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Top-Thema vom Mittwoch, 16. Dezember 2009


Endspurt in Kopenhagen


Die heiße Phase des Klimagipfels in Kopenhagen hat begonnen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte am Dienstag arme und reiche Länder auf sich zu einigen. Bis Freitag sollen 113 Staats- und Regierungschefs ein ambitioniertes Klima-Abkommen aushandeln. Doch europäische Kommentatoren sehen wenig Aussicht auf Erfolg.


Etelä-Saimaa - Finnland

Es wird schwer, auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen eine verbindliche Vereinbarung zu erreichen, bedauert die Tageszeitung Etelä Saimaa: "Die Kluft zwischen den Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern ist einfach zu groß. Die Dritte-Welt-Länder wollen Zusagen für Hilfspakete in Milliardenhöhe, ehe sie bereit sind, sich auf einen Zeitplan zur Senkung der Emissionen einzulassen. ... Die EU will eine Vorreiterrolle übernehmen, doch es ist für sie schwierig, mit den weltweit größten Umweltverschmutzern China und den Vereinigten Staaten eine gemeinsame Linie zu finden. ... Über die Emissionsrechte wird zudem diskutiert, ob sie ein zuverlässiges Bild liefern und kontrollierbar seien. All diese Diskussionen schmälern das Vertrauen der normalen Bürger in das gesamte System, auch wenn es hier wie in anderen Fragen schwierig ist, einen globalen Konsens zu erreichen." (16.12.2009)


Corriere della Sera - Italien

Der Klimagipfel in Kopenhagen droht wegen der starren Positionen von China und den USA zu scheitern, meint die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Die Konferenz ist gestern an einem toten Punkt angekommen. 48 Stunden vor dem Abschluss der Verhandlungen am kommende Freitag bedeutet dies, dass die Gefahr des Scheiterns Gestalt annimmt. ... Es herrscht Hochspannung. Ein neuer Entwurf zum Kompromiss zirkuliert, der noch allgemeiner als der vorherige sein soll. ... Der Hauptgrund für die Spannungen ist der Kampf zwischen den USA und China. ... Die Europäische Gemeinschaft sagt, dass die Amerikaner und Chinesen mehr tun müssen, hat aber gestern versäumt, neue Vorschläge vorzulegen. ... Der stärkste Appell kam gestern von Papst Benedikt XVI. Er hat den Missbrauch der Erde ... mit Krieg und Terrorismus gleichgestellt. Starke Worte. Nur läuft in Kopenhagen die Frist ab." (16.12.2009)


Trouw - Niederlande

Angesichts der großen Skepsis und des Widerstands der USA gegen das Kyoto-Protokoll vor einigen Jahren ist die Klimakonferenz ein Erfolg, meint Kolumnist Willem Breedveld in der Tageszeitung Trouw: "Der naive Glaube [den Klimawandel durch technische Mittel aufhalten zu können] ist in den vergangenen Jahren der realistischeren Einschätzung gewichen, dass wir so zu große Risiken eingehen, die wir (wenn es schief geht) unmöglich vor unseren Kindern und Kindeskindern verantworten können. ... In diktatorisch geführten Ländern war das Klima bis vor kurzem überhaupt kein Thema. Dass wir soweit sind, verdanken wir den Demokratien, auch weil sie es sich (noch?) nicht leisten können, ihren Wählern allzu grob die Rechnung für eine Klimaanpassung zu präsentieren. Sie sind zu vorsichtig, wenn man mich fragt. Aber ihre Vorsicht trägt zumindest das Versprechen in sich, dass das Ruder in den kommenden Jahren wirklich umgeworfen wird und - wer weiß - Kopenhagen in die Geschichte eingehen wird, als ein Triumph der Demokratie." (16.12.2009)


Financial Times - Großbritannien

Die Klimaforscher und Umweltminister müssen vor allem die Öffentlichkeit in ihren eigenen Ländern überzeugen, um erfolgreich zu sein, mahnt der Kolumnist Clive Crook in der Wirtschaftszeitung Financial Times: "Die nationale Politik - der demokratische Prozess - pflegt mitunter unheimlich unbequem zu sein, doch das lässt sich nicht vermeiden. Das Establishment, das sich mit dem Klimaproblem auseinandersetzt, scheint dies verstanden zu haben. ... Deswegen hat dieses Kopenhagener Treffen auch einen theatralischen Aspekt. Genauso wie es darum geht, die Erderwärmung zu verhindern, geht es um PR. ... Die Regierungen sollten aber ehrlich sein und ihren Argumenten für Maßnahmen ihr Wissen zu Grunde legen. Das heißt: Es geht hier um eine Abwägung von Wahrscheinlichkeiten und nicht um übertriebene Gewissheiten. Die Öffentlichkeit wird das aushalten. Denn Wähler sind keine Dummköpfe." (16.12.2009)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 16. Dezember 2009

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