Top-Thema vom Donnerstag, 3. Dezember 2009
Europa hadert mit US-Strategie
Die Forderung der USA an ihre Bündnispartner, mehr Tuppen nach Afghanistan zu schicken, hat bei einigen Nato-Staaten bislang kaum Gehör gefunden. Die Presse allerdings hält ein stärkeres Engagement Europas für nötig.
The Sun - Großbritannien
Auch Frankreich und Deutschland müssen ihren Teil zur Truppenaufstockung in Afghanistan beitragen, fordert die Boulevardzeitung The Sun: "Die großen Zwei der EU, Frankreich und Deutschland, wollen sich nicht in die Riemen legen. Großbritannien hat mehr Soldaten im Feld als die beiden zusammen. Das ist eine einzigartige Gelegenheit, die Taliban zu vernichten. Die Kommandeure sind optimistisch, dass der Durchbruch gelingt. Großbritannien und Amerika verrichten wie üblich die Schwerstarbeit. Doch der Sieg wird jene Länder begünstigen, die am wenigsten kämpfen wollen. Frankreich und Deutschland haben ihre Pflichten zu lange vernachlässigt. Das ist IHR Krieg, nicht nur unserer. Also lasst auch sie zuschlagen." (03.12.2009)
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Berliner Zeitung - Deutschland
Mit der Entsendung weiterer Soldaten nach Afghanistan hat Deutschland die Möglichkeit, die dortige Entwicklung positiv zu beeinflussen, meint die linksliberale Berliner Zeitung: "Das müssen nicht unbedingt nur militärische Beiträge sein. ... Seit Jahr und Tag fordern Experten die Entsendung Hunderter, wenn nicht Tausender von Feldjägern nach Afghanistan. Diese Kreuzung aus Soldat und Polizist ist am besten geeignet, in Afghanistan eine Truppe aufzubauen, die der französischen Gendarmerie oder den italienischen Carabinieri ähnelt. So eine Truppe brauchen die Afghanen, um wenigstens einigermaßen für die Sicherheit im eigenen Land sorgen zu können. Das wäre ein Beitrag, mit dem die Bundesregierung den Obama-Plan tatsächlich unterstützen könnte. Die Debatte ist allerdings in Deutschland kaum zu hören. Die Bundesregierung belässt es dabei, Entscheidungen zu verschieben. Durchwursteln war aber noch nie die richtige Taktik." (03.12.2009)
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Karjalainen - Finnland
Auch Finnland hat eine Anfrage der Nato erhalten, sein Truppenkontingent in Afghanistan aufzustocken. Die Bedingungen von Auslandseinsätzen müssen zukünftig konkretisiert werden, meint die Tageszeitung Karjalainen: "In dieser Situation kann sich Finnland kaum aus seiner internationalen Verantwortung ziehen, die Region braucht auch mehr gut ausgebildete und bewaffnete finnische Soldaten. Man sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass es in Afghanistan nicht um friedenserhaltende Operationen im eigentlichen Sinne geht, sondern dass es sich um militärische Aktionen handelt. In Zukunft muss genauer definiert werden, was friedenserhaltende Missionen und was die Beteiligung an einem Krieg ist. Und die Bedingungen für die Teilnahme an einem Krieg müssen festgelegt werden. Es muss auch akzeptiert werden, dass der Krieg in Afghanistan langwierig ist." (03.12.2009)
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La Stampa - Italien
Die USA und Europa können sich es nicht leisten, dem Krieg in Afghanistan den Rücken zu kehren, schreibt die liberale Tageszeitung La Stampa mit Blick auf die zögerliche Haltung von Nato-Staaten, ihre Truppen in Afghanistan aufzustocken: "Die Verbindung zwischen dem Konflikt in Afghanistan und der extrem schnellen Neudefinition, die die internationalen Machtverhältnisse derzeit erfahren, ist vielleicht wenig augenscheinlich, aber grundlegend. ... Deshalb kann [US-Präsident Barack] Obama Afghanistan nicht aufgeben, deshalb kann er sich der Kraftprobe mit dem Iran nicht entziehen, deshalb muss er den Einfluss der USA im Irak stärken. ... Der Westen ist auf dem Weg sich zu schwächen. Es ist wichtig - und das gilt auch für Europa - dass er nicht zur Randfigur wird." (03.12.2009)
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Alle verfügbaren Texte von » Lucia Annunziata
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