Top-Thema vom Dienstag, 20. Mai 2008
Weg frei für Mensch-Tier-Embryonen
Nach einer heftig geführten Diskussion hat das britische Unterhaus den Weg für die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen frei gemacht. Eine neue "Frankenstein-Wissenschaft" oder Durchbruch für die Stammzellenforschung? Europas Presse diskutiert.
La Stampa - Italien
"Wir sind weit davon entfernt, mythologische Kreaturen wie den Minotaurus, die Sphinx oder die Chimäre zu gebären. Die Forschung bleibt auf dem Gebiet des Zytoplasmas und plant keine Vermischung von menschlicher und tierischer DNS in der Stammzelle. Dennoch wurden Stimmen laut, die fürchten, die Wissenschaftler könnten die Kontrolle über ihre hybriden Wesen verlieren, wie es Doktor Frankenstein geschehen ist. In Wahrheit ist die gestrige Zustimmung von Westminster eine wichtige Öffnung einer Grenze der Wissenschaft, die den Mangel an menschlichen Embryonen für die Forschung und die mit ihrer Verwendung verbundenen ethischen Probleme abschwächt. ... Die Zahl der nötigen Eizellen für eine Reihe von Experimenten ist extrem hoch und die einzige Alternative zur Schaffung von hybriden Zellen war, Frauen einer gigantischen Hormonkur zu unterziehen, um Tausende von Eizellen zu produzieren." (20.05.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Vittorio Sabadin
Cicero - Deutschland
"Die Spaßverderber von der katholischen Kirche haben sich schon zu Wort gemeldet und zu bedenken gegeben, dass das Rumexperimentieren am menschlichen Erbgut und an Embryonen gegen die Menschenwürde und die biblische Lehre vom Menschen verstößt. Für die Forscher mögen diese Rufe aus einer alten Welt sein. Für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften sind sie indessen ein Menetekel: Wie halten wir es mit der Menschenwürde? Die Suche nach Therapiemöglichkeiten für die Heilung von Krankheiten sind ein abstraktes Ziel. Diesem steht im konkreten Fall der Verbrauch und Verschleiß von belebten und zu vollem Leben entfaltbaren Embryonen gegenüber und das Herabsetzen des menschlichen Lebens, kulminiert in seinem Erbgut, zu einer Versuchsmasse im Reagenzglas. ... Diese Chimäre steht für die Hybris des forschenden Menschen, der in seinem Forscherdrang so sein will wie Gott. Hier gibt es Entsprechungen in der Tradition, die von Adam bis zu Dr. Frankenstein reichen. An der Nichteinlösbarkeit des Versprechens, das sich der hybrische Mensch selbst gegeben hat, geht er in der Regel zugrunde - Adam fliegt aus dem Paradies und Dr. Frankenstein kommt im ewigen Eis zu Tode. Die Vergottung des Menschen durch sich selbst ist ihm, dem Menschen, noch selten gut bekommen. Der Mensch an sich ist eben nur ein Mensch und kein Gott." (20.05.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Alexander Görlach
The Sun - Großbritannien
Unter der Überschrift "Richtige Entscheidung" beschäftigt sich die Boulevardzeitung The Sun mit der Entscheidung des Unterhauses, neue Wege in der Stammzellenforschung zu beschreiten. "Gordon Brown und [der Parteichef der Konservativen] David Cameron haben ihre Meinungsverschiedenheiten, aber sie stimmen zu Recht überein in ihrer Unterstützung für Embryo-Forschung. Beide haben Kinder mit Krankheiten, die eines Tages durch Stammzellenforschung geheilt oder verhindert werden können. ... Die Wissenschaft schreitet in einem Tempo voran, das wir vorher nie gesehen haben. Es ist entscheidend, dass ihre Entwicklung streng reguliert wird, um Missbrauch zu verhindern. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass diese Art von Wissenschaft möglicherweise den Schlüssel zu überwältigenden Verbesserungen unserer Lebensqualität bietet. In den kommenden Jahren werden wir einen Durchbruch sehen, der uns alle begünstigt. Das ist Fortschritt. Wir müssen seinen Vormarsch kontrollieren aber uns in Acht nehmen, nicht in seinem Weg zu stehen." (20.05.2008)
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