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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 22.12.2005

 

TOP-THEMA

Debatte über Homo-Ehe

Die Hochzeit der englischen Pop-Ikone Elton John am gestrigen Mittwoch gab den Auftakt zu den ersten homosexuellen Ehen in England und Wales. In einigen europäischen Ländern beflügelt das Ereignis neue Diskussionen über den Stand ihrer diesbezüglichen Gesetzgebung. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
The Guardian - Großbritannien, Libération - Frankreich, Diena - Lettland

The Guardian - Großbritannien

Mit Blick auf die 700 schwulen Paare, die sich am gestrigen Mittwoch trauen ließen, meint die Zeitung, Premierminister Tony Blair sei zurecht stolz auf das neue Partnerschaftsgesetz. "Eine soziale Revolution hat in dieser Woche stattgefunden, und zwar ganz ohne nennenswerten Streit oder Widerstand. Wenn man nur eine Generation zurückblickt - damals wären die gestrigen Szenen undenkbar gewesen. Natürlich bleibt es dabei, dass manche homosexuellen Paare immer noch Vorurteilen oder Schlimmeren gegenüberstehen. Aber was gestern geschah, war ein Beweis dafür, wie viel sich getan hat und wie viel noch zum Besseren getan werden kann. Es war ein guter Tag für die Toleranz und für Großbritannien." (22.12.2005)

Libération - Frankreich

"Dass einer der verücktesten und extravagantesten Stars der Musikszene Anzug und Krawatte eines Bräutigams angelegt hat, um mit seinem Lebensgefährten in den Hafen der Ehe einzulaufen, ... ist weder erstaunlich noch schockierend", findet Patrick Sabatier. "Sir Eltons Tollheiten sind ein Aushängeschild der 'Britattitude', die sich schon immer darauf verstanden hat, aus der Exzentrizität einen der Pfeiler der britischen Identität zu machen". Für den Journalisten "zeugt Elton Johns Hochzeit auch davon, dass das Recht der Homosexuellen, ihr Leben so zu leben wie andere auch, in die Normalität der demokratischen Gesellschaften Einzug erhalten hat. Sie gibt zum anderen die Frage auf, warum Frankreich, die lange eine Pionierstellung auf diesem Gebiet eingenommen hat, jetzt in seiner Ablehnung der homosexuellen Ehe festgefahren scheint." (22.12.2005)

Diena - Lettland

Auch in Lettland wird heftig über den gesetzlichen Status der Homo-Ehe debattiert. Die christlich-konservative "Lettlands Erste Partei" (LPP), hat eine Verfassungsänderung im Parlament beantragt, wonach die Ehe als Institution zwischen Mann und Frau festgeschrieben werden soll, um homosexuelle Partnerschaften zu verhindern. Aivars Ozolins findet das "albern" und "überflüssig": "Man kann sich fragen, ob heterosexuelle Beziehungen wirklich ein Ausdruck von 'Lettentum', ein Zeugnis für 'nationale Werte' oder gar ein 'patriotischer Akt' sind. Die militanten Schwulenfeinde versuchen ständig, Homosexuelle in die Nähe von kriminellen Pädophilen, Sodomisten oder Nekrophilen zu rücken, obwohl die meisten wissen, dass sexuelle Beziehungen zwischen Personen desselben Geschlechts kein Verbrechen sind. Gibt es in Lettland so viele Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen, dass sie es nötig haben, ihre Heterosexualität als Qualitätszeichen vor sich herzutragen?" (22.12.2005)

REFLEXIONEN

Der Standard - Österreich

Bilanz zu EU-Politikern und Vladimir Putin

"2005 war auch kein gutes Jahr für die Führungspersönlichkeiten der großen EU- Staaten wie Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien", meint Kolumnist Paul Lendvai. "Der langjährige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat durch sein Engagement beim Gasprom politisch und vor allem moralisch Schiffbruch erlitten. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac wirkt wie ein Schauspieler ohne Text in einem Stück ohne Regisseur... Es gibt nur einen Spitzenpolitiker, dessen internationaler Ruf trotz Erwürgung der politischen Parteien, der Willkür der gelenkten Justiz, der Korrumpierung der Gesellschaft und der Gleichschaltung der wichtigsten Medien in seinem Land auch heute gefestigt wurde: Vladimir Putin, der von einem farblosen KGB- Oberstleutnant zum äußerst erfolgreichen Populisten gewandelte Staatspräsident Russlands. Die Staats- und Regierungschefs großer und kleinen Staaten geben sich die Klinke in die Hand in Moskau. In ihrem Schlepptau schließen die Bankiers und Industriellen lukrative Verträge ab." (22.12.2005)

