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Top-Thema vom Freitag, 14. März 2008


Politische Spannungen auf der französischen Buchmesse


Die Eröffnung des Salon du livre de Paris am heutigen Freitag war im Vorfeld von heftigen Diskussionen geprägt. Viele arabische Staaten hatten zu einem Boykott aufgerufen, weil Israel Gastland ist.


Die Welt - Deutschland

Arabische Verlage, Verleger und Schriftsteller verstoßen mit dem Boykott gegen ihre "ureigenen Interessen", notiert der deutsche Literaturkritiker Tilman Krause. "Wenn es irgendwo in Europa ein kontinuierliches Interesse an arabischer Literatur im Allgemeinen und der nordafrikanischen im Besonderen gibt, so natürlich in Frankreich. Ausgerechnet hier sich den offiziellen Auftritt zu versagen und sich stattdessen in Hasstiraden auf den einzigen stabilen demokratischen Staat des Nahen Ostens zu ergehen, der noch dazu über eine der lebendigsten literarischen Landschaften der Gegenwart verfügt, ist, mit Talleyrand zu sprechen, mehr als ein Verbrechen; es ist ein Fehler." (13.03.2008)


Le Temps - Schweiz

"In Zeiten der Gewalt gibt es keinen Raum, der nicht von der Politik besetzt wird - von ihren Prioritäten, ihrer Moral und ihren Forderungen. Handlungen und Gesten sind überdeterminiert, niemand entgeht der gnadenlosen Logik der politischen Interpretation", meint Joëlle Kuntz. "Der Pariser Salon du livre wiederholt im Kleinen - und als Farce – jene Situation, unter der die Menschen im Nahen Ostens täglich leiden. Es geht nicht um Fragen der Kunst, der Literatur, des Nachdenkens, sondern um 'Positionen', 'Legitimität' und 'Rechtfertigungen'. Schriftsteller sind dort keine Künstler, sondern 'Gegner' oder 'Kollaborateure'... Der Boykott ist die politische Waffe der Schwachen, die von der Politik vernichtet werden, und ihre Hoffnungen deshalb auf die Radikalität der Verweigerung setzen. Sie haben den Glauben an eine friedliche Lösung verloren und suchen gar nicht mehr danach." (14.03.2008)


Politis - Frankreich

Christophe Kantcheff kritisiert die Auswahl der eingeladenen israelischen Schriftsteller. "Das Auswahlkriterium war, dass die Autoren auf hebräisch schreiben, was die Vielfalt der israelischen Literatur ignoriert, vor allem, wenn man überlegt, dass arabisch die zweite offizielle Sprache des Landes ist... Was ist also so erstaunlich daran, dass die Mehrzahl der arabischen Staaten (Libanon, Saudi-Arabien, Jemen, Marokko, Algerien, Tunesien) genau wie der Iran und der Verband der palästinensischen Schriftsteller zum Boykott aufrufen? Allerdings fahren bestimmte arabische Schriftsteller auf eigene Faust auf die Buchmesse... Dabei sein? Nicht dabei sein? Die Debatte spaltet die israelischen Schriftsteller und Intellektuellen... Die Teilnehmenden meinen, es bewirke mehr, wenn sie auf der Messe das Wort ergreifen statt außerhalb. Hier verläuft die wirkliche Trennlinie zwischen den Boykotteuren des Salon du livre und denen, die mit einer kritischen Haltung daran teilnehmen. Zwischen Prinzipienfragen und taktischen Sorgen sind die Argumente beider Seiten nachvollziehbar. Und letztlich ist es auch eine Gewissensfrage jedes einzelnen." (13.03.2008)


La Repubblica - Italien

Bernardo Valli kritisiert den Boykott des Pariser Salon du livre. Er hofft, dass es keine Vorfälle gibt und die Veranstaltung beispielhaft für die Buchmesse in Turin im Mai abläuft, bei der Israel ebenfalls Gastland ist. "Ein kulturelles Treffen wie den Salon du livre zu boykottieren, ist eine Dummheit. Mehr noch, es ist eine absolut blödsinnige Aktion. Es gleicht einem Zensurversuch. Noch schwerwiegender ist allerdings, dass der Boykott die gewaltsamen Spaltungen infolge des israelisch-palästinensischen Konflikts noch weiter vertiefen könnte. In diesem Fall sollten kulturelle Aktivitäten eine abschreckende Wirkung entfalten, damit wieder Vernunft in den Dialog zwischen den beiden Parteien einzieht, die sich voller Hass gegenüber stehen... Den Boykott zu verurteilen, bedeutet nicht, dass man auf Kritik an der Art, wie diese Veranstaltung geplant und umgesetzt wurde, verzichtet. Die damit beauftragten Diplomaten haben nicht gerade eine große Sensibilität an den Tag gelegt." (13.03.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 14. März 2008

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