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Top-Thema vom Freitag, 3. Juli 2009


USA starten Großoffensive in Afghanistan


US-Truppen haben in der Nacht zum Donnerstag eine Großoffensive in Südafghanistan gestartet. Rund 4000 Marineinfanteristen sollen die islamistischen Taliban aus ihren ehemaligen Hochburgen in Helmand vertreiben und die Unruheprovinz vor den afghanischen Präsidentschaftswahlen am 20. August stabilisieren. An der Offensive beteiligen sich auch mehr als 600 afghanische Sicherheitskräfte.


The Irish Times - Irland

Nach Meinung der Tageszeitung The Irish Times will US-Präsident Barack Obama mit der Afghanistan-Offensive die Glaubwürdigkeit von USA und Nato wiederherstellen: "Diese Kampagne wird mit der riesigen [Kampagne] koordiniert, welche die pakistanische Arme gegen die Taliban-Kontrolle des Swat-Tals führt, bei der zwei Millionen Menschen vertrieben wurden. Die afghanisch-pakistanische Grenze wird versiegelt, um die Taliban, so hofft man, an der Flucht zu hindern und damit militärischen Druck aufzubauen. Aber sie sind beeindruckende Gegner, die auf Heimatgrund kämpfen und durch den von ihnen kontrollierten boomenden Opiumhandel gut finanziert sind. Der neuen US-Politik stehen große Schwierigkeiten bevor, wenn sie ihre Versprechen, die Sicherheit für normale Afghanen zu verbessern, nicht erfüllen kann. Man hofft, die militärische Verantwortung schrittweise an die afghanische Armee zu übergeben, aber das kann lange dauern. Mit seiner Entscheidung für eine dramatische militärische Eskalation hofft Obama, den kürzlich erweckten Eindruck einer langsamen Niederlage oder eines Patts für die Nato-Operation zu zerstreuen." (03.07.2009)


Rzeczpospolita - Polen

Piotr Gillert schreibt in der konservativen Tageszeitung Rzeczpospolita, dass der Afghanistan-Konflikt eine Schlüsselrolle für die Entwicklung der Nato spiele: "'Wir verlassen den Irak und konzentrieren uns auf Afghanistan,' hat Barack Obama während seiner Wahlkampagne ständig wiederholt. Und nun setzt er sein Versprechen in die Tat um. Vor einigen Tagen hat sich die amerikanische Armee aus den irakischen Städten zurückgezogen und die Macht ganz den dortigen Behörden übergeben. Gestern [am Donnerstag] haben die Amerikaner danach eine der größten Offensiven in Afghanistan seit der Invasion des Landes vor acht Jahren gestartet. Tausende von Marineinfanteristen sind gestern in die Provinz Helmand eingefallen - bislang eines der Hauptsiedlungsgebiete der Taliban. Letztlich dürfte das Ergebnis des Afghanistan-Konflikts vom Erfolg dieser Operation abhängen. Und weil auch in Afghanistan das Schicksal der Nato auf dem Spiel steht, hängt daran [an der Operation] auch die Zukunft dieser Organisation." (03.07.2009)


Die Welt - Deutschland

Zur US-Großoffensive in Afghanistan schreibt die konservative Tageszeitung Die Welt: "Die vom neuen Oberkommandierenden General Stanley McChrystal ausgegebenen Einsatzregeln definieren den Rahmen für Luftunterstützung weit enger als früher. Zudem wollen die Amerikaner überall kleine Außenposten errichten, die sofort zur Stelle sind, wenn die Bevölkerung Hilfe benötigt. Das ist eine der Lehren aus dem Irak: Nur wenn die Menschen glauben, dass die Soldaten dauerhaft bleiben, gehen sie das Risiko ein, sich gegen die Taliban zu stellen und die Truppen mit wichtigen Informationen über deren Schlupfwinkel zu versorgen. Für Helmand haben die Amerikaner genügend Soldaten bereitgestellt. Aber insgesamt sind immer noch viel zu wenige Nato-Truppen im weitläufigen Afghanistan, um das Konzept auch auf andere umkämpfte Regionen anzuwenden. Stabilität ist aber die Grundvoraussetzung für jeden zivilen Aufbau und für die Stärkung staatlicher Strukturen." (03.07.2009)


La Repubblica - Italien

Die linksliberale Tageszeitung La Repubblica lobt das durchdachte Vorgehen des US-Präsidenten Barack Obama in Afghanistan: "Beobachtet man ihn [Obama] genau, ... dann begreift man, dass seine Vorgehensweise, seine Persönlichkeit und seine Geschichte nicht die der kriegerischen Feldherren sein kann, der Männer, die eine natürliche, manchmal unglücklich natürliche Begabung für die Fähigkeit haben, die Welt in Schwarz und Weiß zu sehen, eine Trennung zwischen uns und den anderen. ... Die Welt in der Obama sich bewegt, wie auch die Geschichte seiner Herkunft als Sohn von Europa und Afrika, ist eine graue Welt mit vielen Schattierungen. Sie gehört nicht zu der ideologischen Oberflächlichkeit, die, mystisch oder charakterbedingt, unerlässlich ist, um große und wahre Kriege in der Gewissheit zu führen, auf der Seite des absolut Richtigen und Guten zu stehen. Auch diese Offensive im Tal von Helmand ... hat etwas, das typisch für Obama ist. Sie ist der Zug eines Schachspielers, nicht der eines Duellanten, der bis zum letzten Blutstropfen kämpft." (03.07.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 3. Juli 2009

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