Le Figaro - Frankreich

Unbehagen in der Historiker-Gemeinschaft

Mehr als zwei Monate nach Beginn des Streits um die 'positiven' Auswirkungen des Kolonialismus und des offiziellen Unbehagens angesichts des 200. Jahrestages von Austerlitz haben rund zwanzig der wichtigsten französischen Historiker beschlossen, dass Schweigen zu brechen", freut sich Jacques de Saint-Victor und bezieht sich dabei auf die Unterschriftenaktion 'Freiheit für die Geschichte!'. Diese Stellungnahme zeugt vom Unbehagen, das in der Historiker-Gemeinschaft seit einigen Jahren schwelt. Und das obwohl der französische Gesetzgeber mit den besten Absichten im Bereich der Geschichte aktiv werden wollte". Für den Journalisten "wird das Gedenken immer fordernder, prozesssüchtiger und gar hasserfüllt. Und nichts könnte krankhafter sein, denn wenn auch niemand für seine Vorfahren verantwortlich ist, so ist er doch über jenes Maß an Hass Rechenschaft schuldig, das er an kommende Generationen weitergibt." (22.12.2005)

POLITIK

La Repubblica - Italien

Die italienische Innovation ist Vergangenheit

Neben dem stürmischen Abgang eines beleidigten Ricardo Muti von der Mailänder Scala zählt der Journalist Francesco Merlo eine Reihe von Übeln auf, die die italienische Gesellschaft zur Zeit heimsuchen. "Ricardo Muti und die Scala, dazu noch die Krise bei Fiat, die Dezentralisierung, ein zum Meinungspapst erhobener Sänger Adriano Celentano und zu guter Letzt auch noch die Schwäche der Ferrari-Motoren in der Formel 1." Er sieht in alledem "den Ausdruck von Italiens Ratlosigkeit und den des Niedergangs eines Landes, das ehemals den ersten Rang in der Ästhetik, der Mode, des Designs und vor allem der (gerade von der Scala repräsentierten) Oper einnahm… Hier ist schon wieder dieses hysterische Italien, das den Hochgeschwindigkeitszug und die Brücke von Messina ablehnt, das den Homosexuellen Gott entgegenhält, den Frauen den Embryo und dem Halbmond das Kreuz." (22.12.2005)

Financial Times - Großbritannien

Blair verteidigt Europa gegen Euroskeptismus

Tony Blairs schlagfertige Antwort auf einen britischen Euroskeptiker, der den EU-Haushaltsgipfel als gewaltige Niederlage für Großbritannien bezeichnete, war ein "Moment der Wahrheit" für den Premierminister, schreibt Quentin Peel. Auf die anklagenden Worte "'Sie sitzen da mit unserer Landesfahne, aber Sie repräsentieren nicht die Interessen unseres Landes', konterte Tony Blair: 'Wir leben im Jahr 2005, nicht im Jahr 1945.' Das war mehr als ein herrlicher parlamentarischer Schlagabtausch. Das war ein Schrei voller Wut und Frustration des britischen Premiers, der pro-europäisch fühlt und dennoch nicht genügend Mut hatte, zu seinen Überzeugungen zu stehen." (22.12.2005)

NRC Handelsblad - Niederlande

Parlament fordert Verbot der Burka

Die Tageszeitung äußert sich ablehnend über den am Dienstag vom niederländischen Parlament gestellten Antrag, das Tragen der Burka in der Öffentlichkeit zu untersagen. "Toleranz bedeutet eben, dass man auch jene Verhalten und Lebensauffassungen erlaubt, die von den meisten Menschen nicht geteilt werden", erklärt die Zeitung und findet darüber hinaus, dass es Den Haag nicht ansteht, über diese Art von Verbot zu entscheiden. "Die Regierung kann sich doch nicht darum kümmern, das Tragen von strittigen Kleidern auf der Straße zu reglementieren." (22.12.2005)

