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Top-Thema vom Dienstag, 14. Juli 2009


Durchbruch für Nabucco


Die Türkei und die vier EU-Staaten Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich haben am Montag in Ankara ein Abkommen zum Bau der Erdgaspipeline Nabucco unterzeichnet. Die Leitung soll die EU mit Erdgas aus dem kaspischen Raum versorgen und somit unabhängiger von russischen Lieferungen machen.


Sme - Slowakei

Die liberale Tageszeitung Sme würdigt die Unterschrift unter das Nabucco-Projekt als "ersten konkreten Schritt, um die Abhängigkeit vor allem des postkommunistischen Teils Europas vom russischen Gas und dem russischen Imperium wenigstens zu verringern. Die Hauptfrage bleibt [aber] unbeantwortet: Aus welchen Quellen werden die Rohstoffe über Nabucco zu uns kommen? Die meisten Exporteure energetischer Rohstoffe erwecken in Europa berechtigte Zweifel an ihrer Verlässlichkeit. ... Kasachstan und Turkmenistan stehen unter starkem Einfluss Moskaus, das sich Nabucco mit allen Mitteln widersetzt. ... Die Türkei versuchte lange Zeit, über Nabucco ihre EU-Mitgliedschaft zu erpressen. Zwar machte sie jetzt einen Rückzieher, gab aber keinerlei Garantie, ob sie nicht wieder ihre Meinung ändert, sollte sich die EU-Aufnahme weiter hinauszögern. Ungarn und Deutschland spielen ein doppeltes Spiel, unterstützen Nabucco und russische Projekte, die Nabucco verhindern sollen. Dennoch bietet der Vertrag wenigstens die Hoffnung auf eine Lösung des derzeitigen unhaltbaren Zustandes." (14.07.2009)


Diário de Notícias - Portugal

Die Tageszeitung Diário de Notícias sieht im Bau der Nabucco-Pipeline Europas Chance, unabhängiger von den Erdgaslieferungen aus Russland zu werden: "Nabucco ist ein internationales Projekt von entscheidender strategischer Bedeutung, nicht nur für die Europäische Union, sondern auch für die Türkei, da durch dieses Land der Großteil der neuen Erdgasleitung führen soll. Das Abkommen beendet das russische Monopol auf die Erdgaslieferungen aus dem Osten nach Europa, die bereits zweimal einen Gasstreit zwischen Moskau und Kiew ausgelöst haben. Derzeit importiert die EU 25 Prozent ihres Erdgas-Bedarfs aus den slawischen Ländern. Nabucco stellt eine Alternative dar, mit der zehn Prozent des Bedarfs gedeckt werden können. Da Aserbaidschan nicht ausreichend Reserven hat, hängt nun alles von der Konkretisierung des Projektes sowie vom Verhandlungsgeschick [der Projektpartner] ab, um neue Partner, die Erdgas liefern können, zu finden." (14.07.2009)


Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht im Bau der Nabucco-Pipeline einen wichtigen Schritt zu mehr Sicherheit bei Europas Energieversorgung: "Sie verhindert den Weg in die russische Gasknechtschaft zwar nicht, könnte sie aber erträglich machen. Das gilt sowohl für die Europäer als auch die potentiellen Lieferländer wie Aserbaidschan, Turkmenistan oder Kasachstan. Wenn die Europäer dort ihr Gas direkt einkaufen, kann das auch die Unabhängigkeit der Staaten in Russlands Hinterhof stärken. Entsprechend groß ist das Interesse Russlands, weiter den Zugriff auf deren Gasfelder zu behalten. Die Politik hat das, wenn auch spät, erkannt und Nabucco auf die Beine geholfen. Die Bundesrepublik [Deutschland] hat ihre diplomatischen Aktivitäten im kaspischen Becken verstärkt, die EU den Druck auf die Türkei erhöht. Das jetzt in Ankara unterzeichnete Regierungsabkommen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Versorgungssicherheit. Eine Garantie ist es nicht." (14.07.2009)


Gândul - Rumänien

Die Tageszeitung Gândul meint, dass Russland trotz des Nabucco-Projekts eine wichtige Rolle auf dem europäischen Energiemarkt spielen werde: "Angesichts der 20 Milliarden Euro, die die Russen als Kosten für South Stream geschätzt haben, ist Nabucco ein wahres Schnäppchen: es kostet 'nur' acht Milliarden Euro. Das große Problem ist nur, dass das Geld für Nabucco nicht nur von der EU oder den Teilnehmerstaaten (die inmitten der Wirtschaftskrise sowieso nicht in zwei Projekte gleicher Art investieren werden) kommt: Es muss auch Privatinvestitionen geben. Die großen Westfirmen haben jedoch bereits entschieden, dass South Stream mehr Chancen hat, weil es [mit Rohstoffen] gefüttert werden kann. Wie sonst lässt sich die Entscheidung Deutschlands und Frankreichs erklären, die Gelder für Nabucco zu kürzen, wenn es das einzige europäische Projekt ist? Gestern haben in Ankara die Europäer und die Amerikaner zugegeben, was sie sieben Jahre lang verneint haben: es geht nicht ohne Russland. Der nächste Schachzug gehört den Akteuren im Kreml." (14.07.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 14. Juli 2009

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