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Top-Thema vom Freitag, 4. Juli 2008


Betancourt in Freiheit: Misserfolg für Sarkozy?


Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt ist frei. Die Politikerin, die auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde sechs Jahre von der Guerillaorganisation FARC gefangen gehalten. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich für eine diplomatische Lösung stark gemacht, die Befreiung gelang jedoch durch eine Militäraktion. Ein außenpolitischer Misserfolg für Sarkozy?


La Repubblica - Italien

Die Tageszeitung La Repubblica sieht in der Befreiung Betancourts einen politischen Triumph Kolumbiens gegenüber der französischen Verhandlungstaktik. "[Der kolumbianische Präsident] Álvaro Uribe hat seine Diplomatie dosiert, er hat die amerikanischen Alliierten, die seit fünf Jahren das kolumbianische Heer unterstützen, auf dem Laufenden gehalten und den Franzosen gegenüber geschwiegen, die zu sehr auf die Notwendigkeit von Verhandlungen und die Vermittlung von Hugo Chavez, kein Freund Uribes, gepocht haben. ... Der Schachzug ist nicht nur ein militärischer Erfolg und Beweis, das die FARC unterwandert werden kann, sondern ein politischer Triumph. Sarkozy hat das eingestanden. Er hat auf eine Reise nach Bogotá verzichtet und begnügt sich damit, Ingrid Betancourt heute in Paris zu empfangen. Die Freude trübt ein klein wenig das Bedauern, in der Aktion eine Nebenrolle gespielt zu haben." (04.07.2008)


Die Presse - Österreich

Die Presse bezeichnet die Befreiung von Ingrid Betancourt als klares Zeichen für die Unwirksamkeit von Verhandlungen: "Es ist einer dieser Gemeinplätze, die viele, die sich für besonders gute Menschen halten, unhinterfragt wie Horoskopsprüche auf Zuckersäckchen hinnehmen: Für Konflikte gebe es keine militärischen Lösungen. ... Jetzt kam der FARC in einer spektakulären Aktion auch noch der Edelstein ihrer zynischen Geiselkollektion abhanden: Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. ... Krieg sollte nie Selbstzweck sein, sondern immer ein Ziel haben. Das ist es, was schon der alte Clausewitz als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln verstand. Wer militärische Optionen von vornherein ausschließt, mag sich zwar besser fühlen, doch er macht den Gegner damit womöglich so stark, dass er gar nicht verhandeln will." (04.07.2008)


De Volkskrant - Niederlande

Nach der Befreiung der kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin Betancourt plädiert die überregionale Tageszeitung De Volkskrant für den Einsatz von Diplomatie im weiteren Umgang mit der FARC: "Die spektakuläre Operation scheint denen Recht zu geben, die Verhandlungen mit Terroristen kategorisch ablehnen. Das wäre eine voreilige Schlussfolgerung. Es gibt genügend Beispiele von jämmerlich fehlgeschlagenen Befreiungsoperationen, die dafür plädieren, in solchen Fällen alle Optionen offen zu halten. ... Auch wenn die FARC nun sehr geschwächt ist, eine Guerrillabewegung ist militärisch nur schwer zu besiegen. Politische Mittel, um den aussichtslosen Kampf zu verkürzen, und auch die restlichen Geiseln noch freizubekommen, dürfen daher nicht ignoriert werden." (04.07.2008)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Für die Süddeutsche Zeitung ist die Befreiung Betancourts ein Sieg des kolumbianischen Präsidenten Uribe über die europäischen Vermittler. "Kaum einer in Kolumbien dürfte bezweifeln, dass Uribes Umfragewerte künftig alle Rekorde brechen werden. ... Die frühere Präsidentschaftskandidatin eines grün-bunten Bündnisses und den konservativ-neoliberalen Präsidenten eint politisch fast nichts - außer der Überzeugung: Geiselnahme darf sich nicht lohnen. ... Europäische Vermittler wie Nicolas Sarkozy, der sogar die Aufnahme von freigelassenen Rebellen anbot, haben das nie verstanden. Sie waren zum Scheitern verurteilt, weil sie die Gesetze des Dschungels nicht kennen." (04.07.2008)


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