Heti Világgazdaság - Ungarn

Staatsbürgerschaftstests für Einwanderer

Die Wochenzeitung analysiert die Praxis einiger westeuropäischer Länder und der USA, Antragsteller der Staatsbürgerschaft in Sprache, Geschichte und Kultur des Landes zu prüfen. "In Großbritannien wird immer wieder debattiert, ob sich der gesellschaftliche Zusammenhalt lockert, wenn man von den Einwanderern nicht fordert, das Minimum gemeinsamer Werte und kultureller Normen zu akzeptieren." Die "britischste Frage" im Staatsbürgerschaftstest: "Was tut der gute Staatsbürger, wenn er das Bier von jemand anderem zufällig umkippt? Die richtige Antwort: ich zahle ihm ein neues Bier." Über die folgende Frage im Staatsbürgerschaftsstest der USA "würden sich vermutlich auch Experten den Kopf zerbrechen: Was ist die Aufgabe der UN? a) diskutiert die Probleme der Welt und versucht sie zu lösen, b) beendet Bürgerkriege, c) beschützt die USA, d) regiert die Welt." (22.12.2005)

MEDIEN

Gazeta Wyborcza - Polen

Neues Mediengesetz in Polen

Jahrelang wurde das polnische Mediengesetz überarbeitet - nun hat die neue Regierung im Expressverfahren und mit Unterstützung populistischer Parteien einen umstrittenen Beschluss durchgesetzt. Piotr Pacewicz erklärt die Eile: Im Januar werden die Verwaltungsorgane der staatlichen Sender neu gewählt und bis dahin will die regierende "PiS" ihre Leute im politischen Kontrollgremium, dem "Staatlichen Rundfunk- und Fernsehrat", unterbringen, um ihren Einfluss auf das Programm zu stärken. Kritik ruft auch der Paragraph hervor, wonach der Rundfunkrat für die journalistische Ethik zuständig ist. "Im Sozialismus sorgte für die entsprechende Ethik der Zensor, jetzt werden es fünf Politiker des neuen Kontrollgremiums sein - davon drei, die der Partei Kaczynskis angehören, die anderen gestellt von den Populisten, die das neue Gesetz unterstützt und beeinflusst haben." (22.12.2005)

L'Hebdo - Schweiz

Interaktiver Journalismus

Alain Jeannet schreibt über das Experiment seiner Zeitung, die seit den Unruhen im Oktober täglich aus der Pariser Banlieue berichtet. "Unsere ausgedehnten Reportagen in der Pariser Banlieue zeigen, wie fruchtbar der eingebettete Journalismus sein kann. Sie hat auch gezeigt, wie außergewöhnlich gut sich das Internet und die Printmedien in der Berichterstattung über aktuelle Ereignisse ergänzen. Für die traditionellen Medien eröffnet sich damit eine Zeit voller Turbulenzen, aber auch voller neuer Perspektiven. Mit dem Auftauchen etwa der blogs machen die Leser, Hörer und Fernsehzuschauer... den Journalisten ihr Monopol der öffentlichen Meinungsäußerung streitig. Von nun an können sie völlig frei das Wort ergreifen. Soll man sich dieser Flutwelle widersetzen? Ausgeschlossen. Die Presse muss sich sowohl auf die Interaktivität als auch auf einen teilnehmenden Journalismus einlassen." (22.12.2005)

KULTUR

Die Welt - Deutschland

Weinabkommen mit den USA

Die EU hat dem Weinabkommen mit den USA zugestimmt, wonach auch synthetische Weine aus den USA in Europa verkauft werden dürfen: "Ist jetzt das Abendland in Gefahr? Das Abendland ist immer in Gefahr. Deshalb ist die amerikanische Attacke auf die europäische Weinkultur kein Grund zur Panik... Spitze Schreie der moralischen Entrüstung klingen falsch. Gepanscht wurde immer, das gehört zum Abendland genauso wie die Rosstäuscherei." (22.12.2005)

Luxemburger Wort - Luxemburg

Zwanzig Künstler besingen die Freude

"In einer nahezu provokanten Initiative macht die neue, 'Joy' genannte Ausstellung im Casino (Forum für zeitgenössische Kunst) allen Kunstspießern eine lange Nase, die meinen, Kunst müsse immer ernst sein. Ja, Kunst kann fröhlich sein, für die Künstler wie für die Betrachter!", jubelt Marie-Laure Rolland. "Etwa zwanzig von Enrico Lunghi und Lara Boubnova versammelte Künstler schenken uns einen frischen Wind, der nur zu willkommen ist, um die uns umgebenden Trübsinn abzuschütteln. Wie der Kurator Enrico Lunghi erklärt, lag es ihm fern, eine bestimmte Vorstellung von Freude durchzusetzen. 'Wir haben keine Theorie der Freude. Schließlich hat jeder eine andere Art, sie auszudrücken oder zu empfinden. Aber in der Ausstellung wird klar, dass diese Freude keine blinde Euphorie über die Welt um uns herum ist.'" (22.12.2005)

