Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Freitag, 21. April 2006


Monarchie und nationale Identität

Die britische Queen feiert am 21. April ihren 80. Geburtstag. Die europäische Presse nimmt das Jubiläum zum Anlass, die Rolle der Monarchie für die britische Identität und für Europa insgesamt zu thematisieren.


Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

"Queen Elizabeth II begeht am 21. April ihren 80. Geburtstag. Ihre Untertanen aber befinden sich in einer Identitätskrise. Seit Schatzkanzler Gordon Brown dafür eingetreten ist, die gemeinsame 'Britishness' zu zelebrieren, fragen sich die Briten, was denn da eigentlich zu feiern wäre", schreibt Susanne Ostwald. "Die Fast-Food-Kette Harry Ramsden's, seit 1928 Marktführer in Sachen Fish & Chips und somit quasi Haupternährer des Inselreiches, ist in schwedisches Eigentum übergegangen. Shocking! Und ein weiterer Grund dafür, warum man sich in Großbritannien - wieder einmal - einem altbekannten Lamento hingibt: Was ist geworden aus dem Land of Hope and Glory? Wer sind wir eigentlich? Denn nur eins fürchten die Briten noch mehr als einen Identitätsverlust: die Möglichkeit, dass sie so etwas wie eine nationale Identität überhaupt nicht besitzen." (21.04.2006)


The Guardian - Großbritannien

Kolumnistin Madeleine Bunting blickt hinter die königliche Pracht der Feiern zum 80. Queen-Geburtstag und fragt: "Wie wird das eigentümliche und empfindliche Gebilde der Monarchie, die Church of England und der Staat, das die Queen trotz des dramatischen Niedergangs des Christentums zusammen zu halten verstanden hat, ihr Ableben überleben? ... Wird die Krönung dann als 'traditionelles Ereignis' inszeniert, damit Touristen ein bisschen britische Pracht genießen können? Oder wird die Krönung, die es seit Karl dem Großen gibt, der Anlass sein, die veraltete Verfassung Großbritanniens endlich zu modernisieren? Es ist schwer, Letzteres mit einem besonnenen Umbau der Zeremonie vorzeitig anzustoßen. Denn so würde eine Verfassungskrise im Wartestand entstehen: Die Beziehungen zwischen Souverän, Kirche und Staat... würden in das Blickfeld der befremdeten globalen Medien geraten, und unter deren kritischem Urteil würden diese Beziehungen womöglich zerfallen." (21.04.2006)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Gustav Seibt gratuliert den Briten zur Queen und den Europäern zur Monarchie. "Königin Elisabeth hat alle britischen Premierminister seit Winston Churchill persönlich kennen gelernt und Woche für Woche mit ihnen konferiert. Was das für die Geschichte des Landes bedeutet hat, wird sich vermutlich nie ganz abschätzen lassen, aber schon die disziplinierende Wirkung auf Neulinge im Amt dürfte beträchtlich gewesen sein. Traditionsreiche und beliebte Monarchien sind auch in der modernen Welt hilfreiche Faktoren für das Gelingen demokratischer Verfassungen. Den Staat Belgien gäbe es ohne sein Königshaus gar nicht mehr. Die spanische Demokratie verdankt ihr Überleben gegen einen Putschversuch der franquistischen Reaktion dem beherzten Eingreifen seines Königs." (21.04.2006)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 21. April 2006

Weitere Inhalte