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Top-Thema vom Montag, 19. April 2010


Trauer um Kaczyński birgt Chance auf Versöhnung


Unter großer internationaler Anteilnahme hat Polen am Sonntag in der Krakauer Wawel-Burg Abschied von Präsident Lech Kaczyński genommen. Das Unglück und die Trauer um die Toten könnte das historisch belastete Verhältnis zwischen Polen und Russland verbessern, meint Europas Presse.


Delo - Slowenien

Nach dem Begräbnis des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński könnten sich die schwierigen polnisch-russischen Beziehungen verbessern, meint die Tageszeitung Delo: "Jetzt können wir hoffen, dass aus Gründen der Pietät für die Opfer des tragischen Unglücks Politiker auf beiden Seiten mit ihren Manipulationen aufhören. Nach der zweiten Tragödie in Katyn wäre es an der Zeit, dass sich Polen und Russland reinen Wein einschenken. Es ist lobenswert, dass Russlands Ministerpräsident Putin an der Gedenkfeier in Katyn teilgenommen und sein Bedauern ausgedrückt hat. Weniger lobenswert ist seine Behauptung, es habe sich beim Massaker von Katyn um einen Racheakt für die Morde an russischen Kriegsgefangenen ... gehandelt. Derart billige Entschuldigungen erregen polnische Politiker schon seit langem und dementsprechend reagieren sie meist. Wird die neue Generation der russischen und polnischen Politiker diesen Teufelskreis durchbrechen können?" (19.04.2010)


The Times - Großbritannien

Das Flugzeugunglück des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński hat Polen und Russland einander näher gebracht, mit europaweiten Folgen, meint die Tageszeitung The Times: "Polen hat sich während der vergangenen Jahre auf außergewöhnliche Art selbst modernisiert. Im freundschaftlichen Verhältnis mit dem Kreml und der russischen Bevölkerung könnte Polen dazu beitragen, auch Russland zu modernisieren. All das hat Auswirkungen auf ganz Europa. In Warschau heißt es: Polen kann gemeinsam mit Deutschland viel erreichen, aber gegen Deutschland kann es gar nichts erreichen. Polen-Deutsche-Russen: Um diese Achse wird sich die nächste Dekade in Europa drehen." (19.04.2010)


Corriere della Sera - Italien

Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew hat am Staatsbegräbnis für Polens Präsident Lech Kaczyński teilgenommen. Eine Geste der Anteilnahme, die aber mehr als eine Versöhnung mit dem russophoben Polen bedeuten könnte, meint die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Versöhnung auch eine Verschiebung der politischen Achse im mittleren Osteuropa nach sich zieht. Nach der Wende in der Ukraine, die mit Viktor Janukowitsch einen russophilen Präsidenten gewählt hat, könnte Moskau nun verstärkt Druck auf Warschau ausüben. Auf ein Polen [von Lech Kaczyński, dessen Leben im Zeichen des Widerstands gegen Russland stand], das heute Mitglied der Nato und der EU ist, und das jahrhundertelang gekämpft hat, um sich der russischen Vorherrschaft zu entziehen." (19.04.2010)


Dziennik Gazeta Prawna - Polen

Die internationale Aufmerksamkeit, die Polen nach dem Flugzeugunglück zuteil wurde, hat gezeigt, dass Polen mittlerweile ein wichtiger Akteur in Europa geworden ist, meint der französische Politikwissenschaftler Dominique Moïsi in einem Interview mit der konservativen Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna: "Das Kräfteverhältnis hat sich in Europa verschoben. ... Die Katastrophe des Präsidentenflugzeuges auf dem Weg nach Katyn hat dazu geführt, dass sich die Augen der gesamten Welt für einige Tage nach Warschau gerichtet haben. Nicht nur wegen des riesigen Ausmaßes dieses unerwarteten Verlusts, sondern vor allem deswegen, weil Polen einer der wichtigsten Akteure in Europa ist. Sein Schicksal ist mit dem Schicksal des gesamten Kontinents verbunden. Und das Polen ein ernstzunehmender und verantwortungsvoller Partner ist, hat man nach der Tragödie noch mehr gesehen." (19.04.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Montag, 19. April 2010

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