Top-Thema vom Dienstag, 30. September 2008
Noch zu retten?
Nach dem Bankencrash in den USA hat die Finanzkrise endgültig Europa erreicht. In mehreren europäischen Staaten wurden milliardenschwere Finanzhilfen beschlossen, um vom Konkurs bedrohte Banken vor der Insolvenz zu retten. Europas Presse diskutiert über mögliche Wege aus der Krise.
Les Echos - Frankreich
Die Tageszeitung Les Echos hebt die Bedeutung der Europäischen Zentralbank bei der Bankenkrise hervor. "Eine Sache ist klar: Eine abgestimmte Antwort muss sein. Und was hat man am letzten Wochenende beobachtet? Maßnahmen, die in verstreuter Ordnung ergriffen wurden. Jedes Land bemüht sich, die von seinen nationalen Banken betroffenen Probleme selbst zu verwalten. Das Problem ist, dass in allernächster Zukunft keine konkrete Gemeinschaftsinitiative zu erwarten ist. ... Als ob die europäischen Führer den [internationalen] Märkten nicht folgen würden. ... In der Zwischenzeit ist die in Verruf gebrachte Europäische Zentralbank (EZB) die einzige kontinentale Institution, die eine transnationale Antwort bringen kann. ... Sie ist unverzichtbar geworden. Ohne die aktive Unterstützung der EZB würden die meisten ihren Beruf nicht mehr ausüben können." (30.09.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » François Vidal
La Repubblica - Italien
Die italienische Tageszeitung La Repubblica betont die Unfähigkeit Europas, angemessen auf die Bankenkrise zu reagieren. "Der Wirbel der Bankcrashs hat Europa getroffen. ... Europa entdeckt, dass es Schlimmeres als die Krise in Amerika gibt: selbst Bankinstitute zu haben, die zu groß sind, um sie zu retten, und die über die Maße der [Banken der] alten Staatsnationen hinausgewachsen sind. Es ist erschreckend, mit welch offensichtlicher Unzulänglichkeit Europa hinsichtlich politischer und institutioneller Mittel da steht. Die Union wäre nicht einmal in der Lage einen Plan Paulson [Rettungspaket für US-Banken] aufzustellen. Während ihre Banken längst Akteure globaler Dimensionen sind, gibt es in der EU nicht eine einzige verbindliche Autorität der Finanzmärkte. Die Europäische Zentralbank hat lange nicht die gleiche Macht wie das Federal Reserve System Amerikas." (30.09.2008)
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Cinco Días - Spanien
Die Wirtschaftszeitung Cinco Días fordert angesichts der Bankenkrise ein europäisches Finanzministerium: "Die Europäische Zentralbank und die europäischen Regierungen müssen ihre Instrumente koordinieren, um für eine Krise wie die aktuelle, deren Folgen wir bislang noch nicht kennen, gerüstet zu sein. Bislang waren die Strenge der Aufsicht, die Anforderungen an die Kapitalmenge und die Bereitstellung von Geld bei unbezahlten Krediten von Land zu Land unterschiedlich. Aber die Umstände zwingen präventiv zu einheitlichen Kriterien. Sicherlich wäre es gut, die strengste Regelung zu übernehmen, in diesem Fall die spanische. Und sollten alle Dämme brechen, braucht Europa nicht nur eine gemeinsame Zentralbank, sondern auch ein gemeinsames Finanzministerium, das über einen Haushalt verfügt, der ausreicht, um das System vor einem Zusammenbruch zu bewahren." (30.09.2008)
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Berlingske - Dänemark
Die Tageszeitung Berlingske Tidende warnt davor, die Gesetze des freien Marktes außer Kraft zu setzen. "Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine klare Aussage getroffen: Europa kann mit dem jetzigen System einer Krise wie der in den USA nicht auf gleiche Weise begegnen. Der IWF empfiehlt mehr Regulierung und mehr Kontrolle der Banken, was in der gegenwärtigen Situation verlockend sein kann. Allerdings sollten wir auch zusehen, rasch die Mechanismen des freien Marktes wieder herzustellen. Ansonsten enden wir in der gleichen Krise wie in den 1930er Jahren [Weltwirtschaftskrise], als man die Schraube so stark anzog, dass die Wirtschaft nicht vor den 1950er Jahren wieder auf die Beine kam. Hoffentlich haben wir aus der Geschichte so viel gelernt, dass sich dieser Teil nicht wiederholen wird." (30.09.2008)
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