikanischen Staaten, die sich beim Schutz der Zivilisten in Darfur engagiert haben, zwischen den Zeilen die mangelnde Unterstützung der Europäer kritisiert. Diese versprachen der Afrikanischen Union finanzielle und logistische Hilfe. Ihre Unfähigkeit hat nun zu einer Internationalisierung des Konflikts geführt. Es war nicht schwierig für die Machthaber in Khartum, den Europäern ein Hindernis in den Weg zu stellen: Das Regime Débys, das die Eufor gegen ihren Willen gestärkt hätte, war durch 18 Jahre schlechter Führung ausgehöhlt." (04.02.2008)
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