Top-Thema vom Donnerstag, 9. Oktober 2008
Notenbanken senken Leitzins
In der andauernden Finanzkrise haben die führenden Notenbanken der Welt am Mittwoch gemeinsam ihren Leitzins gesenkt. Mit der ersten koordinierten Aktion seit dem 11. September 2001 wollen sie eine Panik an den Börsen und eine globale Rezession abwenden. Die europäischen Medien begrüßen die Entscheidung grundsätzlich. Eine Wunderwaffe sei die Zinssenkung aber nicht.
Cinco Días - Spanien
Die Wirtschaftszeitung Cinco Días lobt die konzertierte Aktion der Leitzinssenkung als einen guten Schritt. Kurzfristig seien aber keine Wunder zu erwarten: "Eine außergewöhnliche Aktion wie die gestern von Entscheidungsträgern in der ganzen Welt getroffene ist ein mutiges Signal, das auf die Ausmaße des Problems hinweist. Allerdings wäre es illusorisch zu glauben, dass die Leitzinssenkung - wenn auch noch so spektakulär in Szene gesetzt - sofortige Abhilfe schaffen könnte. Es braucht Zeit, bis die Maßnahmen, die in den vergangenen Wochen getroffen wurden ... sich setzen und beginnen, Wirkung zu zeigen ... In jedem Fall müssen die internationalen Entscheidungsträger, sei es durch die G-8 oder durch den Internationalen Währungsfonds (IMF), sich an die Arbeit machen, eine radikale Reform der weltweiten Finanzarchitektur durchzuführen, die in der Zukunft derlei Situationen des Zusammenbruchs und der Lähmung der Wirtschaft verhindern." (09.10.2008)
» zum ganzen Artikel (externer Link, spanisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Finanzpolitik, » Finanzmärkte, » Europa, » Nordamerika, » USA
The Irish Times - Irland
Die Tageszeitung The Irish Times kommentiert die gemeinsame Aktion der Zentralbanken: "Die Zentralbanken haben in ihrem gemeinsamen Statement erkannt, dass die Rezession die Inflation als größte Gefahr abgelöst hat, weil die globale Wirtschaftsaktivität schwächelt. ... Und der neuerliche Niedergang der Energie- und Rohstoffpreise hat den inflationären Druck stark verringert. Demgemäß sind niedrigere Zinsraten die richtige Antwort, weil sich die ökonomischen Bedingungen verschlechtern ... Die koordinierte Zinssenkung präsentiert einen Versuch, das Marktvertrauen in einer Zeit des finanziellen Tumults zu stärken. ... Hoffentlich bedeutet die gestrige koordinierte Antwort von den Zentralbanken der Welt, dass sie das Ausmaß der Herausforderung begreifen, der sie begegnen. Eine globale Finanzkrise verlangt eine globale Antwort und könnte weitere koordinierte Zinssenkungen verlangen, um eine Katastrophe im Stil der 30er Jahre abzuwenden." (09.10.2008)
» zum ganzen Artikel (externer Link, englisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Finanzmärkte, » Global
Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland
Die EZB hat sich in der Finanzkrise bisher besser geschlagen als die US-Notenbank Fed, meint die konservative Frankfurter Allgemeine. Die Leitzinssenkung lasse sich auf zwei Arten lesen: "Sie könnte der Beginn einer Inflationierungspolitik sein. Der Staat würde sich in einem solchen Szenario hoffnungslos verschulden, um die Rettung des Finanzsektors zu bezahlen. Durch die Teuerung würden diese Schulden schleichend oder in hohem Tempo entwertet. Andererseits sind die wirtschaftlichen Aussichten inzwischen aber so schlecht, dass die Teuerung auf absehbare Zeit das geringste Problem sein könnte. ... Die Europäische Zentralbank hat sich in der Finanzkrise bislang souveräner und weniger hektisch gezeigt als die Amerikaner. Die Beteiligung an der gemeinschaftlichen Zinssenkung dürfte in der EZB keine Begeisterung ausgelöst haben, aber immerhin gibt es, abgesehen von der Notlage auf den Kreditmärkten, andere gute Gründe dafür, dass man sich einen solchen Schritt leisten kann." (09.10.2008)
» weiterführende Informationen (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Finanzpolitik, » Europa
La Repubblica - Italien
Die links-liberale Tageszeitung La Repubblica sieht die Leitzinssenkung als einen wenig wirksamen Akt der Verzweiflung. Wegen der bevorstehenden Rezession sei die erhoffte positive Reaktion der Börsen ausgeblieben. "Nach den fieberhaften Beratungen haben sich die Regierenden zu einem Schritt entschieden, den es seit September 2001 nicht mehr gegeben hat, als die Welt entgeistert den Anschlag auf die Twin Towers verfolgte. Ein Akt der Verzweiflung, der kein Gehör findet. ... Es scheint klar zu werden, dass die Maßnahmen der Banken nicht genügen, um gleichzeitig gegen die Finanzkrise und die Rezession anzugehen. Für die Männer des Internationalen Währungsfonds scheint die Stunde gekommen, die Geldmanöver mit Injektionen öffentlicher Fonds in die Realwirtschaft zu flankieren. Das nächste Dossier auf dem Tisch der westlichen Regierungen könnte ein Paket mit Anreizen zur Ankurbelung der Wirtschaft enthalten." (09.10.2008)
» zum ganzen Artikel (externer Link, italienisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Finanzmärkte, » Europa, » Global
Alle verfügbaren Texte von » Maurizio Ricci
» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 9. Oktober 2008