Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Freitag, 10. Juli 2009


G8 ist nicht genug


Die führenden Industriestaaten haben auf dem G8-Gipfel in L'Aquila den Iran wegen seines Nuklearprogramms und der Niederschlagung der Proteste gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen scharf kritisiert. Die europäische Presse meint, dass in Zukunft eine stärkere Einbindung der wichtigsten Schwellenländer der Welt wichtiger werde.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die linksliberale Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit der Haltung der Teilnehmer des G8-Gipfels gegenüber dem Iran. "Dass der Kreml, bislang fast eine Schutzmacht der Iraner, nicht mehr nur in diplomatischen Zirkeln über Irans Renitenz klagt und darauf verzichtet, eine scharfe Gipfelerklärung weichzuspülen, ist ein deutliches Signal an Teheran. Dennoch geht Obama ein hohes Risiko ein. ... Den Widerstand gegen den Westen in der Atomfrage nutzt Teheran seit langem, um im Inneren die Reihen zu schließen. Außerdem kann sich Obama zwar über die Unterstützung Medwedjews freuen, aber ohne China wird es keine neuen, einschneidenden Sanktionen geben. ... 
Verfehlt der Annäherungskurs sein Ziel, wird Obama mindestens eine harte Isolationspolitik einschlagen müssen. Iran wird dann seine destabilisierenden Kräfte nicht nur im Libanon entfalten, sondern auch im Irak und in den Palästinensergebieten. Wenn sich die Welt dann nicht geschlossen gegen Iran stellt, steht Obamas gesamte Nahost-Politik auf dem Spiel." (10.07.2009)


Helsingin Sanomat - Finnland

"Kaum jemand hatte vom G8-Gipfeltreffen der reichen Länder im italienischen L'Aquila Wunder erwartet, aber die Ergebnisse blieben noch unter den Erwartungen", schreibt die Tageszeitung Helsingin Sanomat. "Das ist schade. Denn die Weltwirtschaftskrise hätte konkrete Lösungen gebraucht, um endlich voranzukommen. Die G8-Gruppe der reichen Industrieländer fängt an, ein etwas altmodisches Modell zu werden, weil in ihr die Gruppe der großen aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien fehlen. Ihre Vertreter waren da, aber der chinesische Staatspräsident Hu Jintao hat die Sitzung wegen der Unruhen in seinem Heimatland ausfallen lassen. ... Den Industrieländern ist der Versuch, die wachsenden Wirtschaften Indiens und Chinas in die Emissionsbeschlüsse mit einzubeziehen, nicht gelungen. Diese wollen Garantien für wirkliche Anstrengungen der Reichen. Gegen den Klimawandel vorzugehen, ist nicht nur eine Sache der reichen Industriestaaten. Alle müssen daran teilhaben." (10.07.2009)


La Repubblica - Italien

Die Tageszeitung La Repubblica bewertet den G8-Gipfel in Bezug auf die Rolle der teilnehmenden fünf Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika. "Die Schwellenländer haben eine Weltanschauung, die von der unsrigen weit entfernt ist. Sie setzen andere Prioritäten. Sie haben das (notwendige) wirtschaftliche und politische Gewicht, eine sagenhafte Macht ... auszuüben. ... Die Koalition der Außenstehenden auf dem G8-Gipfel ist nicht länger 'die Peripherie'. Im Gegenteil, China und Indien repräsentieren potenziell die Lokomotiven des Weltwirtschaftswachstums. Sie sind die einzigen Giganten, die sich aus dem Zyklus der Rezession ausgeklinkt haben. Aber die Repräsentanz der führenden Weltpolitiker durch sie zu erweitern, setzt den Gipfel der Gefahr der Lähmung aus, so groß ist die Kluft der Interessen. ... Der Untergang der alten Weltordnung ist ein Tatbestand. Aber das, was sich als Post-G8-Weltordnung abzeichnet, ist eine weitaus kompliziertere, nicht unbedingt stabilere Welt." (10.07.2009)


De Standaard - Belgien

Der G8-Gipfel enttäuscht, schreibt der Professor für politische Ökonomie an der Johns Hopkins Universität in Washington, Matthias Matthijs, in der Tageszeitung De Standaard: "Selbst wenn man einsieht, dass die G8 an Bedeutung verloren haben, ist es besorgniserregend mitanzusehen, dass die wahre Ursache der Finanzkrise durch die Führer der G8 zugunsten von 'quick fixes' beiseite geschoben wird. Sie können nicht viel tun, aber mehr als sie jetzt tun. ... Das Problem ist, dass das Geld von Arm nach Reich fließt und nicht umgekehrt: Die Chinesen subventionieren den fast nicht aufzuhaltenden amerikanischen Konsumdrang. ... Bei den [zunehmenden globalen makroökonomischen Ungleichgewichten] kann die G8 - erweitert um China und Indien zu den G10 - eine wichtige Rolle spielen. Indem sie ein System aufbauen, in dem Ungleichgewichte automatisch korrigiert werden, wenn sie zu sehr aus dem Ruder laufen - so wie die EU-Kommission das bei den Haushaltsdefiziten in Europa tut." (10.07.2009)


Der Standard - Österreich

Der G8-Gipfel habe minimale Fortschritte gebracht, meint der linksliberale Standard: "In Gang gebracht hat diese Bewegung mit Sicherheit nicht der geltungssüchtige Gipfelregisseur [und italienische Premier] Silvio Berlusconi, sondern vielmehr [US-Präsident] Barack Obama. Er hat sehr viel für die USA lange verschüttetes politisches und diplomatisches Kapital in den Prozess eingebracht, Kompromisse erleichtert und etwas von jenem Wandel nach Italien getragen, den er in den USA in einem langen Wahlkampf gepredigt hat. Den vollen Einsatz des US-Präsidenten wird es auch in Zukunft dringend brauchen, wenn die kommenden Gipfeltreffen ein Erfolg sein sollen. Denn wären auch von dort einige kleine Fortschritte zu vermelden, wäre das schon viel." (10.07.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 10. Juli 2009

Weitere Inhalte