Top-Thema vom Mittwoch, 1. September 2010
Obama beendet offiziell Irak-Krieg
In seiner Rede an die Nation am Dienstagabend hat US-Präsident Barack Obama den Kampfeinsatz im Irak für beendet erklärt. Die USA waren auf diesen Krieg schlecht vorbereitet und hinterlassen nun ein Land voll blutiger Konflikte, meinen Kommentatoren.
The Times - Großbritannien
Nach dem Abzug der letzten US-Kampftruppen aus dem Irak meint die konservative Tageszeitung The Times, dass der Kriegseinsatz besser hätte geplant werden müssen: "Einige der Probleme, mit denen die internationale Koalition konfrontiert wurde, hätten vorhergesehen werden können. Die Spannungen zwischen der Minderheit der sunnitischen Elite, der Mehrheit der ärmeren Schiiten und den Kurden im Norden waren jedem mit Irak-Erfahrung sehr wohl bekannt. Das Risiko eines Bürgerkriegs war klar. Dass nach Saddams Fall die Anwesenheit von Truppen noch lange benötigt würde, um das Land ruhig zu halten, hätte keine Überraschung sein dürfen. General Ray Odierno, Kommandant der US-Truppen im Irak, der heute zurücktritt, hat zugegeben, dass 'wir alle sehr naiv waren, was den Irak betrifft'." (01.09.2010)
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ABC - Spanien
Angesichts des offiziellen Ende des Irak-Kriegs erinnert die konservative Tageszeitung ABC an die hochgesteckten Ziele der USA vor dem Kampfeinsatz: "Obama hat gut daran getan, jegliche Art des Triumphs zu vermeiden, denn letztendlich ist man von der Erfüllung des Ziels weit entfernt, die Länder im Nahen Osten mit demokratischen Elementen auszustatten. Es mag utopisch klingen, aber um die Werte der freien Gesellschaften in einer globalisierten Welt zu bewahren, gibt es keine andere vernünftige Alternative, als alles Mögliche dafür zu tun sie auf solche Zonen auszuweiten, in denen sie noch nicht gefestigt sind." (01.09.2010)
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
Mit dem offiziellen Ende ihres Kampfeinsatzes hinterlassen die USA ein Land voller enttäuschter Erwartungen, kritisiert die Neue Zürcher Zeitung und verweist auf die Unruheprovinz Diyala: "Mit der Bevölkerungsmischung aus Sunniten und Schiiten, Arabern, Kurden und Turkmenen ist Diyala ein Spiegelbild der religiösen und ethnischen Vielfalt des Iraks, aber auch seiner mörderischen Konflikte. ... Ein Drittel der rund 1,2 Millionen Einwohner von Diyala hat laut den Angaben der lokalen Behörden keinen Zugang zu Trinkwasser. Für die Misere gibt es viele Gründe - den Krieg und den Terror der vergangenen Jahre, ein ehemaliges Regime, das lieber in Waffen als in Wasserleitungen investierte, das langjährige Uno-Embargo, die Amerikaner, die bisweilen an den lokalen Bedürfnissen und Gegebenheiten vorbeiplanten und eine Regierung, die zwar gerne schöne Pläne ausbreitet, meist aber unfähig ist, diese auch in die Tat umzusetzen." (31.08.2010)
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Avvenire - Italien
Das Ende des US-Kampfeinsatzes könnte zu einem Bürgerkrieg im Irak führen und die Präsidendschaft von Barack Obama aufs Spiel setzen, befürchtet die katholische Tageszeitung Avvenire: "Der Abzug der amerikanischen Kampftruppen aus Bagdad soll dazu dienen, der US-amerikanischen Präsidentschaft … neuen Glanz zu verleihen. Dies könnte zu einem eklatanten Bumerang werden. ... Der irakische Knoten ist nicht gelöst, im Gegenteil, er droht sich noch fester zu ziehen. ... Terroranschläge mit Dutzenden Toten häufen sich erneut, Zweifel an der Fähigkeit der neuen lokalen Sicherheitskräfte, für Ordnung zu sorgen, wachsen. ... Die Angst vor einem neuen verheerenden Bürgerkrieg … geht um. In den kommenden Wochen setzt Obama alles aufs Spiel, seine politische Zukunft und die des Nahen Ostens. Der Truppenabzug aus dem Irak trägt den suggestiven Namen 'Neue Morgenröte'. Die braucht auch die angeschlagene Führungskraft der Vereinigten Staaten von Amerika." (01.09.2010)
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Alle verfügbaren Texte von » Luigi Geninazzi
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