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Top-Thema vom Freitag, 12. September 2008


Die Welt nach dem 11. September


Gestern wurde in den Vereinigten Staaten der siebte Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 begangen. Die europäische Presse beschäftigt sich aus diesem Anlass mit den Auswirkungen des Attentats auf die USA und den Rest der Welt.


Sme - Slowakei

"Die Welt hat sich nicht zum Besseren gewandelt", schreibt die liberale Tageszeitung Sme in einer Analyse zum gestrigen Jahrestag des Terrorangriffs in New York. "Aus der Periode eines - wenigstens übersichtlichen - Kalten Krieges sind wir in eine Periode eingetreten, die einem Dschungel voller giftiger Schlangen gleicht. Man weiß nicht, woher der nächste Angriff kommt. ... Wir haben es mit einem Konflikt der Zivilisationen zu tun, wenn auch nicht im Sinne von [dem Politikwissenschaftler Samuel] Huntington. Es geht nicht um einen Konflikt zwischen den Religionen, nicht zwischen Christentum und Islam. Es geht vielmehr um einen Konflikt zwischen der Zivilisation und den Feinden der Zivilisation, zwischen Freiheit und Totalitarismus. Wir im Westen, die auf die Freiheit setzen, müssen damit leben lernen. Wir müssen uns damit anfreunden, immer gewappnet zu bleiben." (12.09.2008)


To Ethnos - Griechenland

Unter der Reaktion der US-Regierung auf die Anschläge des 11. Septembers musste die gesamte Welt leiden, kommentiert die Tageszeitung To Ethnos: "Die Amerikaner trauern um die rund 3.000 Toten. ... Gleichzeitig trauern Millionen Menschen ... um ihre politischen und individuellen Freiheiten, die Opfer der Regierungspolitik von Bush geworden sind. ... Die beeindruckende ... Bereitschaft, die die Regierung Bushs zeigte, die Anschläge vom 11. September auszunutzen, um in den USA und in der übrigen Welt ein totalitäres Regime der Überwachungsgesellschaft einzusetzen, führen zu den ... Vermutungen hinsichtlich der wahren Natur der dramatischen Ereignisse. ... Das Schlechte daran ist, dass die Bereitschaft, die die anderen Regierungen gezeigt haben, den USA zu folgen, bei der Einschränkung der politischen und individuellen Freiheiten ihrer Bürger keine Hoffnungen dafür lässt, dass sich dieser totalitäre Staat der neuen Ära ... ändern könnte." (11.09.2008)


Corriere della Sera - Italien

Die Tageszeitung Corriere della Sera beschreibt die Veränderung der US-amerikanischen Außenpolitik anlässlich der Gedenkfeier an Ground Zero, den Überresten des World Trade Centers in New York. "Es ist der nach wie vor das verletzte Herz Amerikas, aber sieben Jahre nach dem Terroranschlag findet der Gedenktag in den Medien nur Platz, weil er [die Präsidentschaftskandidaten] Obama und McCain vereint. Das gigantische Loch ist immer weniger ein Tempel der Erinnerung und wird immer mehr zum symbolischen Ort eines Landes, das seine Probleme nicht mehr lösen kann. ... Es ist das Indiz der Umkehrung der amerikanischen Agenda: ... Die Außenpolitik hat in beiden Lagern - Obama und McCain - noch ein bedeutendes Gewicht, aber der Krieg gegen den Terrorismus ohne Staat ist zweitrangig geworden, die Angst vor der Atombedrohung hat nicht mehr die verschwommenen Gesichtszüge von Bin Laden, sondern das markante Profil des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Der Schauplatz hat gewechselt: keine einpolige Welt mehr, in der sich das amerikanische Reich von Gruppen, die sich im Schatten verbergen, bedroht sieht, sondern eine Mehrpoligkeit mit vielen Krisenherden." (12.09.2008)


Hírszerző - Ungarn

Der Journalist Miklós Tallián reflektiert in der Internetzeitung Hírszerző über den Westen, dessen Werte und freiheitliche Grundlagen, die am 11. September 2001 angegriffen worden seien: "Der 11. September ist damals wie heute eine persönliche Angelegenheit, egal wie fern dieses Datum in Raum und Zeit erscheint. ... Es ist eine persönliche Angelegenheit, weil ich an all das glaube, was am 11. September angegriffen und zerstört wurde. Meine Heimat ist jene westliche Zivilisation, die auf dem Fundament von Freiheitlichkeit, Humanismus und rationaler Aufgeklärtheit steht. In der ich das Recht und die Möglichkeit habe, mein Glück selbst zu suchen, ebenso wie die anderen. Dies genügt, der Rest liegt schon an mir. ... Die größte Tugend des freiheitlich konstituierten Westens ist, dass er gar nicht mehr verspricht. Er wirbt für sich nicht damit, dass er die beste aller theoretisch möglichen Welten ist. Er belügt uns nicht damit, dass es allen immer gut gehen wird, und behauptet auch nicht, dass es nur Gewinner gibt. ... Nein, er bietet uns lediglich die Grundlagen, um ein gutes Leben zu führen." (12.09.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 12. September 2008

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