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Top-Thema vom Freitag, 4. Dezember 2009


Minarett-Verbot schlägt weiterhin Wellen


Die Debatte um den Schweizer Volksentscheid gegen Minarette geht weiter. Die Medien verurteilen illiberale Traditionen und mangelndes Gemeinschaftsgefühl in Europa.


Der Standard - Österreich

Eine Diskussion über die europäischen Traditionen wäre angebracht, meint die Tageszeitung Der Standard angesichts des Schweizer Minarett-Verbots und vergleicht Europa mit den USA: "Hier soll nicht etwa ein Ende der kritischen Islam-Debatten gefordert werden, die sind zulässig, gut und notwendig. Aber es muss noch etwas dazukommen. Angewidert wandten sich europäische Liberale von den USA unter Präsident George Bush ab, als dieser nach 9/11 das internationale Recht, aber auch teilweise die Rechte eigener Staatsbürger mit Füßen zu treten begann. Aber das Minarettverbot müssen uns die USA erst einmal nachmachen. So etwas wäre dort völlig undenkbar. Hier setzt die Sorge, der Verdacht ein: Da Europa historisch die stärkeren illiberalen Traditionen hat, ist es vielleicht auch stärker gefährdet, diese wieder zu verlieren? Liegt da die Erklärung für gewisse Entwicklungen - und nicht nur in 'dem Islam' und den 'Sorgen der Bevölkerung'?" (04.12.2009)


De Standaard - Belgien

In der Schweiz wolle man die Zeit anhalten, meint der Schriftsteller Oscar van den Boogaard in seiner Kolumne in der Tageszeitung De Standaard. Migration aber bedeute Veränderung und auch neues Leben: "Warum nicht ja sagen zum Bau von Minaretten? Warum nicht alle Veränderungen umarmen? Eine neutrale Gesellschaft gibt es nicht. Lasst jedes Individuum seine Freiheit voll leben und seine Überzeugung voll austragen, unter der Bedingung, dass er die Freiheit des anderen respektiert. ... Wie seelenlos ist das flämische Landleben geworden. Dörfer verlassen, Kirchen leer, Rolläden heruntergelassen. Niemand sitzt im Sommer abends vor seiner Tür auf der Straße. Die Natur ist kaputt gemacht, verplant, jeder schliesst sich ein in seinem eigenen kleinen Palast und fühlt sich Weltbürger, weil er ans Internet angeschlossen ist. Machen uns die Minarette neidisch, weil dorthin Menschen kommen, die sich trauen, sich wirklich Brüder und Schwester zu nennen?" (04.12.2009)


La Vanguardia - Spanien

Religionsfreiheit sollte nur dann eingeschränkt werden, wenn die Grundwerte einer freiheitlichen Gesellschaft bedroht sind, meint Álvaro Marc-Francesc in der liberalen Tageszeitung La Vanguardia mit Blick auf das Minarett-Verbot in der Schweiz: "Meine These ist, dass wir uns nur gegen solche Bräuche, Verhaltensweisen und Regeln wehren sollten, die unsere Grundwerte in Frage stellen oder gefährden. Das Kopftuch stört unsere Grundwerte nicht, aber beispielsweise ein muslimischer männlicher Arzt, der einer Muslimin keinen Hausbesuch abstatten darf, hingegen schon, oder Eltern, die für ihre Töchter getrennte Besuchszeiten im öffentlichen Schwimmbad verlangen, oder die sich gegen die Schulpflicht ihrer Kinder wehren." (04.12.2009)


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