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Top-Thema vom Mittwoch, 5. November 2008


Wandel in den USA


Der Demokrat Barack Obama hat die US-Wahlen gewonnen und wird als erster schwarzer Präsident ins Weiße Haus einziehen. Die europäische Presse begrüßt den Wandel in den Vereinigten Staaten.


NRC Handelsblad - Niederlande

Obama sei das Symbol "für ein multikulturelles Ideal, das seit den 1990er Jahren weltweit auf dem Rückzug zu sein schien", meint das überregionale NRC Handelsblad. "Doch seine Ambition, das Land wieder zu vereinigen, steht im Gegensatz zu dem progressiven Programm, das seine Partei und progressive Lobbygruppen von ihm erwarten. ... Die Haltbarkeit der multikulturellen Koalition wird schneller auf die Probe gestellt werden, als es gestern an dem historischen Wahltag der Fall schien." (05.11.2008)


El País - Spanien

Die spanische Tageszeitung El País schreibt: "Es ist schwierig die Bedeutung der Tatsache zu überschätzen, dass die USA erstmals in ihrer Geschichte einen schwarzen Präsidenten gewählt haben. Es hat ebenso viel Überraschendes wie Revolutionäres. Dieses Wort ist wohl keine Übertreibung, wenn man bedenkt, dass die Schwarzen in dem Land der Möglichkeiten vor einem halben Jahrhundert in einigen Staaten noch den Platz im Autobus räumen mussten, während ihnen in anderen Staaten das Heer den Zugang zur Schule sicherte." (05.11.2008)


Handelsblatt - Deutschland

Das Handelsblatt zeigt Respekt vor der Wahlentscheidung der Vereinigten Staaten. "Es ist eine Fähigkeit, um die die Welt das Land beneidet: Es kann sich immer wieder selbst erneuern. ... Wo andere Völker angesichts von Krisen und Kriegen auf die sichere Karte setzen, wo sie das Risiko scheuen, unternimmt Amerika das Gegenteil. Es baut auf einen Mann, der Hoffnung und Wandel verkörpert – mit allen Chancen und auch Unsicherheiten, die dies birgt. Es wählt nicht nur zum ersten Mal einen Afro-Amerikaner zum Präsidenten. Die Bürger der USA entscheiden sich für [einen] klaren Schnitt, für den Neuanfang." (05.11.2008)


Les Echos - Frankreich

Die Wirtschaftszeitung Les Echos meint, Wandel sei für die USA zentral: "Amerika hat seinen neuen Präsidenten gewählt, aber der Rest der Welt wird mit einem neuen Amerika rechnen müssen. ... In der Wahl dieser Nacht hat sich eine Sehnsucht nach Wandel gezeigt. ... [Der neue Präsident] soll mehr überzeugen und verführen als sich durchsetzen. Kurz gesagt, er soll uns ein liebenswürdiges Amerika wieder geben." (05.11.2008)


De Morgen - Belgien

Mit der Wahl eines Schwarzen wird auch Martin Luther Kings Traum zum Teil wahr, schreibt die Tageszeitung De Morgen: "Das Versprechen des Traumes, das irgendwann einmal die Spaltung und der Rassismus überwunden sein werden, dass Veränderung und Verbesserung möglich sind, dass langsam aber sicher eine gerechtere und ethische Welt möglich ist. Die Wahl Obamas zaubert die Kluft zwischen den Hautfarben nicht weg, aber sie ist doch ein unglaublich starkes Signal, dass Amerika für jeden Einzelnen noch immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bleibt." (05.11.2008)


Ta Nea - Griechenland

"Der Sieg Obamas hat unser Bild von Amerika verändert," schreibt die Tageszeitung Ta Nea. "Das Unmögliche ist passiert. ... Die Methode Obamas hat unser Bild von der Politik verändert. Und dies wird wesentlich die Art und Weise beeinflussen, wie zukünftig in jedem demokratischen Land um die politische Macht gekämpft wird." (05.11.2008)


Corriere del Ticino - Schweiz

Für die Tageszeitung Corriere del Ticino bedeutet Obamas Wahl Hoffnung: "Amerika ist mitten in der Finanzkrise ... an die Urnen getreten. Derweil haben die militärischen und politischen Schwierigkeiten im Irak und in Afghanistan ... die Sicherheit, die einzige Supermacht zu sein, schwer geschädigt. Amerika hat in einem so schwierigen Moment mit einer Übung der Demokratie seine Rolle als Brutstätte des Mutes für den Westen bewiesen. Amerika hat seine Wahl getroffen und die Wende gewählt: einen jungen Präsidenten, schwarz und verhältnismäßig unerfahren, der aber ein Symbol der Hoffnung ist und den amerikanischen Traum verkörpert." (05.11.2008)


Hírszerző - Ungarn

Der Blogger Miklós Tallián betrachtet den Wahlsieg Obamas als negativ. "In der vergangenen Nacht wurde Wirklichkeit, was wir bislang nur geahnt hatten: Amerika hat den ersten schwarzen Präsidenten seiner Geschichte gewählt. Doch in Bezug auf Obama ist die Tatsache, dass er schwarz ist, am wenigsten interessant. Viel interessanter ist, wo er sich unter den schlechtesten US-Präsidenten des 20. Jahrhunderts, also F. D. Roosevelt, Lyndon B. Johnson und natürlich Jimmy Carter, einreihen wird. ... Amerika ist ein starkes und stolzes Land, es hat zwei Weltkriege gewonnen, es hat die vorhin genannten schlechten Präsidenten überlebt, es wird auch Obama überleben." (05.11.2008)


The Independent - Großbritannien

Die liberale Tageszeitung The Independent meint: "Obama kommt ins Amt mit einem Fundus an gutem Willen, zu Hause und im Ausland. Er mag sich als eine Enttäuschung herausstellen, nicht zuletzt, weil die Erwartungen so unvernünftig hoch sind. Aber die größten Präsidenten - George Washington, Abraham Lincoln und Franklin Roosevelt - waren groß, genau weil sie große Herausforderungen überwunden haben. Die heutige angespannte Situation bedeutet, dass Barack Obama die Chance hat, sich ihrer Zahl anzuschließen." (05.11.2008)


Correio da Manhã - Portugal

Für die Tageszeitung Correio da Manhã hat die Demokratie gesiegt. Die US-Wahlen seien, die "wichtigsten des Jahrhunderts" gewesen: "Es mag voreilig sein, dies zu sagen, da das Jahrhundert erst vor kurzem begonnen hat, doch sie sind sicher ein wichtiger Baustein dieses Jahrhunderts. ... Ein Land, das eine der besten Wahlkampagnen der Geschichte hervorgebracht hat, das Lösungen für die politische und wirtschaftliche Krise gefunden hat, aber vor allem, die ganze Gesellschaft in der Debatte über die Zukunft des Landes involviert hat, ist ein Beispiel für die Welt. ... In diesen Präsidentschaftswahlen, in denen die Beteiligung so groß war, ist der wahre Sieg der der Demokratie." (05.11.2008)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 5. November 2008

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