Top-Thema vom Mittwoch, 14. Januar 2009
Der Gaza-Konflikt in Europa
Während Israel seine Militärschläge gegen die radikal-islamische Hamas fortsetzt, zeigt der Gaza-Konflikt auch Auswirkungen innerhalb Europas. Die europäische Presse kommentiert die Proteste gegen Israel in den einzelnen Ländern und warnt vor einem neuen Antisemitismus.
Le Monde - Frankreich
In der Tageszeitung Le Monde macht sich der Vorsitzende der jüdischen Studentenvereinigung in Frankreich (UEJF), Raphaël Haddad, Sorgen um die Übertragung des israelisch-palästinensischen Konflikts auf Frankreich: "Innerhalb der letzten zehn Tage konnte man einen erschreckenden Wiederausbruch des Antisemitismus in Frankreich beobachten - meist am Rande pro-palästinensischer Demonstrationen. Grenoble, Villeurbanne, Bordeaux, Toulouse, Aubervilliers, Lingolsheim, Paris, Nice, Lyon, Metz: Die Liste der Städte, in denen antisemitische Aktionen stattgefunden haben, wird immer länger. Unser Alptraum ist wieder erwacht. ... Erst die Gebäude ..., dann Angriffe auf Personen. Beschmierte Geschäfte, angegriffene Synagogen, beschimpfte, bedrohte und geschlagene Juden. ... Noch vor kurzem hätte niemand gedacht, dass solch eine heftige Antisemitismus-Welle ausbrechen könnte. Während der zweiten Intifada 2001 haben wir erst 400 Taten zählen müssen, damit der Wiederausbruch des Antisemitismus anerkannt wurde. ... Wir müssen nicht erst auf einen Toten warten, um zum Frieden in der Republik aufzurufen." (12.01.2009)
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Jyllands-Posten - Dänemark
Der Gaza-Krieg hat zu einer weltweiten Kritik an Israel geführt. Die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten kritisiert Aufforderungen zum Boykott jüdischer Geschäfte im eigenen Land: "Es scheint, dass eine Reihe von Parteien, Organisationen und herausragenden Persönlichkeiten, die einseitig Israel kritisieren, ein Patent auf das Gute, Richtige und Humanistische beanspruchen. Die Vorsitzende der [dänischen] Radikalen, Margrethe Vestager, brüstet sich, durch ihr Kaufverhalten eine Menschensicht zu haben, die sich offenbar von denen unterscheidet, die nicht ihrer Meinung sind. Der heimliche Hass gegen die einzige Demokratie im Nahen Osten und ihrem Existenzkampf wird eingebunden in politische Naivität und selbstgerechte politische Korrektheit. Palästinensische Gewaltrhetorik und tatsächliche Gewaltausübung in Zusammenhang mit Nazi-Symbolen wecken Ahnungen einer dunklen Vergangenheit, die wir nicht vergessen sollen und von der alle gelernt haben sollten." (14.01.2009)
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Polska - Polen
Die Tageszeitung Polska geht auf die anti-israelischen Proteste in Italien ein und verweist auf deren linke Wurzeln. "Die linke italienische Gewerkschaft Flaica-uniti-Cub hat in Rom als Protest gegen die Angriffe Israels auf Palästina Flugblätter verteilt, die zum Boykott jüdischer Geschäfte aufforderten. ... Die italienischen Publizisten haben bemerkt, dass am Tiber der Geist des faschistischen Italieners Mussolini zurückgekehrt sei. Der Politologe ... Friedman Buttner hat ... gesagt, dass die Lektüre von Karl Marx der italienischen Linken zu Kopf gestiegen sei. Das ist zutreffend, denn heute erinnert man sich nur selten daran, mit welch großem Antisemitismus das Idol der Linken aufgetreten ist. ... Der Hass von Marx auf das Bürgertum und den Kapitalismus hat dazu geführt, eine Ideologie zu erfinden, die zu den verbrecherischsten in der Menschheitsgeschichte gehören. ... Marx hat in seiner Arbeit 'Die Judenfrage' geschrieben: 'Was ist der heilige Kult der Juden? Das praktische Bedürfnis, der reine Nutzen. Was ist sein heiliger Gott? Das Geld.'" (13.01.2009)
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De Volkskrant - Niederlande
Ein latenter Antisemitismus beeinflusse die Debatte über Gaza, meint die Tageszeitung De Volkskrant: "Der Propaganda-Krieg ist mindestens genauso heftig wie der Kampf an der Front. Aber auch wenn die Wahrnehmung der Realität nicht immer mit den Fakten übereinstimmt, die Emotionen, die dieser Konflikt auslöst, sind eine politische Tatsache. Mit der schnellen und tatsächlich kritiklosen Unterstützung von Ministerpräsident [Jan Peter] Balkenende und Außenminister [Maxime] Verhagen gleich nach Beginn der israelischen Luftangriffe hat das Kabinett sich selbst einen schlechten Dienst erwiesen. ... Jeder Standpunkt in diesem Konflikt wird auf Kritik stoßen. Das ist aber kein Grund, die Kritik zu ignorieren. Nach dem Mord an [dem islamkritischen Filmregisseur] Theo van Gogh und im Vorfeld des [Anti-Koranfilms] Fitna wurde zurecht an die niederländischen Muslime appelliert, einen kühlen Kopf zu behalten. Mit Erfolg. Wenn man nun Spannungen verhindern will, dann muss die Regierung ihren Standpunkt mit mehr Überzeugungskraft der Öffentlichkeit vorlegen." (14.01.2009)
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