Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Dossier

Top-Thema vom Freitag, 25. Juni 2010


G20-Länder streiten um Wachstum


Im kanadischen Toronto beginnt am Samstag der G20-Gipfel. Die USA verlangten im Vorfeld des Treffens von anderen Staaten hohe Investitionen zur Krisenbekämpfung. Aber auch Sparmaßnahmen können zu mehr Wachstum führen, meint die Presse und fordert, dass die Regierungen in Zeiten der Krise an einem Strang ziehen.


De Telegraaf - Niederlande

Deutschland hat sich vor dem G20-Gipfel gegen den Vorwurf der USA gewehrt, mit seinem Sparkurs die Erholung der Weltwirtschaft zu gefährden. Sparmaßnahmen würden das Wachstum in Europa aber nicht bremsen, meint die Boulevardzeitung De Telegraaf: "Mit solcher Kritik droht die Diskussion völlig zu entgleisen. Deutschland macht einfach kluge Politik. Die Regierung kann nicht straflos die Staatsschulden weiter erhöhen. Außerdem führen kluge Sparmaßnahmen nicht prinzipiell zu einem niedrigeren Wachstum. Deutschland ist nicht unter dem Druck der sündhaft teuren Wiedervereinigung zusammengebrochen und ist trotz der weltweiten Konkurrenz ein Exportmotor. Die Spanier und Griechen haben dagegen in den vergangenen Jahren ihre Volkswirtschaften aus dem Ruder laufen lassen. Das ist schlicht ihre eigene Schuld." (25.06.2010)


Jornal de Negócios - Portugal

Die G20-Treffen in diesem Monat kennzeichnen den Moment, in dem die großen Akteure der Weltwirtschaft von Konjunkturbelebung auf Sparmaßnahmen umschalten werden, meint der französische Wirtschaftswissenschaftler Jean Pisani-Ferry in der Wirtschaftszeitung Jornal de Negócios: "Nicht alle sind sich darüber einig. Vor dem Treffen in Busan [Südkorea] warnte US-Finanzminister Tim Geithner vor 'einem pauschalen, undifferenzierten Vorziehen der Konsolidierungspläne', und betonte, man müsse 'parallel zur fortschreitenden Erholung im Privatsektor vorgehen.' Doch fanden Geithners Warnungen bei den anderen Finanzministern keinen Anklang. ... Die G20-Mitglieder werden, anstatt wie im Jahr 2009 gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen, ihr Auseinanderdriften zu bewältigen haben. Für eine Institution, die ihre Wirksamkeit in der Krise gezeigt hat, aber noch die Prüfung bestehen muss, vor die sie diese neue Phase der Weltwirtschaft stellt, wird dies ein großer Belastungstest werden. Der Gipfel in Toronto bietet eine erste Gelegenheit dazu, zu beurteilen, wie gut sich die G20 an neue Bedingungen anpassen können." (24.06.2010)


The Independent - Großbritannien

Auf dem G20-Gipfel in Toronto ist es an der Zeit, dass die Staats- und Regierungschefs wieder ihre gemeinsamen Interessen erkennen, findet die Tageszeitung The Independent: "Es gibt ein gemeinsames globales Interesse an einer gelenkten und nachhaltigen finanziellen Anpassung durch verschuldete Staaten. Es gibt ein gemeinsames globales Interesse an einem Ausgleich von Handel und Kapitalflüssen, so dass Schwellenländer keine große Summen an reiche Nationen zahlen müssen. Und es gibt ein gemeinsames globales Interesse, die Fähigkeiten der Bevölkerung armer Staaten voll in die internationale Wirtschaft einzubringen. ... Was die Staatenlenker in Kanada irgendwie wiederentdecken müssen ist der Sinn für ein gemeinsames wirtschaftliches und finanzielles Interesse, das kurzzeitig Ende des Jahres 2008 und Anfang 2009 vorherrschte. Aber auch in der Heimat gibt es eine Aufgabe. Die Führer müssen ihrer widerspenstigen heimischen Bevölkerung erklären, dass wir innerhalb einer globalisierten Wirtschaft wirklich alle, ob es die Leute mögen oder nicht, in einem Boot sitzen." (25.06.2010)


Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die US-amerikanischen Beziehungen zu Europa haben sich während der Präsidentschaft von Barack Obama abgekühlt, schreibt die linksliberale Süddeutsche Zeitung mit Blick auf den anstehenden G20-Gipfel in Toronto: "Auf alte Allianzen, auf überlebte Sentimentalitäten nimmt diese Politik keine Rücksicht. Allen voran die Europäer, als Nato-Verbündete über Jahrzehnte die privilegierten Partner, bekommen dies zu spüren. ... Zwar hat Obama unter Europas Völkern neue Sympathien für die USA mobilisiert. Aber allmählich schwellen in den Staatskanzleien der Alten Welt die Klagen an: Dieser Präsident bemisst Europa schnöde nur noch nach seinem Nutzwert. Nassforsch haben Obamas Unterhändler vor Toronto fast sämtliche Ideen vom Tisch gewischt, mit denen die Europäer die Finanzmärkte regulieren wollten. Deutschland wird als Parasit der Weltkonjunktur gegeißelt. ... Sogar am Hindukusch schießt Obama ohne Absprache: Der vorlaute Stanley McChrystal war nicht nur US-General, sondern auch Nato-Kommandeur." (25.06.2010)


» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 25. Juni 2010

Weitere Inhalte