El Mundo - Spanien

Gary Mitchell, der "nordirische Rushdie"

Die Journalistin Ana Romero erzählt die Geschichte des als "Rushdie Nordirlands" bekannten Dramatikers Gary Mitchell, der sich in dieser Woche gezwungen sah, mit seiner Familie Belfast zu verlassen. "Mitchell, eine der innovativsten Stimmen im europäischen Theater, musste aus dem Stadtteil Rathcoole, wo er sein ganzes Leben verbracht hatte, flüchten, und zwar aufgrund von Morddrohungen aus den Reihen der loyalistischen Protestanten, seiner eigenen Gemeinschaft". Sein Ärger mit der 'Ulster Defence Association' (UDA), der mächtigsten bewaffneten Gruppe nordirischer Protestanten, nahm 2001 seinen Anfang, mit dem Buch 'As the beast sleeps'. Darin wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der versucht, seiner Frau, seinem besten Freund und seinem Chef in der UDA gegenüber loyal zu bleiben. "Doch mit dem Voranschreiten des Friedensprozesses fühlt er sich in der politischen Übergangssituation verloren. Zweifel, die von der UDA als Verrat betrachtet wurden", erklärt die Journalistin. (22.12.2005)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Musils Agitationsprosa

Der Historiker Roman Urbaner hat einen bisher unbekannten Text entdeckt, den der österreichische Schriftsteller Robert Musil als Redakteur einer Armeezeitung zu Weihnachten 1916 verfasst hat und bei dem es sich, so Urbaner, um "überraschend willfährige Agitationsprosa" handelt: "Wir warten und wissen, dass wir unsere Schuldigkeit tun werden, wenn es weiter sein muss. An uns liegt es nicht, wenn auch der Frühjahrsschnee rot gefärbt werden wird. Wir verteidigen, sie greifen an, das sagt uns unser Gewissen heute wie vor zweieinhalb Jahren, und da hilft ihnen kein Deuteln." (22.12.2005)

LOKALE FARBEN

Dagens Nyheter - Schweden

Die boxende Feuilletonistin

Im bürgerlichen Leben ist die 38-jährige Asa Sandell Kulturchefin des Helsingborgs Dagblad. Daneben verfolgt sie jedoch eine zweite Karriere - als Profiboxerin. Im Interview mit Jenny Sköld erklärt Sandell, warum sie sich in New York ganz auf ihren Sport konzentrieren will. "Boxer kann man nicht ewig bleiben, Journalist ein ganzes Lebens lang. Im Moment fasziniert mich das Boxen mehr. Hier befindet man sich völlig im Jetzt, ohne Reflexion, es ist mehr Agieren als Analyse." (22.12.2005)

Delo - Slowenien

Bedeutung der Lokalpolitik

"Der Historiker Cyril Northcote Parkinson schrieb, dass man in die Lokalpolitik wegen der unglücklichen Ehe eintritt. Gott, wie viele unglückliche Ehen muss es in Slowenien geben", fragt sich Boris Jež. "Während sich die Welt mit Klimaveränderungen beschäftigt, wird in Dummsbach immer noch fleißig der Dünger um die Kirchenmauern gelegt. Doch, Dummsbach ist nicht mehr was es mal war – jetzt ist es eine richtige Gemeinde, mit einem Bürgermeister, Sekretärin und einem Ficus, wie es sich gehört." Und Jež wundert sich weiter: "Der Durchschnittswähler ist verwirrt, wenn es sich um 'hohe Politik' handelt. Doch wenn man sich mit dem Nachbarsdorf um eine Weide streiten muss – dann fängt er an zu 'politisieren' (so nennt man das heute). Man müsste jetzt nur noch rausfinden, wieso es so viele unglückliche Ehen gibt." (18.12.2005)

Hospodářské noviny - Tschechien

Slowakei ab 2006 mit Berufsarmee

Ab 2006 wird in der Slowakei der Grundwehrdienst abgeschafft, eine Berufsarmee eingeführt. Martin Ehl weist auf den hohen Stellenwert der Armee in der slowakischen Öffentlichkeit hin: "Die Armee spielt in der Slowakei eine ganz andere Rolle als in Tschechien, wo deren Prestige nur langsam wuchs. Seit der Unabhängigkeit der Slowakei machen die Armee und die Kirche in Umfragen zur Vertrauenswürdigkeit den Platz 1 untereinander aus." (22.12.2005)

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