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Top-Thema vom Mittwoch, 30. August 2006


Venedig und Rom als Filmfestival-Rivalen

Das Filmfestival von Venedig, die Mostra, wird heute zum 63. Mal eröffnet. Doch in diesem Jahr droht dem Festival Konkurrenz im eigenen Land: Mitte Oktober findet in Rom erstmals das Feste del Cinema statt. Die europäische Presse erklärt Venedig bereits zum filmischen Sieger, sieht aber auch in Rom ein großes Potential.


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

"Wie immer dieser Zweikampf auf der filmischen Seite ausgeht - auf der sieht es einstweilen ganz gut aus für Venedig -, der Clash mit Rom bedeutet auf jeden Fall eine schlechte Nachricht", meint Susan Vahabzadeh. "Natürlich belebt Konkurrenz das Geschäft, aber auch wenn Rom Venedig am Ende mehr Profil abverlangt und cineastische Glaubensbekenntnisse: Geld ist knapp in Venedig, ein neuer Festivalpalast müsste her, und dass es nun einen zweiten Bewerber gibt um die wenigen Mittel, erstickt erst mal alle Hoffnungen auf baldige Lösung der finanziellen Misere. Zunächst einmal haben die Venezianer der drohenden Konkurrenz auf den Leinwänden den Kampf angesagt - mit dem Wettbewerb, den Marco Müller in seinem dritten Jahr als Festivaldirektor zusammengestellt hat, wird Rom nicht mithalten können. Müller hat aufsehenerregende, große Filme gemischt mit cineastischen Raritäten, und genug Hollywood-Glamour ist auch dabei." (30.08.2006)


Corriere della Sera - Italien

Der Präsident der Biennale von Venedig, Davide Croff, sieht im Interview mit Giuseppina Manin der Filmfestival-Konkurrenz aus Rom gelassen entgegen: "Unsere Stärke ist vor allem die einzigartige linguistische Verschmelzung, für die die Mostra steht. Das ist ein einmaliges Vorbild, das weltweit anerkannt ist. Das intiutive Verständnis von Kino als Kunst und die Idee eines Schaulaufens sind in den 1930er Jahren hier entstanden. Alle anderen Festivals - Cannes, Berlin, Locarno - haben unser Modell übernommen, auch das Fest in Rom. Uns beunruhigt das Fest nicht, es gibt keinen Konflikt zwischen uns, nur gesunden Wettbewerb." (30.08.2006)


Der Standard - Österreich

"Dass das umfangreiche Programm auch in diesem Jahr noch mit einer Reihe von Hollywood-Premieren garniert wird, gehört mittlerweile zum festen Bestandteil eines A-Festivals wie Venedig", meint Dominik Kamalzadeh. "Die Filmbiennale hat diese Strategien umso mehr nötig, als sie ein neuer – hoch budgetierter – Konkurrent erwartet. Im Oktober wird erstmals ein Festival in Rom stattfinden, zu dem etwa bereits Nicole Kidman ihr Kommen zugesagt hat. Darüber hinaus plagen Venedig schon seit längerer Zeit infrastrukturelle Probleme: Die Kinos sind veraltet, der Festivalpalast verwandelte sich letztes Jahr nach einem Gewitter kurzzeitig in ein Badehaus. Rom dagegen verfügt über ein neues Auditorium von Stararchitekt Renzo Piano. Direktor Müller, ein geschickter Lobbyist, kann gegen diese Umstände nur das Renomee der Biennale ausspielen. Wie es aussieht, dürfte er sich zumindest heuer mit seinem hochkarätigem Programm als Sieger erweisen." (30.08.2006)


Le Temps - Schweiz

"Italien hat der ehrwürdigen Mostra eine Mine unter die wackeligen Füße geschoben, obwohl das Festival schon bisher gegen eine Reihe von Konkurrenten ankämpfen musste. Diesmal steht die venezianische Mostra einem unerwarteten Rivalen im eigenen Land gegenüber", schreibt Thierry Jobin. "Die Mostra hatte bereits zu Berlusconis Zeiten enorme Schwierigkeiten, ihr Budget von zehn Millionen Euro zu halten, das nun zu einem Viertel aus privaten Einlagen stammt. Und jetzt steht sie dem Prunk von Rom gegenüber. Schon mit der ersten Auflage verfügt das Feste del Cinema in Rom über ein hauptsächlich privat finanziertes Budget, das fast genauso hoch ist wie das von Venedig. Aber vor allem kann das Fest von Rom sich im funkelnagelneuen Auditorium präsentieren, erbaut vom italienischen Architekten Renzo Piano. Unter diesen Umständen erscheint die Idee des neuen Festivals, das vom linken Bürgermeister Walter Veltroni angestoßen wurde, um seiner Hauptstadt neuen Glanz zu verleihen, wie ein Geniestreich. Rom mobilisiert die Kinowelt ganz Italiens während die Mostra als eine Greisenveranstaltung erscheint." (30.08.2006)


» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 30. August 2006

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